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Die flinken Ofenbauer

Cheminéebauer gibt es in der Schweiz nur noch wenige, zu stark ist der Druck aus dem Ausland. Die Hans Greub AG in Lotzwil weiss sich aber nach wie vor zu behaupten.

Diese Öfen stehen dafür bereit, bald ein Zuhause zu erwärmen. Peter Hess, der das Unternehmen führt, hat zunehmend kaufkräftige Kunden.
Diese Öfen stehen dafür bereit, bald ein Zuhause zu erwärmen. Peter Hess, der das Unternehmen führt, hat zunehmend kaufkräftige Kunden.
Marcel Bieri

Kommt ein neuer Auftrag rein, dann wird gearbeitet. Überstunden spielen da keine Rolle mehr. Schliesslich setzt Peter Hess alles daran, Lieferfristen einzuhalten. Hohe Flexibilität ist in seinem Betrieb ein Muss, findet der Inhaber und Geschäftsleiter der Hans Greub AG. Die Nachfrage richtet sich bei seinen Cheminées nicht mehr nach dem Preis, sondern nach Zeit und Qualität. Die speziell angefertigten Öfen verlassen deshalb nach nur wenigen Wochen Bauzeit die Werkstatt.

«Früher», sagt Gründer Hans Greub, mittlerweile pensioniert, aber immer noch oft in der Firma anzutreffen, «kamen Bestellungen per Briefpost rein. Die hat man erst einmal in ein Fächlein abgelegt.» Unvorstellbar heute, wo Architekten über Monate das perfekte Innenleben eines Hauses gestalten und danach schnell beliefert werden wollen.

Erste Versuche in der Garage

Angefangen hat bei Hans Greub alles in Thunstetten in seinem Einfamilienhaus. Oder besser gesagt in dessen Garage. Greub hatte ein Cheminée in den Neubau einsetzen lassen. Als dieses nicht funktionierte, konnte ihm niemand helfen. «Also habe ich mir selber geholfen», sagt der heute 64-Jährige. Dem gelernten Mechaniker fiel auf, dass viele andere Leute mit ähnlichen Problemen kämpften. Greub entschied sich also, Cheminées zu sanieren. An Gewerbeausstellungen durfte er seine Produkte am Stand eines anderen Ofenbauers ausstellen. Fortan hatte der gebürtige Lotzwiler stets Kunden.

Greub kaufte sich Land nördlich des Bahnhofs von Lotzwil und baute 1989 seine erste Werkhalle. Im Jahr 2000 noch eine und 2010 eine weitere. Kurz darauf stiess Peter Hess zur Firma. Nach 26 Jahren in der Blechbearbeitung bei Fritz Born wollte er etwas Neues wagen. Hess und Greub kannten sich bereits von früher. Ohne Ambitionen sei er gestartet, sagt Hess, der sich zur Führungsperson entwickelte. Im Mai dieses Jahres übernahm er gleich das ganze Unternehmen.

Mann fürs Grobe, aber Fehler sind unverzeihlich. Haben die Metallplatten Kratzer, können sie nicht mehr benützt werden. Bild: Marcel Bieri
Mann fürs Grobe, aber Fehler sind unverzeihlich. Haben die Metallplatten Kratzer, können sie nicht mehr benützt werden. Bild: Marcel Bieri

Der Druck kommt von überall

Schwarz an Schwarz in Reih und Glied. In der Lagerhalle stehen Schwedenöfen zum Abtransport bereit. Sie kosten zwischen 4000 und 10 000 Franken, je nach Ausstattung. In den 80er-Jahren wurden diese populär, Hans Greub sprang auf den Zug auf und stellte also Schwedenöfen her, je mehr, desto besser. Im Spitzenjahr 1992 waren es über 1000.

Dieser Geschäftszweig ist mittlerweile stark rückläufig. Cheminées, günstig produziert in Osteuropa, drängen auf den heimischen Markt. Baumärkte vertreiben diese zu Schleuderpreisen. Dann kam noch der Frankenschock. «Uns ist fast über Nacht die Marge eingebrochen», sagt Greub. Und Hess fügt an: «Wir sind auch heute mit den Schwedenöfen noch nicht wieder dort, wo wir gerne sein möchten.»

Aufträge im Luxusbereich

Doch da gibt es auch Erfolgsgeschichten. In der Werkstatt der 14-köpfigen Firma schweissen Mitarbeiter nach wie vor Metalle zusammen. Man hört Sägen und Hämmern. Die Aufträge kommen weiterhin rein, einfach von einer anderen Klientel. So will etwa ein Villenbesitzer am Zürichsee seine Veranda mit einem sandbestrahlten Ofen inklusive eingebautem Kühlschrank aufwerten. Einige Architekten beziehen zudem wieder noble Ofenecken in ihre Konzepte mit ein.

Heute hat die Hans Greub AG Bestellungen vom Genfersee bis in die Bündner Berge. Für Aufträge im Umkreis von 25 Kilometern betreuen die eigenen Mitarbeiter die Kunden. Daneben arbeiten die Ofenbauer mit Partnern zusammen. Waren vor einigen Jahren noch rostige Verkleidungen im Trend, so ist es nun Schwarzmetall. Die Hans Greub AG ist eine der wenigen Firmen, die derartige Cheminées herstellen können. «Wir bieten darüber hinaus eine hohe Qualität», sagt Hess.

Qualität hat ihren Preis

Das muss sich herumgesprochen haben, denn erst kürzlich erhielten die Lotzwiler über einen Verkaufspartner einen Grossauftrag: Das Bürgenstock-Hotel, das Investoren aus Katar für viel Geld renovieren liessen, klopfte an. Obwohl das Resort rund 100 Gascheminées in seine Zimmer einbauen liess, wollten die Architekten auch solche aus Holz. Die Planer von Greub machten sich ans Werk, zeichneten 3-D-Grafiken, reichten Offerten ein. Die Ofenbauer erhielten den Zuschlag. In weniger als zwei Wochen stellten sie einen 7,5 Meter hohen Rauchfang her, freihängend montierbar. Bestehend aus sieben massgefertigten Elementen.

Dazu kamen noch weitere Öfen, etwa für den Balkon des Hotels. Hess sagt: «Wir mussten Gas geben.» Es hat sich gelohnt, der Rauchfang thront mittlerweile in der Lobby. Total dürfte die Cheminéeanlage wohl gegen 50'000 Franken gekostet haben. Der Betrag, den Hess davon verbuchen darf, wird natürlich tiefer sein. Trotzdem trägt er zum Jahresumsatz von etwa zwei Millionen Franken bei. Und zum Renommee der Firma. Denn schliesslich hat nicht jeder einen 7,5 Meter hohen Massrauchfang im Eingang stehen.

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