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«Die Lösung würde wohl leichter»

Alt-SP-Grossrat Markus Meyer ist für den Atomausstieg. Als Geschäftsführer des Forums Vera macht sich der Roggwiler aber ebenso für die Entsorgung radio­aktiver Abfälle in heimischen Tiefenlagern stark.

«Herzens­angelegenheit»: Markus Meyer führt seit bald 20 Jahren die Geschäfte des Forums ­Vera.
«Herzens­angelegenheit»: Markus Meyer führt seit bald 20 Jahren die Geschäfte des Forums ­Vera.
Marcel Bieri

2014 ist Markus Meyer nach vier Amtsperioden aus dem Grossen Rat zurückgetreten. Heute beschränkt sich das parteipolitische Engagement des 51-Jährigen auf das Sekretariat für die SP in seinem Wohnort Roggwil. Im Vordergrund steht klar die berufliche Tätigkeit als Anwalt.

Gerade als solcher richtet Meyer auf die Abstimmung über das neue ­Energiegesetz vom kommenden 21. Mai ein besonderes Augenmerk. Aus persönlichem Interesse auch. Aber ebenso in seiner Funktion als Geschäftsführer des in Bern ansässigen Forums Vera – ein Mandat, das er seit seinem Schritt in die berufliche Selbstständigkeit vor bald 20 Jahren innehat und das ihm bis heute eine Herzensangelegenheit geblieben ist.

Eine Haltung zum Atomausstieg hat man im Forum Vera zwar ausdrücklich nicht; unter den rund 2500 Mitgliedern befinden sich ebenso Vertreter der Atomlobby wie Verfechter des Ausstiegs. Ziel des vor rund 30 Jahren gegründeten Vereins ist es vielmehr, eine technisch sichere Lösung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle zu finden – und die Gesellschaft dazu zu brin­gen, diese Lösung auch umzusetzen. Von einer «demokratischen Übernahme der Verantwortung» spricht man beim Forum Vera. «Wir haben diese Abfälle», unterstreicht Meyer. «Die Frage ist einzig, wie man mit diesen im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten umgehen will.»

Das falsche Faustpfand

Meyer macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich Befürworter des neuen Energiegesetzes ist. Dessen «pragmatischer Ansatz» sei der richtige Weg. Dass ein Teil der Verfechter des Atomausstiegs und namentlich seine Partei diesen zur Voraussetzung machen, um überhaupt Hand zu bieten bei einer Entsorgungslösung, verurteilt er indes scharf: Sich gegen ein Tiefenlager zur sicheren Entsorgung der radioaktiven Abfälle zu wehren, um in der grundsätzlichen Debatte zur Kernenergie «ein politisches Faustpfand» zu haben, sei schlichtweg falsch.

«Wir haben diese Abfälle. Die Frage ist einzig, wie man mit diesen im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten umgehen will.»

Markus Meyer

Und doch ist es gerade die Auseinandersetzung mit diesen verschiedenen menschlichen Haltungen und gesellschaftspolitischen Fragen, die Meyer als «höchst spannend» empfindet. Als Geschäftsführer ist seine Aufgabe im Forum zwar primär administrativer Natur: Er organisiert Versammlungen, formuliert Stellungnahmen, erledigt Rechnungen. Die grossen, teils sehr emotionalen Entsorgungsdebatten laufen derweil abseits seines Heimatkantons in den Regio­nen, die im Sachplan geologische ­Tiefenlager des Bundes als Entsorgungsstandorte weiterhin infrage kommen: Jura-Ost im Kanton Aargau, Zürich-Nordost im Grenzgebiet zwischen Zürich und Thurgau und Nördlich Lägern auf Zürcher und Aargauer Boden (siehe Kasten).

Eine Frage der Technik

In allen drei Regionen sei die Bereitschaft da, sich mit der Ent­sorgungsfrage auseinanderzusetzen, sagt Meyer. Aber es gebe auch in allen drei fundamentale Gegner. Das wäre wohl auch in anderen Gegenden nicht anders, räumt Meyer ein. Nur gebe es die gerechte Verteilung nun einmal nicht in diesem Fall.

Für die technisch sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle muss ein Gebiet eine ganz bestimmte Geologie aufweisen. Das Forum Vera, erklärt Meyer, versuche deshalb vor allem im Bereich der Aufklärung viel Arbeit zu leisten: Auch geologische Wanderungen gehören zur Lobbyarbeit des Forums dazu, Inforeisen ins Zwischenlager nach Würenlingen, Kurse für Chemie- und Physiklehrer auch. Ebenfalls mit ethischen Fragen setze man sich im Forum und in den Konferenzen der Standortregionen immer wieder auseinander, erklärt Meyer – letztlich bleibe die Entsorgungsfrage aber primär eine technische.

Die konkrete Menge

Auch deshalb ist der Sachplan des Bundes seiner Ansicht nach ein geeignetes Mittel, um die Ent­sorgungsfrage zu lösen. «Bei einem Ja zum Energiegesetz fällt das Hauptargument der Gegner gegen den Sachplan weg», unterstreicht Meyer. Umso stärker werde das Forum dann darauf hinwirken, dass der Plan konsequent vorangetrieben werde. «Wenn der Atomausstieg entschieden ist, dann kennen wir auch die genaue Menge an radioaktiven Abfällen, die entsorgt werden muss», erklärt er. «Das würde die Lösung der Entsorgungsfrage wohl erleichtern.»

Und wenn das Energiegesetz doch scheitern sollte? «Ich wüsste nicht, wie das zu interpretieren wäre. Für mich ist der Atom­ausstieg keine Glaubensfrage», räumt Markus Meyer offen ein. Am Ziel des Forums würde aber auch das nichts ändern. «Die Abfälle sind so oder so da, und wir müssen sie entsorgen. Das war schon vor Fukushima unsere Arbeit und wird es weiterhin sein.»

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