Zum Hauptinhalt springen

Die Sportwetten waren widerrechtlich

Weil sie in ihrem Lokal illegale Sportwetten anboten, wurden zwei Türken aus dem Oberaargau von der Staatsanwaltschaft gebüsst. Sie zogen den Fall weiter vor das Regionalgericht.

Ein Fall von illegalen Sportwetten beschäftigte das Regionalgericht.
Ein Fall von illegalen Sportwetten beschäftigte das Regionalgericht.
Keystone

Kurz vor Weihnachten 2016 ­erlebten die Besucher eines türkischen Kulturclubs im Ober­aargau eine Polizeistunde der unvergesslichen Art: Gegen Mitternacht stürmten über ein Dutzend Uniformierte die Beiz.

Drei Monate später erhielten die Verantwortlichen Post von der Staatsanwaltschaft. Wegen gewerbsmässigen Anbietens und Vermittelns von illegalen Internetwetten und geringfügigerer Gesetzesverstösse kassierte der Inhaber des Lokals Bussen von total 2380 Franken. Seinen Compagnon bestrafte die Anklagebehörde mit Bussen von insgesamt 2300 Franken. Dazu kamen Gebühren von je 800 Franken.

Keine Klagen eingegangen

Die Gastronomen zogen den Fall weiter ans Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft könnten sie nicht akzeptieren, teilten sie Einzelrichter Roland Richner mit. In den drei Jahren, in denen sie den Club betrieben hätten, habe die Polizei regelmässig vorbeigeschaut, ohne auch nur einmal etwas zu beanstanden, versicherten die nicht vorbestraften Beschuldigten Einzelrichter Roland Richner. Auch von der Gemeinde oder aus dem Regierungsstatthalteramt seien nie Klagen eingegangen.

Den Computer, auf dem die Sportwetten abgewickelt wurden, habe er auf Wunsch einiger Gäste und ohne Wissen seines Partners angeschafft, sagte der Wirt. Geld sei so gut wie keines geflossen. Das sieht die Staatsanwaltschaft anders: Gemäss ihrem Strafbefehl wurde in dem Club vor der Grosskontrolle ein Reingewinn von rund 22 500 Franken erwirtschaftet.

Der Inhaber seinerseits – er hatte den Mietvertrag und die Betriebsbewilligung unterzeichnet – stritt ab, je etwas Verbotenes installiert oder toleriert zu haben. Er sei ohnehin nur selten anwesend gewesen und habe folglich kaum mitbekommen, was in der Beiz vor sich ging.

Das Restaurant sei ein beliebter Familientreffpunkt gewesen, erzählte er in einer Verhandlungspause: Die Mütter hätten miteinander Kaffee getrunken und geplaudert, die Väter Fussballspiele am TV geguckt und die Kinder gespielt. Mit dieser Idylle sei es nach der Razzia vorbei gewesen. Zwei Monate danach habe er das Lokal wegen Gästemangels dichtgemacht. Seither hängen die zwei Familienväter am Tropf des Sozialamtes.

Einsprachen zurückgezogen

Geduldig wies Richter Roland Richner sie mehrfach auf die Möglichkeit hin, die Einsprachen gegen die Strafbefehle zurückzuziehen. Mit den von der Staatsanwaltschaft verhängten Strafen seien die beiden «noch gut bedient», sagte der Vorsitzende. Und ergänzte: «Falls Sie die Einsprachen aufrechterhalten, wird es für Sie teurer.»

Nach einer Bedenkpause lenkten die Beschuldigten ein. «Aus prozessökonomischen Gründen» – und nicht etwa aus einem plötzlich erwachten Schuldbewusstsein heraus – beschlossen sie, der Sache ein Ende zu setzen und die Strafbefehle zu akzeptieren. Falls sie darauf gewettet hatten, dass der Richter sie für ihre Einsicht belohnt, hätten sie gewonnen: Roland Richner verzichtete darauf, sie mit den Verfahrensgebühren zusätzlich zu belasten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch