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Ein Aufruf ins Leere

«Dr Schuss isch duss, das wars!» Das Motto der Fasnacht in Melchnau lässt vermuten, dass der 16. Kinderumzug durchs Dorf zugleich der letzte sein wird. Die Organisatoren ziehen sich zurück – und Nachfolger sind keine in Sicht.

Im Element: Heinz Hasler am Umzug 2012 – einem von mehr als einem Dutzend unter seiner Leitung.
Im Element: Heinz Hasler am Umzug 2012 – einem von mehr als einem Dutzend unter seiner Leitung.
Marcel Siegrist

«Ich nehme an, dass 2017 die ­letzte Fasnacht in Melchnau ist», bestätigt Heinz Hasler. Seit sechzehn Jahren fungiert der 54-Jährige nun bereits als OK-Präsident im fünfköpfigen Team hinter der Dorffasnacht. Diesem gehört auch Claudia Stirnimann an, ­zuständig für die Chäuerfasnacht im Keller der Wohnsiedlung Ak­tiva. Doch nun will die Betriebsleiterin der Wohnsiedlung aus dem OK-Team zurücktreten, der Raum wird den Fasnächtlern daher nicht mehr zur Verfügung stehen.

Dies sei mit ein Grund, dass die Melchnauer Fasnacht am kommenden 25. Februar mit grosser Wahrscheinlichkeit zum letzten Mal stattfinde, erklärt Heinz Hasler. Aber nicht nur. Schliesslich habe man mit der Chäuerfasnacht – obgleich diese auch 2017 noch stattfindet – angesichts des nur noch geringen Interesses der Melchnauer «eigentlich schon vor Jahren abgeschlossen».

Nach den Erwachsenen fehlen vermehrt auch die Kinder

In den vergangenen Jahren habe nun aber auch die Zahl der Kinder am Umzug abgenommen, sagt Hasler. Waren es einst bis zu 250 kleine Fasnächtler, die am Umzug teilnahmen, zogen 2016 nur noch deren rund 150 durch die Melchnauer Strassen. Vereine im Dorf oder auch die Schule seien angeschrieben worden, damit sie am Umzug teilnähmen, sagt Hasler. Allerdings stiess der Aufruf des Organisationskomitees auf wenig Interesse.

«Es war in Melchnau in all den Jahren vor allem eine Kinderfasnacht», blickt Heinz Hasler zurück. Was mit einem Maskenball in der Bäckerei Liebu begann, wurde in den Folgejahren grösser und grösser. Insgesamt rund 3750 Kinder in farbenprächtigen Kostümen haben über sechzehn Jahre hinweg am Umzug teil­genommen. Darunter allerdings immer weniger «Wilde», wie Hasler sie nennt.

Es seien vor allem Gruppierungen wie der Kindergarten oder die Spielgruppen, die in den letzten Jahren noch teilgenommen hätten am Umzug, erklärt er. Deshalb habe man vor zwei Jahren schon mit der Prämierung von Einzelmasken aufgehört. «Es waren einfach zu ­wenige Einzelmasken da», so Heinz Hasler.

Bereit für «Di Letscht»: Der OK-Chef mit der Plakette 2017. Bild: Andreas Marbot
Bereit für «Di Letscht»: Der OK-Chef mit der Plakette 2017. Bild: Andreas Marbot

«Ich fände es sehr schade für die Kinder, wenn es auch keinen Umzug und damit gar keine Fasnacht mehr gäbe», bedauert der OK-Chef – zugleich ist er dankbar für die Unterstützung, auf welche er und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren zählen durften. «Zu Beginn reinigten wir die Strasse nach dem Umzug selber», erinnert er sich. Dann sorgten Strassenmeister Samuel Schmutz und sein Team für die Strassenreinigung. Die Feuerwehr regelte jeweils den Verkehr. Auch Sponsoren unterstützten den Anlass. So konnten die Kinder nach dem Umzug einen Gratishotdog und Eistee geniessen.

«Wir müssen uns sicher ­keinen ­Vorwurf machen»

Doch alle Zeichen deuten darauf hin, dass die bevorstehende tatsächlich die letzte Fasnacht sein wird im Dorf. Denn auch Nachfolger auf Organisatorenseite sind trotz intensiver Suche bisher nicht gefunden worden.

«Wir vom Organisationsteam müssen uns sicher keinen Vorwurf machen, wir haben alles versucht», ist Heinz Hasler überzeugt. Man könnte nun theoretisch einen Verein gründen und die Fasnacht weiterführen, zieht der langjährige OK-Chef eine mögliche Lösung in Betracht. Er wäre sogar bereit, bei der Organisation von zukünftigen Fasnachten mitzuhelfen – nur das Amt des OK-Präsidenten wolle er nun endgültig abgeben, sagt Hasler. «Ich wäre aber sehr positiv überrascht, wenn so etwas tatsächlich zustande käme.» Dennoch: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

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