Ein Engelgrab für tot geborene Kinder

Herzogenbuchsee

Auf dem Friedhof wird am Montag ein Engelgrab für die Beisetzung tot geborener Kinder eingeweiht. Der Anstoss dazu kam vom Pfarrkollegium. Das Grab, das auch als ein Gedenkort dient, entspreche einem Bedürfnis der Eltern.

Ein Gedenkort für betroffene Eltern: Das neue Engelgrab auf dem Friedhof in Herzogenbuchsee, das am Montag eingeweiht wird.

Ein Gedenkort für betroffene Eltern: Das neue Engelgrab auf dem Friedhof in Herzogenbuchsee, das am Montag eingeweiht wird.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Sebastian Weber

Sie werden im Volksmund oft auch Sternen- oder Engelskinder genannt. Jene Kinder, die tot zur Welt kommen oder zu früh versterben. Für die Eltern ist ein solcher Verlust eine grosse Belastung. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Schweiz Kinder, die vor der 22. Schwangerschaftswoche sterben, juristisch gesehen kein Anrecht auf eine Bestattung haben.

Mehrere Gemeinden haben auf diesen Missstand mittlerweile reagiert – hierzu gehört nun auch Herzogenbuchsee. Der Begräbnisbezirk, die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde sowie die katholische Pfarrei Herz Jesu laden am Ostermontag gemeinsam zur Einweihung des neuen Engelgrabs auf dem Friedhof ein.

«Das hat mich berührt»

Angestossen worden sei ein solches vom Buchser Pfarrkollegium, erzählt Pfarrer Johannes Weimann. Rund sechs Jahre sei dies nun her. Bei der Kirchgemeinde, aber auch beim Begräbnisbezirk seien sie mit ihrem Anliegen rasch auf Gehör gestossen, sagt Pfarrerin Hélène Ochsenbein. Ein Engelgrab diene betroffenen Eltern nicht nur als Grabstätte für ihr Kind, sondern auch als Gedenkort.

Auf das Thema aufmerksam geworden sei man vor allem durch andere Gemeinden wie etwa Münchenbuchsee, die bereits ein solches Engelgrab geschaffen hätten, erinnert sich Weimann. In seinem Fall habe aber auch ein betroffenes Ehepaar seine Meinung beeinflusst. Für dieses hatte Johannes Weimann vor rund sechs Jahren eine Abschiedsfeier gehalten.

Ihr Kind hatte nur eine halbe Stunde gelebt. Weil es in Herzogenbuchsee damals keine Möglichkeit gab, das Kind beizusetzen, wich das Paar auf den Bremgartenfriedhof in Bern aus. «Es hat mich sehr berührt, wie die Eltern von ihrem Kind Abschied genommen haben», erzählt Weimann. Er habe sich aber gedacht, dass es auch in Herzogenbuchsee die Möglichkeit zu einer solchen Beisetzung geben müsste.

Anonym oder mit Namen

Nun passte alles zusammen: Der Begräbnisbezirk Herzogenbuchsee hatte sich schon längere Zeit mit der Gesamtplanung des Friedhofs beschäftigt und ging schliesslich vor rund einem Jahr eine Umgestaltung des hinteren Bereichs beim Gemeinschaftsgrab an. Anlass dazu habe die ­gestiegene Nachfrage nach Gemeinschaftsgräbern geboten, sagt Markus Röthlisberger, Präsident des Begräbnisbezirks. Diesen wurde deshalb nun mehr Platz eingeräumt. Gleichzeitig wurde links neben den Gemeinschaftsgräbern das neue Engelgrab gestaltet.

Auf diesem können gemäss dem Bestattungs- und Friedhofreglement der Gemeinde Herzogenbuchsee tot geborene Kinder bestattet werden, wenn ein Elternteil seinen Wohnsitz im Begräbnisbezirk hat. Eine Totgeburt liege vor, wenn ein Kind ohne Lebenszeichen auf die Welt komme, «unabhängig von Gewicht und Gestationsalter». Allerdings sei man flexibel, sagt Markus Röthlisberger. Sollten etwa Eltern, deren Kind noch kurze Zeit gelebt habe, dieses auf dem Engelgrab beisetzen wollen, werde der Begräbnisbezirk diesem Wunsch sicher entgegenkommen. Die Bestattung der Engelskinder erfolgt in einer Urne – anonym oder nach Wunsch der Eltern mit der Eintragung eines Namens auf einem beim Grab liegenden Backstein.

Eine neue Hoffnung

Das Engelgrab in Buchsi besteht aus einem Kreis aus 22 Eichenholzstelen. Diese sind zwischen 1,80 und 2,20 Meter hoch und bilden, wie Landschaftsarchitekt Mathias Brock vom Büro Moeri und Partner erklärt, einen in sich geschlossenen Ort auf dem Friedhof. «Der Kreis stellt Geborgenheit dar. Er ist Rückzugsort, gleichzeitig aber auch lichtdurchlässig.» Im Innern des Kreises haben die Architekten einen spiralförmigen Weg aus Steinplatten angelegt. Dieser, so Brock, sei ein Symbol der Schöpfung und des Lebens. Der Quellstein in der Mitte des Grabs stehe für eine neue Hoffnung. «Das Engelgrab ist somit nicht nur ein Ort der Trauer. Er soll den Eltern auch Mut machen», erklärt Mathias Brock.

An der Einweihungsfeier werden Pfarrerin Hélène Ochsenbein und Domherr Alex L. Maier vom römisch-katholischen Pfarramt Herz Jesu zu den Gästen sprechen. Musikalisch untermalt wird der Anlass von Hornist Walter Gfeller.

Einweihungsfeier, Montag, 28. März, 17 Uhr, auf dem Friedhof Herzogenbuchsee.

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