Ein «Freund des Feuers» zeigt sein Schaffen

Riedtwil

Ein Jahr lang hat Künstler Hubert Bienek mit jurassischer Tonerde gearbeitet. In der alten Giesserei sind die dabei entstandenen Werke nun zu sehen.

Der Künstler in seiner Ausstellung: Der Langenthaler Hubert Bienek hat sich für «Erdherz» intensiv mit den Elementen auseinandergesetzt.

Der Künstler in seiner Ausstellung: Der Langenthaler Hubert Bienek hat sich für «Erdherz» intensiv mit den Elementen auseinandergesetzt.

(Bild: Thomas Peter)

Hubert Bieneks Begeisterung für die Materie Ton reicht weit zurück. Bereits mit zwanzig Jahren sei er von den damals entdeckten Terrakottakriegern aus China derart fasziniert gewesen, dass er später während seiner Kunstausbildung in Deutschland als Abschlussarbeit zwei Frauenfiguren aus Ton hergestellt habe. Um diese zu brennen, hat er sich damals einen eigenen holzgefeuerten Ofen aus Ziegeln gebaut.

Weitere Arbeiten folgten, die Erfahrung wuchs. «Ich habe auch schon einen Ofen aus Papier gebaut.» Bis der 64-Jährige schliesslich vor zwei Jahren einen jungen Künstlerkollegen aus Zürich bei dessen Arbeit unterstützte. «Das war ein Glücksfall», sagt Bienek. Denn bei diesem Projekt blieben zehn Fässer jurassischer Tonerde aus der Grube des ehemaligen Klosters Schönthal aus Langenbruck BL übrig, die er übernehmen konnte.

«Jungfräuliches Material»

«Ich habe mich sofort in diesen Ton verliebt», erzählt Hubert Bienek, der sich selbst gerne als Freund des Feuers bezeichnet. «Es handelte sich um absolut jungfräuliches Material, das vorher noch nie bearbeitet worden war.» Der Langenthaler erkannte das Potenzial: «Ich wollte den Geist dieser Erde wiederbeleben – sie noch einmal lebendig werden lassen.» Ein ganzes Jahr lang hat sich Bienek 2017 in seiner Werkstatt mit der Tonerde beschäftigt.

Was ihm schon bei den ersten Versuchen sofort auffiel: Das Material bestach weniger durch seine Klarheit als vielmehr durch seinen besonderen Charakter. So können beim Brennprozess sogenannte Kalkspatzen entstehen, kleine durch ein winziges Kalkstück ausgelöste Fehler. «Für einen Keramiker sind solche ‹Blätzen› das Schlimmste, was passieren kann», meint Bienek. Für ihn hingegen seien sie ein wichtiger Impuls für seine Werke gewesen. «Ich habe diese kalkigen Verunreinigungen ganz bewusst in den Vordergrund gestellt. Das ging sogar so weit, dass ich Tonmasse, die zu sauber geraten war, selbst verunreinigte.»

Eine grosse Spielfreude

Für Hubert Bienek war deshalb auch schon früh klar: «Meine Werke gehören nicht in eine Galerie mit weissen Wänden.» Stattdessen wurde er in Riedtwil fündig. Voriges Jahr war er für die Ausstellung von Walti Berger zum ersten Mal dort. «Mir war sofort klar: Das sind die idealen Räumlichkeiten für meine Ausstellung. Genau wie in meinen Arbeiten finden sich hier auch Rauch, Dreck und Asche.» Rund 150 seiner jüngsten Werke sind nun in der feuererprobten Halle der ehemaligen Bronzegiesserei Kohler an der Oschwandstrasse zu sehen. Die Ausstellung Erdherz wird heute mit einer Vernissage eröffnet. Hubert Bienek freut sich: Es sind über achtzig Anmeldungen bei ihm eingegangen.

Die Besucher werden in der Jahresretrospektive vor allem mit der grossen Spielfreude und dem Experimentierdrang des studierten Bildhauers konfrontiert. Beides findet sich besonders in den von Bienek als «Erdspiegel» betitelten Tonschildern wieder. Diese Werke, die sich irgendwo zwischen Skulptur und Gemälde bewegen, weisen die unterschiedlichsten Landschaften und Formen auf. «Ich habe den Ton dabei bis an seine Grenzen gebracht», sagt Bienek. «Es ist eine Art Feuermalerei.» Der Ton wird hierfür erhitzt und dann bei über 1000 Grad Celsius glühend heiss aus dem Industrieofen geholt.

«Anschliessend habe ich rund dreissig Sekunden Zeit, das Material zu bearbeiten.» Bienek bespritzt den Ton dann zum Beispiel mit ein wenig Wasser, oder er reduziert die Sauerstoffzufuhr, um einen metallisierenden Effekt hervorzurufen. Der Ton färbt sich dadurch schwarz. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine breite Palette an Rottönen zu erzeugen. «Ich kitzle diese Farben hervor und werde so zum Maler», sagt Bienek. Entscheidend sei hierbei vor allem das richtige Timing.

Hörner und Würfel

Sofort ins Auge stechen auch die Arbeiten, die Bienek unter der Fragestellung «Torso vs. Haupt?» zusammengefasst hat. Zu sehen sind äusserst lebendig wirkende Plastiken mit allen möglichen Färbungen und Oberflächen, in denen je nach Betrachtungsweise ein Tierkopf oder ein geschwungener Körper ausgemacht werden kann. Oder beides. «Man kann zwischen Torso und Haupt hin- und herswitchen», sagt der Künstler.

Eine weitere Serie von Arbeiten besteht aus dunkelfarbigen Hörnern. Auch hier wird also wieder das Tiermotiv aufgegriffen. Diese 52 Plastiken seien im Wochenrhythmus entstanden, erzählt Bienek. Wobei der erste Eindruck täuscht: Die grossen, archaischen Hörner sind nur gerade 700 bis 1200 Gramm schwer.

Kontrastiert werden sie von einer minimalistischeren, deshalb aber nicht weniger wirkungsvollen Werkgruppe mit Würfeln. Diese von Bienek gestalteten Hexaeder machen auf den ersten Blick ebenfalls einen sehr massiven Eindruck. Sie sind aber, wie sich bei näherer Betrachtung zeigt, nur gerade zwei Millimeter dick. «Die Würfel waren eine technische Herausforderung», kommentiert der Bildhauer.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis zum 25. März jeweils Samstag/Sonntag geöffnet: 14 bis 17.30 Uhr.

Langenthaler Tagblatt

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