Ein Raum für Vinylfreunde und Musikliebhaber

Langenthal

Das Porziareal in Langental wird um ein Angebot reicher: Im Pförtnerhaus richten vier Musikbegeisterte einen Plattenladen ein.

Noch voll am Einrichten: Caspar Zurn, Fabio Bardelli und Manuel Fischer (von links).

Noch voll am Einrichten: Caspar Zurn, Fabio Bardelli und Manuel Fischer (von links).

(Bild: Andreas Marbot)

Giannis Mavris

Lange Jahre stand es leer, nun wird dem Pförtnerhaus auf dem Porziareal wieder Leben eingehaucht. Noch werden zwar Kabel gezogen und Kisten geschleppt – ab Ende Juni soll es jedoch losgehen mit dem «Plattenladen», dessen Name so programmatisch wie untertrieben ist.

Denn wenn es nach den beiden Initianten Caspar Zurn und Fabio Bardelli geht, soll dort der Plattenverkauf nicht einmal im Zentrum stehen: «Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich Vinylfreunde und Musikliebhaber treffen können, der für alle zugänglich ist und der keine vorstrukturierte, kommerzialisierte Ausrichtung hat.»

Das Team wird ergänzt durch Manuel Fischer und Adrian Zimmerli. Dass die vier einen mitunter ziemlich unterschiedlichen Musikgeschmack haben, sehen sie nicht als Nachteil, ganz im Gegenteil: «Damit ergänzen wir uns. Abgesehen davon werden die Genres heute dermassen durchmischt, dass die Kategorisierungen keinen Sinn mehr ergeben», sagt Bardelli.

Jetzt hat es Steckdosen

Der Plattenladen beschränkt sich personell aber nicht nur auf die vier Männer, sondern umfasst auch zahlreiche Freunde, die aushelfen, wo gerade Not ist: So auch zum Beispiel bei der Einrichtung des Pförtnerhauses, die ziemlich zu tun gibt und noch immer nicht ganz abgeschlossen ist. «Es gab nicht einmal Steckdosen», sagt Zurn, und Bardelli ergänzt: «Wir haben alles installieren müssen: Wasser, Strom, sonstige Einrichtungen.»

Angefangen hat der Platten­laden als spontanes Projekt im Nomad-Pop-up-Laden in der alten Metro-Boutique. Letzten Mai wurden die zwei angefragt, ob sie für drei Monate ein Projekt aufziehen würden. Lange überlegen mussten sie nicht: Beide hatten schon zuvor den Wunsch, einen Ort für Plattenenthusiasten in Langenthal zu haben.

Die Idee schien Anklang zu finden, wurde ihnen doch danach vom Kulturverein Chrämerhuus die Galerie im Obergeschoss zur Verfügung gestellt. Seit letztem Oktober war der Plattenladen zwei- bis dreimal pro Woche offen; man konnte Musik hören, Platten kaufen oder einfach ein Bier trinken.

Kultur soll gedeihen

Diese Spontaneität wollen die Initianten auch beibehalten. So steht das definitive Konzept für das Pförtnerhaus noch nicht – und wird wohl auch nie richtig ausformuliert werden.

«Wichtig für uns ist, dass in dem Haus Kultur gedeihen kann», sagt Bardelli. Für die Beteiligten handelt es sich um ein Hobby: «Wir sind ein Non-Profit-Projekt, unsere Einnahmen werden sofort wieder reinvestiert.» So hat sich der Stock nun auf über tausend Platten erweitert.

Man pflege mittlerweile mit zahlreichen Schweizer Labels guten Kontakt, über die man nicht nur Platten beziehe, sondern auch Bands kennen lerne, so Zurn. So seien denn auch Auftritte in bescheidenem Rahmen wie bis anhin geplant: «Stubenkonzerte», wie er sie nennt. Das erste soll gleich an der Eröffnung am 22. Juni stattfinden.

Noch attraktiver werden

Für die Betreiber war klar: Die Möglichkeit in der Porzi musste sofort ergriffen werden. Der vierzig Quadratmeter grosse Raum und die Gartenterrasse seien optimale Voraussetzungen für das Projekt. Es geht aber auch um mehr: Das Gemeinschaftsprojekt soll der Porzi, die sie bereits als ein Subzentrum bezeichnen, zusätzliche Attraktivität bescheren.

Die Belebung des schützenswerten Pförtnerhauses, das Angebot für Musikinteressierte, der Austausch mit Gleich- oder Andersgesinnten – das gehört für sie alles dazu. Bardelli sagt: «In der Porzi geschieht etwas. Da ist Leben.»

Langenthaler Tagblatt

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