Ein Schloss mitten im Wald

Bützberg

Während einer Projektwoche erschaffen zwei Schulklassen aus Bützberg Kunstwerke auf einem abwechslungsreichen Spaziergang durch Wald und Feld – unter anderem ein buntes Schloss.

  • loading indicator

Es riecht würzig nach Waldboden. Sonnenstrahlen verfangen sich in den Blättern, Vogelgezwitscher vermischt sich mit den fröhlichen Kinderstimmen. Auf dem höchsten Punkt mitten im Buechholzwald prangt ein neues Schloss.

«Ich habe den zwanzig Teilnehmern gesagt, das gibt das grösste Kunstwerk von Bützberg», sagt Simon Berger. Während der Projektwoche können die 3.- bis 6.-Klässler mehrere Kurse belegen, beispielsweise «Waldtiere basteln», «Kunst aus gesammeltem Abfall» und «Flechten mit Weidenruten».

Gradlinig und farbenfroh

Simon Berger liess sich für sein Projekt von der Farbgebung und Flächenteilung in den Bildern des niederländischen Malers Piet Mondrian (1872–1944) leiten. Anfang letzter Woche bereitete er, unterstützt von seiner Schwester Gabi Nyffeler, den Rohbau vor: ein Gerüst aus Holzlatten, über fünf Meter hoch und sieben Meter lang.

Sie ist Teilzeitlehrerin in Bützberg und findet es schön, wenn Kinder selber etwas Handwerkliches und Künstlerisches gestalten. Auch die vorbeispazierenden Kindergartenschüler sind fasziniert, und ein Mädchen fragt staunend: «Gibt das ein Prinzessinnenschloss?»

Auf einem hohen Stapel warten alte Fensterläden darauf, in Rot, Blau, Gelb und Weiss angemalt zu werden. «Die typischen ‹Mondrian-Farben› sind doch auch Kinderfarben», sagt der Künstler voller Vorfreude. Für die Innenausstattung sind die Schüler ­zuständig und können sich vor ­allem als «Fensterbauer» be­tätigen.

Mondrian-farbene Kleider

«Beim Anschleifen der alten Fensterläden ist die Ausdauer nicht besonders gross. Am liebsten wollen alle gleich zu Pinsel und Farbe greifen», erzählt Gabi Nyffeler. Ab und zu ertönt ein Gekreische, seis, weil eine Spinne davonkrabbelt oder eine Mücke an der Farbe hängen bleibt.

Dann beginnen alle mit der weissen Farbe. Als die bunten Farben dazukommen, wächst die Begeisterung der Kids. «Das ist das Coolste, Was wir je gemacht haben», erklärte Leo Ingold. ­

Seine Kleider sind wie jene der anderen Kursteilnehmer, teilweise auch die Haare, eindeutig «Mondrian»-farbig. Sogar am freien Mittwochnachmittag kam Eda Demirtas auf die Baustelle, um mit ihrer Kollegin Angelina, die nicht an diesem Kurs teilnimmt, einen weiteren Fensterladen zu bemalen.

Die Begeisterungsfähigkeit von Simon Berger ist ansteckend. Ihm gefällt es, den Kindern in der freien Natur zu zeigen, wie sie selber etwas kreieren können. Zwischendurch geniessen sie den Freiraum, um sich im Wald auszutoben.

Brennball im Regen

Am zweiten Tag werden die jungen Künstler von einem Gewitter überrascht. An den frisch gestrichenen Läden auf den Holzböckchen, die ebenfalls wie Kunstwerke aussehen, läuft die vom Regen verdünnte Farbe auf den abgedeckten Waldboden. Der kurze Arbeitsunterbruch wird mit einer Runde Brennball in der Turnhalle überbrückt.

Während sie die fertigen Kunstwerke aufstellen, wird der Stolz der Kinder deutlich sichtbar. Sie präsentieren ihre Kreationen und bewundern die Werke der anderen. Vor dem natürlichen Grün des Waldes kommt das Schloss mit den bunten Flächen sehr schön zur Geltung.

Die Kinder können neben dem Mitmachen an einem interaktiven Wettbewerb teilnehmen, indem sie selber ein Video machen und auf einer Faceboook-Seite posten.

«So werden sie ein Teil des Kunstwerks, und vielleicht ist es mir sogar gelungen, ihnen eine Tür in die Welt von Mondrian oder der Kunst zu öffnen», sinniert Simon Berger. Den Besuchern des Kunstweges steht die Schlosstür des Château de Mondrian jedenfalls offen.

Am Schulfest vom 15. Juni wird der Kunstweg Thunstetten–Bützberg offiziell eröffnet und lädt bis zum 20. September 2018 zu einem Spaziergang ein.

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt