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Eine ganz andere Welt

Ursula Lehmann aus Niederönz begleitet den Circus Monti auf der aktuellen Tournee. Mit dabei ist ihre 11-jährige Tochter. Für beide ist es ein Ausbruch aus dem Alltag.

Der Wohnwagen ist für vier Monate ihr Zuhause: Ursula Lehmann und Tochter Katja.
Der Wohnwagen ist für vier Monate ihr Zuhause: Ursula Lehmann und Tochter Katja.
Franziska Rothenbuehler

Es ist nicht zu übersehen, das gelb-rot gestreifte Zirkuszelt auf der Grossen Allmend in Bern. Gleich daneben reiht sich Wohnwagen an Wohnwagen. Bunte Windräder und Laternen schmücken sie, und vor manchen trocknet gerade die Wäsche. In einem von ihnen wohnt seit bald drei Monaten Ursula Lehmann aus Niederönz mit ihrer Tochter Katja. Sie begleiten den Circus Monti auf seiner viermonatigen Tournee.

Während Lehmann in der Küche für 40 Mitarbeitende und Artisten kocht, besucht die 11-jährige Katja die Zirkusschule. Der Wunsch nach einem Tapetenwechsel sei lange in ihr gereift, sagt die Mutter. In ihren Zwanzigern reiste sie schon einmal mit den Montis mit. «Seither habe ich mir immer gesagt: Das will ich noch mal erleben.» Heuer habe dann alles gepasst. Nach 10 Jahren in ihrem Beruf als Hauswirtschaftslehrerin in Wynigen habe sie sich reif für eine Veränderung gefühlt, so Lehmann. Ausserdem habe sie gewusst, dass eine befreundete Familie im Zirkus mitarbeitet, und Tochter Katja so nicht nur Spielgefährten, sondern auch «Schuelgspänli» hat.

Ein Familienprojekt

Anders als ihre Tochter habe sich ihr Mann so ein Nomadenleben nie vorstellen können. Er blieb in Niederönz und besucht seine Familie am Wochenende. Dennoch ist ihre Auszeit ein Familienprojekt: «Er hat meinen Wunsch immer unterstützt und ist sehr präsent in unserem Alltag hier.»

Woher ihre Begeisterung für den Zirkus kommt, das weiss Ursula Lehmann gar nicht mehr genau. In ihrer Kindheit habe sie nie eine Manege besucht. Für sie sei es aber die perfekte Form, den Alltag für eine gewisse Zeit hinter sich zu lassen. «Reisen finde ich anstrengend.» In ihrem Wohnwagen hingegen habe sie jederzeit all ihre Sachen bei sich.

«Ob der Zirkus in Winterthur, Bern oder Zürich steht, ist da eigentlich egal, ich habe mein Zeug bei mir», sagt sie. Dennoch komme das Abenteuer nicht zu kurz. «Hier treffen viele Nationen und unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander, das ist extrem spannend.» Auch sonst unterscheide sich das Leben stark von dem zu Hause.

«Das hier ist eine ganz andere Welt», sagt die 43-Jährige und blickt über das Gelände. Die Zirkuswelt sei sehr begrenzt, was Vor- und Nachteile habe. Zu den Herausforderungen gehöre etwa das Zusammenleben auf so engem Raum. «Wenn dir jemand aus dem Büro auf die Nerven geht, dann ist er nach Feierabend wenigstens weit weg, das ist hier natürlich nicht so», sagt Lehmann. Konflikte müssten daher schnell gelöst werden.

Gelassenheit ist nötig

«Man braucht eine gewisse Gelassenheit», sagt sie. Sachen so annehmen, wie sie sind, Regeln akzeptieren, all das gehöre dazu. Feste Strukturen seien im Zirkus unentbehrlich. «Es gibt feste Essens- und Arbeitszeiten, jeder hat seine Aufgabe», sagt Lehmann. Man sei weniger selbstbestimmt. Dafür lebe man intensiver im Hier und Jetzt, Privates könne nur sehr kurzfristig geplant werdenw. Das Leben werde auch einfacher, sagt Lehmann. Ihr Lohn als Teilzeitangestellte in der Zirkusküche sei eher ein Sackgeld. Darauf komme es aber auch ganz und gar nicht an. «Wegen des Geldes kommt niemand hierher», sagt Lehmann.

Im Dezember kehren Mutter und Tochter zurück nach Niederönz. Schwer werde es ihr nicht fallen, sagt Lehmann. «Es ist super, hier zu sein, aber wir gehen auch wieder gerne nach Hause.» Einige Erfahrungen aus der Zirkus- werde sie aber gerne in ihre Alltagswelt mitnehmen, sagt sie. «Ich werde versuchen, auch in Zukunft mehr im Moment zu leben.»

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