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Er ist ein Meister seines Fachs

Wenn ­irgendwo im Land ein ­Herrschaftshaus renoviert wird, kann es gut sein, dass der Langenthaler Frank Jäggi am Werk ist. Der 47-jährige ­Stuckateur hat kürzlich die Arbeit für das ­hiesige Stadttheater beendet.

Frank Jäggi ist in seinem Element: Hier gibt er einer Zierleiste die richtige Struktur.
Frank Jäggi ist in seinem Element: Hier gibt er einer Zierleiste die richtige Struktur.
Thomas Peter
Sorgfältiges Arbeiten ist enorm wichtig.
Sorgfältiges Arbeiten ist enorm wichtig.
Thomas Peter
Alte Stuckaturen des Stadttheaters hat Frank Jäggiin seinem Atelier ausgebessert.
Alte Stuckaturen des Stadttheaters hat Frank Jäggiin seinem Atelier ausgebessert.
Thomas Peter
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Frank Jäggi ist sichtlich erfreut darüber, dass sich jemand für sein Handwerk interessiert. Mit Stolz führt er durch den Eingangsbereich zu seinem Atelier an der Mittelstrasse in Langenthal. «Hier sieht man auf wenig Raum, was alles möglich ist», erklärt er – und zeigt auf Jugendstildecke und Ornamente an der Wand, die mit Blattgold verziert sind. Aber auch die Kombination aus Alt und Neu beisst sich nicht, wie Jäggi anhand einer im Gips eingelegten indirekten Beleuchtung mit LED-Lampen beweist.

Profile für alle Formen

In seinem Atelier stehen und liegen verschiedene Gipsformen. Um seine Arbeit besser erklären zu können, fertigt der 47-Jährige eine Zierleiste an. Dazu muss zuerst der Gips in das Wasser gegeben werden. Wer nun annimmt, dass er dieses einfach vom Sack ins Wasser schüttet, der irrt. Das Pulver, das nichts anderes ist als schwefelsaurer Kalkstein, dem durch einen chemischen Prozess ein Teil des Wassers entzogen wurde, gibt er sorgfältig mit einer Kelle in die Mulde.

«Normalerweise wird die Menge abgemessen, denn das Mischverhältnis ist wichtig dafür, den Härtevorgang zu beeinflussen», erläutert Jäggi. Den letzten Teil des Gipses gibt er von Hand hinzu. Dann wird das Ganze mit einem Schwingbesen sanft gemischt. Die daraus entstandene Masse streicht der Fachmann auf einen speziell präparierten Tisch, um dann mit einer Schablone die Form zu geben. Dieser Vorgang wird bis zum Endresultat wiederholt und die Leiste danach zum Trocknen beiseitegelegt.

«Die meisten Arbeiten machen wir hier im Atelier», erklärt Jäggi. Eine Zierleiste etwa wird am Stück gefertigt und für den Transport und die Montage in Stücke geschnitten. Für alle Formen werden Profile hergestellt. «Meistens speziell für einen Kunden. Manchmal kann man diese Vorlage jedoch mehrmals benützen.» Diese lagern im Keller, wo sie von Zeit zu Zeit aus Platzgründen aussortiert werden. Aber auch feinste Korrekturarbeiten an bestehenden Figuren und das Modellieren von Ornamenten gehören zur Arbeit des Stuckateurs.

Es gibt keine Lehre

Wenn Jäggi von seiner Arbeit erzählt, so spürt man, dass er sein Handwerk liebt. Vielleicht nicht zuletzt, weil er sich vieles selber beibringen musste. Denn eine eigentliche Lehre gibt es nicht. «Ich habe zuerst Maler gelernt und danach eine 2-jährige Zusatzlehre als Gipser absolviert», beschreibt er seinen Werdegang, den er als eidgenössisch diplomierter Gipsermeister abschloss. Dort habe er einen ersten Einblick in die Arbeit des Stuckateurs erhalten und diese mit Learning by Doing verfeinert. Im Alter von 29 Jahren machte er sich mit seiner Stukkdesign selbstständig – und damit seine Leidenschaft zum Beruf.

2006 übernahm er das Malergeschäft seines Vaters, und 2014 fusionierte er mit dem Maler- und Gipsergeschäft Pagani. Die Jäggi Pagani AG gehört heute hälftig dem für den Malerbereich zuständigen Marcel Widmer und ihm als Bereichsleiter Gipserei und Stukkdesign. Die Firma beschäftigt 18 Mitarbeitende, zwei davon sind Lernende. Der Familienvater selber nennt sich immer noch Stukkateur und nicht wie gemäss Duden korrekt Stuckateur. «Diesen Beruf gibt es schon seit Hunderten von Jahren, und die Arbeiten werden noch immer fast ausschliesslich von Hand ausgeführt», erklärt er.

«Unsere Arbeiten werden noch immer fast ausschliesslich von Hand ­ aus­geführt.»

Stuckateur Frank Jäggi

In seinem Beruf als Stuckateur ist die enge Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege unumgänglich. So auch im Stadttheater Langenthaler. Dort hebt er vor allem die Gedenktafel hervor, die in Einzelteile zerlegt und dann umplatziert werden musste. Aber auch die Fertigung verzierter Türrahmen gehörte zu seinen Arbeiten. Denn im Theater wurden zusätzliche Eingänge eingebaut. Die grösste Herausforderung, die er in seiner Laufbahn meistern musste, war jedoch eine 300 Quadratmeter grosse, total zerstörte Stuckdecke. «Sieben Arbeiter haben etwa dreieinhalb Monate daran gearbeitet», gibt er ein Muster seiner vielseitigen Aufträge.

Auf die Merkmale eines guten Stuckateurs angesprochen, nennt der Hobbyfallschirmspringer gute Augen und eine ruhige Hand. Und, so weiss man nach einem Besuch in seinem Atelier, ganz viel Liebe zum ­Beruf.

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