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«Es braucht ein einheitliches Auftreten»

Nach zwei Jahren gibt Lars Keller (34) seinen Kleiderladen in der Langenthaler Innenstadt auf. Seine geschäftlichen Probleme sind exemplarisch. Er gibt dem gebeutelten Detailhandel eine Stimme.

Mehr Erfolg mit seinen Dresscode-Kleiderläden hat Lars Keller in Solothurn und Oftringen.
Mehr Erfolg mit seinen Dresscode-Kleiderläden hat Lars Keller in Solothurn und Oftringen.
Thomas Peter

In der Stadt kommen und gehen die Läden. Der Begriff Ladensterben wurde in den vergangenen Wochen und Monaten öfters bemüht. Spannend wäre jeweils zu erfahren, welche Gründe für die Geschäftsaufgaben verantwortlich sind. Über die Ursachen des Scheiterns redet aber kaum ein Ladenbesitzer gern. Träume aufgeben, Hoffnungen begraben, Ziele verfehlen: Das schmerzt.

Auch Lars Keller, der Geschäftsführer der Kleiderkette Dresscode mit Sitz in Oensingen, hat derzeit einen Misserfolg zu verdauen. Per 18. März schliesst er sein Herrenmodegeschäft in der unteren Marktgasse, vis-à-vis dem Hotel Bären. Dies nach etwas mehr als zwei Jahren Geschäftstätigkeit in Langenthal.

Bei der Eröffnung im Februar 2015 war Lars Keller vom hiesigen Standort absolut überzeugt. Zwar hat er seine Einstellung unterdessen revidieren müssen. Weil ihm Langenthal aber keinesfalls egal ist, erklärt sich der 34-Jährige trotz des Misserfolgs bereit dazu, dem darbenden Detailhandel eine Stimme zu geben.

Lars Keller, warum geben Sie Ihr Geschäft in Langenthal nach zwei Jahren wieder auf?Lars Keller:Ganz einfach: Die Umsätze stimmen nicht. Wir mussten jeden Monat kämpfen, damit nicht ein Verlust resultiert. Die Kundenfrequenz ist einfach zu niedrig. Eigentlich wären die Langenthaler doch treue und ­gute Kunden, wie mir scheint. Unsere Mode ist aber ganz klar für eine männliche Kundschaft bestimmt. Und gerade dieses Segment lässt sich zu wenig blicken. Womöglich liegt es daran, dass viele Männer auswärts arbeiten und deshalb kaum Zeit zum Einkaufen finden.

Haben Sie denn nicht versucht, auf Ihr Geschäft aufmerksam zu machen?Doch. Unter anderem haben wir eine gross angelegte Werbeaktion durchgeführt. Wir haben 30'000 Flyer drucken lassen und im ­Einzugsgebiet gestreut. Leider blieb der Erfolg aus. Die Aktion war unter dem Strich konster­nierend.

Und die Lage des Ladens kann auch nicht schuld sein. Ihr Geschäft liegt absolut zentral in der unteren Marktgasse.Nein, wohl kaum. In Langenthal gibt es eigentlich gar keinen besseren Standort als diesen. Wenn die Stadt irgendwo pulsieren sollte, dann hier. Aber es gibt Faktoren, die sich negativ auf den Detailhandel auswirken. So gibt es im Stadtzentrum relativ wenige Parkplätze. Und findet jemand doch eine Lücke für sein Auto und macht kurz eine Besorgung, so muss er damit rechnen, dass die Kontrolleure relativ schnell und sehr aufmerksam sind. Dafür ist Langenthal schon fast bekannt. Schade ist auch, dass die Migros etwas ausserhalb gelegen ist. Dadurch bleiben potenzielle Kundenströme aus.

Apropos Kundenströme: Was hat der Zuzug von H & M bewirkt?Auf uns hatte die Ansiedlung der Modekette weder einen positiven noch einen negativen Einfluss. Als Konkurrenz haben wir das Kleiderhaus nie gesehen, weil wir in einem anderen Preissegment tätig sind. Aber insgeheim haben wir gehofft, dass H & M viele Leute nach Langenthal bringt und diese dann erkennen, welch tolle Geschäfte die Stadt hat. Leider ist der Aha-Effekt ausgeblieben.

Die Marktgasse ist weitestgehend von Autos befreit oder für den Verkehr unattraktiv gemacht worden. Wirkt sich das negativ aufs Geschäft aus?Ich glaube nicht, dass dieser Umstand einen sehr grossen Einfluss hat. Meine Meinung ist aber: Entweder überall im Ortskern Fussgängerzonen schaffen oder nirgends. In Langenthal liegt keine einheitliche Lösung vor. Ausserdem vermisse ich in der Marktgasse den typischen Marktcharakter. Es gibt zwar sehr wohl ­Wochenmärkte. Aber gerade der Samstagsmarkt scheint mir zu klein und zu wenig ansprechend zu sein. In Solothurn ist das ­anders!

Andere Filialen laufen besser

Lars Keller betreibt auch in Solothurn und Oftringen je eine Dresscode-Filiale. Beide Läden wurden im Sommer 2014 eröffnet – sie werden also etwa gleich lang betrieben wie das Geschäft in Langenthal. Doch in Solothurn und Oftringen läufts für Dresscode besser, wie Keller sagt.

Zum Vergleich: In Langenthal habe er zwischen zwei und fünfzehn zahlende Kunden pro Tag. In Solothurn seien es dagegen durchschnittlich deren sechzig. «In Solothurn ist die Grundfrequenz schlichtweg höher. Und auch der Markt wirkt sich hier positiv aufs Geschäft aus, obschon die Stände direkt beim Eingang aufgestellt werden und somit den Laden teilweise verdecken.»

Detaillierte Geschäftszahlen will Lars Keller zwar keine nennen. Er verrät aber, dass in der ­Filiale in Langenthal nur rund 10 bis 15 Prozent des jährlichen ­Firmenumsatzes erwirtschaftet wurden. Der Laden in Solothurn laufe mit Abstand am besten. Ein Ziel wäre gewesen, in Langenthal rund die Hälfte des Solothurner Umsatzes zu erwirtschaften. Man habe aber nur etwa 20 Prozent davon geschafft.

«Wenn die Stadtvereinigung einen Anlass durchführt, dann läuft es im Stadtzentrum wie die Sau!»

Lars Keller, Geschäftsführer Dresscode

Unterdessen hat die Stadtvereinigung SVL ein Projekt lanciert, das Langenthal als Einkaufsort attraktiver machen soll. An Bord des Projektteams sind unter anderen Stadtpräsident Reto Müller (SP) und Christian Giesser, Präsident des Gewerbevereins. Thematisiert werden ortsspezifische Gegebenheiten und Probleme.

Was denken Sie, Lars Keller, hat Langenthal effektiv ein Standortproblem?Eigentlich sind die Voraussetzungen hier gar nicht so schlecht. Die Stadt hat immerhin über 15'000 Einwohner und ein grosses Einzugsgebiet. Auch was die Mietpreise angeht, ist Langenthal nicht ein wahnsinnig teures Pflaster. Aber irgendwie ist die Grundstimmung im Einkaufsort nicht sonderlich gut. Viele Leute von ausserhalb wissen gar nicht, was Langenthal zu bieten hat. Es braucht ein einheitliches Auf­treten.

Wie meinen Sie das?Gemeinsame Werbung zum Beispiel. Beste Beispiele hierfür sind doch die Aktionen der Stadt­vereinigung. Wenn die SVL einen Anlass wie die Frauennacht durchführt, einen gemeinsamen Auftritt hat, eine einheitliche Message rüberbringt – dann läuft es im Stadtzentrum wie die Sau! Entschuldigen Sie den Ausdruck. Darüber hinaus wäre auch bei den Öffnungszeiten eine Vereinheitlichung angezeigt. Wie sollen sich die Kunden aufs Einkaufserlebnis freuen, wenn am Freitagabend während des Abend­verkaufs gewisse Läden früher schliessen und andere gar nicht erst offen haben? Diese bequemen Öffnungszeiten sind ein echtes Problem.

Sie scheinen es besser zu wissen als andere Detaillisten...Ich will niemandem an den Karren fahren. Wirklich nicht. Es soll keine Abrechnung mit Langenthal sein. Schliesslich kenne ich die hiesigen Detailhändler durch mein Mitwirken bei der Stadtvereinigung. Dort habe ich übrigens auf Probleme hingewiesen. Gut, dass die SVL ein Projekt angestossen hat. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es sitzen doch alle im selben Boot.

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