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Sie wollen Fahrgemeinschaften fördern

Die Gemeinde möchte mit autobahnnahen Parkplätzen einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das geht jedoch nur mit moderaten Preisen.

Gemeindepräsident Luciano Falabretti (links) und Gemeindeschreiber Peter Bühler auf dem Parkplatz Moos beim Soho. Die Gemeinde hat hier Parkingpay eingeführt und ermöglicht so das Zahlen nicht nur mit Münz, sondern auch per Handyapplikation. Bilder: Christian Pfander
Gemeindepräsident Luciano Falabretti (links) und Gemeindeschreiber Peter Bühler auf dem Parkplatz Moos beim Soho. Die Gemeinde hat hier Parkingpay eingeführt und ermöglicht so das Zahlen nicht nur mit Münz, sondern auch per Handyapplikation. Bilder: Christian Pfander

Noch hat sich das System nicht vollends durchgesetzt: In Langenthal zum Beispiel fallen immer wieder Autofahrerinnen und -fahrer auf, die beim Parkplatz eine Nummer suchen, um diese dann in der Parkuhr einzugeben. Seit Ende 2019 wird jedoch nicht mehr die Parkplatznummer eingetippt, sondern das eigene Autokennzeichen.

Was in Langenthal derzeit noch für einige Verwirrung sorgt, wird andernorts bereits rege genutzt. Dieses neue System bietet zwei Vorteile gegenüber den früheren Parkuhren: Die Parkzeit kann minutengenau abgerechnet werden. Zudem kann mittels Handy-App per Kreditkarte bezahlt werden. Natürlich ist auch weiterhin das Zahlen mit Münzen möglich.

Dauerparkkarten per App

Das Zahlen mit der Applikation ist auch in Wangen an der Aare möglich. Die Gemeinde hat entsprechende Parkuhren angeschafft. Dabei erhielt wie in Langenthal die Digitalparking AG den Auftrag (siehe Kasten). Die Firma habe das angeboten, was die Gemeinde gesucht habe, erklärt Gemeindeschreiber Peter Bühler.

Über die App kann nicht bloss für einzelne Stunden bezahlt werden, sondern sogar für Dauerparkkarten. Diese können auch online verlängert werden. Zudem kann die Gemeinde laut Bühler die Preise für verschiedene Zonen separat im System hinterlegen.

An immer mehr Standorten können Autolenker den Parkplatz bequem mit dem Handy bezahlen.
An immer mehr Standorten können Autolenker den Parkplatz bequem mit dem Handy bezahlen.

Wangen hat vor mehr als zwei Jahren ein Gesamtkonzept für seine Parkplatzbewirtschaftung erarbeitet. Dabei wurden laut Peter Bühler verschiedene Zonen und für diese dann auch die jeweiligen Tarife festgelegt. Mit dem Parkplatz im Moos neben der Autobahnausfahrt beim Club Soho besteht dabei eine grosse Fläche, die früher kostenlos genutzt wurde. Das wollte die Gemeinde ändern.

Investition muss sich lohnen

Sollten die bisher gratis zur Verfügung stehenden Abstellplätze jedoch kostenpflichtig werden, musste die Gemeinde zuerst investieren, um die Parkplätze herzurichten und Parkuhren aufzustellen. «Wir können aber nicht einfach Geld für Parkmöglichkeiten ausgeben, ohne dass danach auch Erträge erzielt werden», sagt Gemeindeschreiber Bühler. Schliesslich müsse die Investition für die Steuerzahler zumutbar sein.

Gleichzeitig sei es dem Soho jedoch ein Anliegen gewesen, dass seine Partygäste abends gratis parkieren können. «Deshalb haben wir ein Reglement zur Bewirtschaftung der Parkplätze erstellt.»

Nun ist es so, dass im Moos zwischen 8 und 18 Uhr bezahlt werden muss – und zwar jeden Tag. Allerdings sind die ersten drei Stunden gratis. Vier Stunden kosten 1.50 Franken, ein ganzer Tag 5 Franken. «Die Preise sollen moderat sein, sodass sie akzeptiert und die Plätze auch wirklich genutzt werden», erklärt Gemeindepräsident Luciano Falabretti (Freie Wähler). Zudem habe sich die Gemeinde bei der Preisgestaltung auch an den Investitionskosten orientiert. Es solle kostendeckend sein, sagt er.

Beitrag zum Umweltschutz

Die Kommune verfolgt mit ihren autobahnnahen Abstellmöglichkeiten für Fahrzeuge ein weiteres Ziel: «Wir wollen ‹Carpooling› fördern und damit einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten», sagt Peter Bühler. Dabei geht es um Fahrgemeinschaften. Bühler erklärt es so: «Wenn vier Personen aus der Region Bern nach Zürich an eine Sitzung wollen, können sie sich in Wangen treffen. Sie können dort für 5 Franken am Tag ihre Autos abstellen und mit einem Fahrzeug weiterreisen.»

Mit den Parkplätzen beim Soho gleich an der Autobahnausfahrt will die Gemeinde Wangen an der Aare Autofahrer dazu bringen, ihre Fahrzeuge tageweise abzustellen und mit anderen mitzufahren.
Mit den Parkplätzen beim Soho gleich an der Autobahnausfahrt will die Gemeinde Wangen an der Aare Autofahrer dazu bringen, ihre Fahrzeuge tageweise abzustellen und mit anderen mitzufahren.

Der Gemeindeschreiber sieht mehrere Vorteile in dieser Lösung: «Jedes Auto, das nicht fährt, ist für die Umwelt ein gutes Auto.» Zudem könne so auch die Verkehrsbelastung reduziert werden. Der Standort im Mittelland unmittelbar neben einer Autobahnzufahrt sei ideal für «Carpooling». Schliesslich könnten sich Kosten sparen lassen für die gefahrenen Kilometer und teure Parkplätze in Städten.

Viele Tagestickets

Wie oft die Parkplätze im Moos genutzt werden, um danach Fahrgemeinschaften zu bilden, kann die Gemeinde zwar nicht eruieren. Aber Bühler und Falabretti gehen davon aus, dass die meisten, die ein Tagesticket für 5 Franken lösen, danach mit anderen zusammen weiterreisen. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass tatsächlich mehrere Fahrzeuge auf dem Parkplatz beim Soho stehen, für die Tagestickets gelöst wurden. Wobei das an diesem Tag natürlich reiner Zufall sein kann.

Dennoch sind Gemeindepräsident Luciano Falabretti und Gemeindeschreiber Peter Bühler überzeugt vom Konzept. Bisher hätten sie gute Erfahrungen mit dem Parkplatz und dem System Parkingpay gemacht, sagt Bühler. Es sei eine langfristige Investition mit tiefen Folgekosten. Denn für die Parkplätze selbst falle jetzt nur noch ein geringer Betrag für den Unterhalt an. So hoffen die Wanger also, dass möglichst viele Fahrzeuglenker ihren Parkplatz im Moos verwenden, um nur kurze Zeit später in einem anderen Auto wieder auf die Autobahn einzubiegen.

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