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Hochzeit à la turka

Jacqueline Gloor und Mertan Isik heiraten Ende Monat ein zweites Mal. Die türkische Hochzeitsfeier wird ungleich grösser ausfallen als seinerzeit die zivile.

Etwa sechshundert Gäste werden kommen, wenn Jacqueline Gloor und Mertan Isik heiraten.
Etwa sechshundert Gäste werden kommen, wenn Jacqueline Gloor und Mertan Isik heiraten.
Marcel Bieri

Die Vorbereitungen für die Hochzeit laufen auf Hochtouren. Jacqueline Gloor (28) und Mertan Isik (32) erwarten fünf- bis sechshundert Gäste. «Und es werden laufend mehr», sagt Isik amüsiert. Gestresst wirken die beiden jedoch nicht im Geringsten. Die Feier wird grösstenteils von seinen Eltern organisiert und in Liestal stattfinden, in einem Saal, der für türkische Hoch­zeiten ausgerichtet ist. Und diese sind immer gross.

Gloor und Isik haben sich bereits im April 2016 auf dem Standesamt das Jawort gegeben. Sie, reformierte Langenthalerin, und er, Sohn alevitischer Kurden aus der Türkei, haben sich vor elf Jahren kennen und lieben gelernt. Heiraten war für sie zunächst kein Thema. Das änderte sich jedoch mit der Schwangerschaft. Die Gründe waren eher pragmatischer Natur: «Steuertechnisch ist es besser, verheiratet zu sein. Und wenn man ein Kind hat, ist es schlicht einfacher», sagt Mertan Isik.

Das war aber nicht der einzige Grund. «Meinen Eltern war eine Trauung nach traditioneller Art wichtig», sagt er. Als diese von der Schwangerschaft erfuhren, wollten sie, dass das Paar sofort heiratet. Zeitlich habe es jedoch nicht gereicht, deshalb kam zuerst die zivile Trauung. Jetzt folgt die türkische Hochzeit. Ende Monat ist es endlich so weit.

Schweizer Nachname

Beide sind in Langenthal aufgewachsen, dass sie unterschiedliche religiöse Hintergründe haben, war nie ein Thema. «Nach der Konfirmation hat sich bei mir der Kontakt zum Religiösen aufgelöst, es interessierte mich nie», sagt Jacqueline Gloor. Aus der Kirche ausgetreten sei sie jedoch nicht, wegen ihrer Tochter. Taufen liess sie sie zwar nicht, aber sie solle die Wahl haben, das später selber und aus eigenen Stücken nachzuholen.

Bei Isik war es etwas anders: «Unsere Eltern arbeiteten Vollzeit, sodass meine Schwester und ich mehrheitlich bei den Nachbarn waren. Diese waren christlich angehaucht, wir wurden entsprechend erzogen.» Für seine Eltern sei das kein Problem gewesen. Er selber sei auch nicht gläubig. Als antireligiös sehen sich die beiden jedoch nicht: «Kein Glaube ist falsch, letztlich geht es um den Menschen, der dahintersteckt», sagt Mertan Isik.

Dass jemand ihre Beziehung nicht guthiesse, hätten beide nie erlebt, weder von ihren Familien noch von Freunden. Nur am Anfang habe Isiks Mutter mal gefragt, warum er sich denn keine Türkin suche. Er habe geant­wortet: «So krass es auch klingt: Irgendwann sterbt ihr, und ich müsste dann mit eurer Entscheidung weiterleben.» Seine Eltern, deren Hochzeit von ihren Eltern arrangiert worden war, hätten das verstanden. Bei der Schwester, die einen Schweizer geheiratet habe, hätten sie sich jedoch schwerergetan.

Vor gesellschaftlichen Benachteiligungen gefeit ist das Paar trotz allem nicht. Beide haben ihren jeweiligen Nachnamen behalten, hauptsächlich wegen der Tochter. «Mit einem Schweizer Namen wird sie einfacher durchs Leben kommen», sagt Isik. Man sage zwar, dass es nicht mehr so schlimm sei wie früher, er sehe aber keinen Unterschied.

Soziale Mechanismen

Eine türkische Hochzeit soll es also werden, allerdings eine nach den eigenen Vorstellungen des Paares. Eine türkische Band ist gebucht, die mit traditionellen Paukenschlägern für Stimmung sorgen wird. Danach wird jedoch Hip-Hop und moderne Tanz­musik laufen. Die Gäste von ihrer Seite seien deutlich aufgeregter, sagt Jacqueline Gloor, sie seien ja noch nie an einer solchen Hochzeit gewesen. «Gibts denn da Alkohol?», habe jemand gefragt.

Aus Schweizer Sicht speziell werde wohl das Geldgeberritual sein: Nach dem Hochzeitstanz und dem Festmahl werden Tische aufgestellt, an denen die Ältesten von Isiks Familie sitzen werden. Dann kommen die Gäste und übergeben die Geldgeschenke. Dabei wird laut verkündet, wer wie viel gibt. Je enger verwandt, desto grösser ist der Betrag. «Das ist ein sozialer Mechanismus», sagt Isik. «Damit wird sichergestellt, dass das Brautpaar die teure Hochzeit bezahlen und mit einem Startkapital ins Ehe­leben einsteigen kann.» Nicht zuletzt deshalb war die Hochzeit für seine Eltern wichtig, denn man steht sich gegenseitig in der Schuld.

Isik wird noch vor der Hochzeit in die Türkei fliegen, um sich einen Anzug zu kaufen. Der Grund sei zwar etwas vorgeschoben: «Ich war schon lange nicht mehr da, das ist nun eine gute Gelegenheit. Und ich muss zugeben, mir fehlt das Essen.» Seine Frau koche mit weniger Gewürzen. Das sei wohl das grösste kulturelle Problem zwischen ihnen.

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