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«Im Kleinen doch gross»

Die ­Zukunft der Gemeinde Obersteckholz noch im Ungewissen, führt nun ein neues Buch durch die ­Geschichte des Dorfes. Und erklärt bisweilen auch, was es mit dem Wesen der ­Steck­holzer auf sich hat.

Die Autoren Simon und Hannes Kuert (v.l.) haben Entstehung und Gegenwart der beiden Steckholz in Buchform gebracht.
Die Autoren Simon und Hannes Kuert (v.l.) haben Entstehung und Gegenwart der beiden Steckholz in Buchform gebracht.
Thomas Peter

Die Obersteckholzer? Die mit dem Wasserstreit? Die, die doch eigentlich mit Langenthal fusionieren möchten? Deren Hochzeit wegen ein paar weniger Unnachgiebiger aber noch längst nicht besiegelt ist? «Man nimmt uns in letzter Zeit wohl schon vor allem als ‹Stürmine› wahr», räumt Hannes Kuert ein. Als zanksüchtig möchte der ehemalige Lehrer im Dorf, den es vor bald dreissig Jahren der Liebe wegen von Langenthal nach Obersteckholz zog, sich und seine Mitbürger aber nicht verstanden wissen.

Obersteckholz, das waren einst ein paar einzelne Klosterhöfe. Und das ist bis heute Streusiedlungsgebiet ohne eigentlichen Dorfkern. Das schlage sich zuweilen in der Kommunikation nieder, sagt Kuert. «Man orientiert sich halt etwas mehr im eigenen Gärtli.» Im Grunde seien die Obersteckholzer jedoch «gutmütige, gesellige und auch vernünftige Menschen».

Seit je verbunden

Hannes Kuert muss es wissen. Nicht nur als langjähriger Lehrer, Alt-Gemeinderat und bis heute Aktivmitglied in so manchem Verein im Dorf. Gemeinsam mit seinem Bruder Simon, dem Stadtchronisten und ehemaligen Pfarrer in Langenthal, hat er sich in den letzten Monaten und Jahren intensiv mit der Geschichte seiner Wahlheimat auseinander­gesetzt. Schon bei der Auflösung der Burgergemeinde Mitte der 1990er-Jahre wurde der Einwohnergemeinde mit einem Legat der Auftrag erteilt, dereinst ein Buch über die Geschichte des Ortes zu erarbeiten.

Lange schob man das Vorhaben vor sich hin, bis mit Beginn der Fusionsverhandlungen mit Langenthal 2014 plötzlich das Ende der Eigenständigkeit nahte. Und was anfänglich ein Buch über Obersteckholz hätte werden sollen, präsentiert sich jetzt als Werk auch über das schon per 2010 mit Langenthal fusionierte Untersteckholz.

Nicht etwa, dass die beiden Dörfer das Heu immer auf der­selben Bühne gehabt hätten. Eine gewisse Rivalität sei wohl vorhanden, sagt Hannes Kuert. Allerdings ist die Geschichte von Obersteckholz bis zur Entstehung der beiden Einwohnergemeinden 1831 eben auch jene von Untersteckholz.

Zwei verschiedene Gemeinden entstanden nur wegen der unterschiedlichen Kirchenzugehörigkeiten. «Das obere Steckholz gehörte seit je zum Pfarrbezirk Lotzwil, das untere zum Pfarrbezirk Langenthal», verweisen die Autoren schon einleitend auf die Verbindungen der Obersteckholzer Höfe zum Kloster Thunstetten und der Untersteckholzer Höfe zu den Zisterziensern in St. Urban. Entsprechend ausführlich widmen sie sich den kirchlichen Hintergründen der Entstehungsgeschichte.

Aber auch der Wirtschaft, der Schule und dem Vereinswesen wird Rechnung getragen. Ebenso den Steckholzer Eigenheiten – seien es nun die alten Häuser, die Burgergeschlechter oder unvergessene Verbrechen. Und Fotografien des Busswilers Willy Jost zeigen die Steckholzer Höfe und Felder in so verschiedenen wie anmutigen Stimmungen.

Ein Fest als Zeichen

«Das Buch wird vielen Steckholzern vor Augen führen, dass wir im Kleinen doch auch eine grosse Geschichte haben», ist Hannes Kuert überzeugt. Unterstreichen soll dies am Samstag zudem ein kleines Fest, in dessen Zentrum ebenfalls die Dorfchronik stehen wird.

Ein Anlass für alle Obersteckholzer und Untersteckholzer solle es werden, bei dem am Ende auch das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz kommen solle, sagt OK-Mitglied Hannes Kuert. Zur Lösung des Konfliktes, der gegenwärtig in Obersteckholz herrsche, werde das Fest wohl kaum etwas beitragen können. «Trotzdem soll es auch ein Zeichen setzen, dass wir es doch gut haben untereinander.» Schliesslich zeige die Geschichte, dass sich die Steckholzer schon nach so manchem «Gstürm» wieder zusammengerauft hätten.

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