Huttwil

Integration auf Glatteis

Huttwil«Midnight on Ice» feierte am Samstag in der Eishalle Premiere. Ziel des Projekts: Jugendliche aus der Region mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden zusammenbringen. Nicht alle kamen mit der glatten Oberfläche gleich gut zurecht.

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Die Erwachsenen mussten das Feld räumen: Über 80 Jugendliche kurvten am Samstagabend in der Eishalle Huttwil mit Schlittschuhen über das Eis. Der Anlass Midnight on Ice findet zwar zum ersten Mal statt, aber die meisten Teenager kennen sich schon gut.

Denn die 13- bis 17-Jährigen treffen sich wöchentlich im Rahmen des Jugendprojekts «Midnight Huttwil» in der Dornackersporthalle. «Normalerweise sind aber nicht so viele dabei», sagt ein Oberstufenschüler.

Die Teilnehmerzahl schwanke zwischen rund 30 und 50 Jugendlichen. «Wir spielen sonst immer Fussball, Unihockey oder Volleyball. Und es gibt auch eine Chiller-Ecke zum Ausruhen.»Der Junge sitzt am Eingang vor einem Laptop. «Ich kann leider nicht aufs Eis, weil ich verletzt bin.»

Er kümmert sich deshalb heute um die Administration und registriert die Namen und Adressen der Teilnehmenden. Sie mussten sich nicht vorgängig anmelden, und der Eintritt ist frei: Der Campus Perspektiven stellt seine Mietschlittschuhe gratis zur Verfügung.

«Wir erfassen die Teilnehmer für unsere Statistik», sagt Bettina Heim von der Stiftung Idée Sport. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Zentrum Bäregg und dem Campus Perspektiven hat sie den Anlass organisiert.

Erstmals auf dem Eis

Bevor die Teenager das Eisfeld stürmen dürfen, erklärt der Projektleiter Isa Halimi noch einmal die Regeln. «Aber heute Abend braucht es uns Erwachsene nicht, denn die jugendlichen Coachs haben die Verantwortung auf dem Eisfeld», sagt Bettina Heim. «Das Projekt ist von Jugendlichen für Jugendliche», betont sie. Acht Oberstufenschüler tragen deshalb ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift Coach.

Mit dem Projekt «Midnight Huttwil» bietet die Stiftung Idée Sport den Jugendlichen einen Treffpunkt, an dem sie kostenlos und unverbindlich Sport treiben können. Die Premiere auf dem Eis hat aber noch ein weiteres Ziel: Integration.

Denn unter den Teilnehmern sind an diesem Abend auch zwölf unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Zusammen mit ihren Betreuern vom Ankunftszentrum in Huttwil besuchen sie «Midnight on Ice».

Die glatte Oberfläche bereitet manchem Teenager Schwierigkeiten: Langsam tastet sich ein Junge die Bande entlang und setzt einen Schlittschuh vor den anderen. Er und ein paar seiner Freunde vom Ankunftszentrum Huttwil stehen heute zum ersten Mal auf den Schlittschuhen. Nach kurzer Zeit begleitet ihn ein etwas geübterer Eisläufer auf die erste Runde.

Diese endet aber leider rasch einmal auf seinem Hintern. Doch der Jugendliche gibt nicht auf und kämpft sich wieder auf die Beine. Nach einer halben Stunde und unzähligen Stürzen stapft er doch schon in beacht­lichem Tempo mit einer Metallstütze über das Eis. Sein Lachen wird dabei immer breiter.

Auch ein Mädchen, das seit einem Jahr in der Schweiz ist, versucht sich erstmals als Eisläuferin. Es möchte sich aber lieber vom standfesten Betreuer be­gleiten lassen anstatt von ihrem ­jugendlichen Freund.

«Chef, ich kann nicht allein. Komm mit mir», bittet es den Betreuer. Ein anderer Junge wagt sich gar nicht aufs Eis. «Ich krank. Morgen!», sagt er und lächelt verschmitzt.

Wenig direkten Kontakt

Die meisten Huttwiler Kinder haben es da leichter, denn sie sind bereits geübte Eisläufer. Auf einer Hälfte des Feldes spielen manche sogar Eishockey. «Ich habe noch mit keinem Asylsuchenden geredet», sagt ein Eishockeyspieler. Er sei auch sonst am Wochenende viel in der Eishalle und habe die Jugendlichem vom Ankunftszentrum schon öfters gesehen.

Da sie noch nicht Hockey spielen könnten, habe er aber noch nie direkt mit ihnen Kontakt gehabt. Auch zwei einheimische Mädchen haben sich noch nicht mit den Asylsuchenden unterhalten. «Aber sie stören uns auch überhaupt nicht», sagt die Eisläuferin.

Doch ein Junge im SC-Bern-Pullover erzählt: «Ich kenne schon einige der Asyl­suchenden.» Bettina Heim freut sich: «Es spielt keine Rolle, woher man kommt, heute Abend hat jeder auf dem Eisfeld seinen Platz.»

Polizei vor Ort

Auf dem Eis fallen die zwei Erwachsenen auf, die da ihre Runden drehen. Es handelt sich aber nicht um Eltern, sondern um Vertreter der Polizei. «Wir sind von der Kriminalprävention», sagt René Schneeberger. Er sei bei den Sitzungen zum Jugendprojekt dabei gewesen. «Ich finde das eine gute Sache, und das Projekt hat grossen Erfolg – auch in der Turnhalle.»

Es gebe zwar heute keine Sicherheitsrisiken, aber: «Wenn man in einem Gremium dabei ist, darf man doch auch gleich aktiv daran teilnehmen.» Sagts und flitzt auf seinen Schlittschuhen davon. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 26.02.2017, 17:40 Uhr

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