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Jetzt legt der Gemeinderat Zahlen vor

56 Millionen Franken soll die Umgestaltung des öffentlichen Raums am Bahnhof kosten. Bewilligen müssen die Stimmberechtigten sogar einen Kredit von über 70 Millionen.

Der Bahnhofplatz Süd soll vom motorisierten Individualverkehr weitestgehend befreit werden.
Der Bahnhofplatz Süd soll vom motorisierten Individualverkehr weitestgehend befreit werden.
PD/weberbrunner architekten AG
Die Bahnhofunterführung wird zu einer quartierverbindenen Langsamverkehrsachse ausgebaut. Die Zahl der Veloabstellplätze wird auch mithilfe eines unterirdischen Abstellraums verdoppelt.
Die Bahnhofunterführung wird zu einer quartierverbindenen Langsamverkehrsachse ausgebaut. Die Zahl der Veloabstellplätze wird auch mithilfe eines unterirdischen Abstellraums verdoppelt.
PD/weberbrunner architekten AG
Der Langsamverkehr soll eine direkte Verbindung von der Hasenmattstrasse bis zur neuen Unterführung erhalten.
Der Langsamverkehr soll eine direkte Verbindung von der Hasenmattstrasse bis zur neuen Unterführung erhalten.
PD/weberbrunner architekten AG
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Ein Jahrhundertprojekt sei es. Um die Visitenkarte der Stadt gehe es. Letzten Endes um die Drehscheibe einer ganzen Region. So hat es seitens des Gemeinderats bereits im Vorfeld getönt. Dass die anstehende Neugestaltung des Langenthaler Bahnhofs weit über die politischen Kreise hinaus interessiert, davon zeugte am Montagabend der grosse Aufmarsch in der Alten Mühle.

Gegen 140 Personen sind gekommen, um sich vom Gemeinderat aus erster Hand über das Projekt Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Bahnhof Langenthal informieren zu lassen. Dabei sind die Eckpunkte des Vorhabens schon seit längerer Zeit bekannt: eine Umgestaltung des heutigen Bahnhofplatzes südlich der Gleise. Ein neuer Platz im Norden. Und damit verbunden der Ausbau der heutigen Personenunterführung zu einer quartiervereinenden Bahnhofpassage für den gesamten Langsamverkehr.

Diese längstens festgelegten Grundsätze gaben am Montagabend denn auch kaum Anlass zu Fragen. Es war vielmehr die detaillierte Gestaltung, die bei den vornehmlich schon etwas älteren Anwesenden auf reges Interesse stiess. Wie diese ausfallen soll, machten nun erstmals Visualisierungen deutlich.

Weitestgehend autofrei

Grosse Veränderungen widerfahren dabei dem Gebiet nördlich der Gleise, wo Fussgänger und Velofahrer künftig über eine neue Verbindung entlang des Hochwasserschutzkanals direkt zum Bahnhof gelangen sollen. Überhaupt ist hier viel öffentlicher Freiraum vorgesehen. Auch die heute unübersichtliche Situation auf der Südseite des Bahnhofs soll zugunsten des Langsam- und des öffentlichen Verkehrs massgeblich umgestaltet werden.

So werden etwa die Bushaltekanten verlegt und ein sogenanntes Kiss-and-Ride-System zum Absetzen von ÖV-Nutzern eingerichtet. Durch eine neue Führung des motorisierten Verkehrs im Einbahnregime wird der eigentliche Bahnhofplatz von Autos weitestgehend befreit. Dafür sollen kleine Grünbereiche den neu gewonnenen Freiraum einfassen. Und mit neuen unterirdischen Abstellmöglichkeiten sowie dem Ausbau der oberirdischen Analgen wird die Zahl der Veloabstellplätze verdoppelt.

Nicht Bestandteil des ESP-Projekts ist indes der angedachte Bau eines unterirdischen Park and Ride auf dem Areal der Geiser Agro.com. Zwar sei auch dieses Projekt ein städtisches, hält der Gemeinderat fest. Angegangen werden kann es allerdings erst als Teil der weiteren Arealentwicklung im Norden des Bahnhofs, für deren Finanzierung Private zuständig sein werden.

Das ESP-Projekt geht im Norden daher von einer oberirdischen Parkierung analog der heutigen Situation aus. Mitberücksichtigt ist jedoch eine temporäre Park-and-Ride-Anlage, die bis zum allfälligen Bau eines Parkhauses die durch die Umgestaltung des Bahnhofplatzes Süd wegfallenden Parkplätze auf dieser Seite der Gleise kompensieren soll.

20 Prozent Reserve

Auch zu den Kosten äusserte sich der Gemeinderat am Montag ausführlich. Schliesslich geht es beim ESP Bahnhof letztlich um ein Kreditbegehren, das die Stimmberechtigten erst noch bewilligen müssen. Konkret ist es ein Bruttokredit von 70,8 Millionen Franken, der — die vorherige Zustimmung des Stadtrats vorausgesetzt – im Mai 2019 an die Urne kommen soll.

Das ist erheblich mehr Geld, als noch 2014 im Zusammenhang mit dem Projektierungskredit zur Debatte stand. Von rund 50 Millionen Franken insgesamt ist man damals ausgegangen für das Projekt ESP Bahnhof Langenthal. Zwar wurde diese Zahl inzwischen tatsächlich leicht nach oben angepasst: Nach Abschluss des Vorprojekts werden die Gesamtkosten jetzt auf 56 Millionen Franken geschätzt.

Dass den Stimmberechtigten ein Bruttokredit von sogar mehr als 70 Millionen vorgelegt wird, hat aber andere Gründe, wie Finanzminister Roberto Di Nino (SVP) am Montag ausführte: Weil die Vorlage nun schon auf Vorprojektstufe vors Volk kommt, ist eine Reserve von 20 Prozent der tatsächlich erwarteten Kosten miteingerechnet. Weitere knapp 3 Millionen sind zudem für die Einmalabgeltung der Personenunterführung in den Kredit integriert worden. Damit wird geregelt, dass die SBB alle künftigen Unterhaltsarbeiten an der Unterführung übernehmen.

Der ideale Zeitpunkt

Wobei die Stadt wiederum nur für einen Teil der Kosten aufkommen muss. Schon 2014 ging man von einem Anteil von «nur» etwa 19 Millionen zulasten der Stadt aus. Gemäss Vorprojekt sind es nun rund 30 Millionen Franken, die Langenthal für den Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof selber aufbringen soll.

Weitere 13,4 Millionen sind im Rahmen des Agglomerationsprogramms vom Bund zu erwarten. 11 Millionen werden laut Di Nino vom Kanton finanziert. Eine Steuererhöhung, konnte der Gemeinderat am Montag beruhigen, werde das Bahnhofprojekt daher nicht zur Folge haben.

Überhaupt sei der Zeitpunkt für die Realisierung ideal, hält die Exekutive auch in einer Medienmitteilung fest. Nicht nur, weil die von Bund und Kanton zugesicherten Beiträge bei einer Umsetzung nach 2027 verfallen würden. Sondern auch, weil am Bahnhof ohnehin gebaut wird – und werden muss.

Bereits haben die SBB die mit 2 Millionen Franken veranschlagte Sanierung des Bahnhofsgebäudes in Angriff genommen. Weitere 30 Millionen Franken investieren die Bundesbahnen in die bis Ende 2023 erforderlichen Anpassungen ihrer Infrastruktur ans Behindertengleichstellungsgesetz.

Durch die zeitliche Koordination könnten Synergien genutzt und Kosten gespart werden, hält der Gemeinderat fest. Zumal Sanierungsbedarf im Bahnhofgebiet seitens der Stadt so oder so bestehe.

Blieben kritische Fragen am Montagabend weitestgehend aus, sind auf politischer Ebene Diskussionen durchaus zu erwarten. So ist auf Ende Oktober etwa eine Sprechstunde für die Mitglieder des Stadtrates angesetzt.

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