Marktgasse top, Wuhrplatz flop

Langenthal

Der Langenthaler Gemeinderat zieht nach der versuchsweisen Möblierung der Innenstadt eine durchzogene Bilanz.

Probesitzen am Löwenplatz: Im Juni waren Stadtpräsident Reto Müller (links) und Stadtbaumeister Enrico Slongo noch guter Dinge.

Probesitzen am Löwenplatz: Im Juni waren Stadtpräsident Reto Müller (links) und Stadtbaumeister Enrico Slongo noch guter Dinge.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Mitte Juni hielten die violetten Möbelgarnituren Einzug im Langenthaler Zentrum. Fünf Tische mit je vier Stühlen sollten während jeweils eines Monats im Bereich des Löwenplatzes, in der oberen Marktgasse und auf dem Wuhrplatz zum Verweilen und Aufeinandertreffen mit anderen Menschen einladen. 7000 Franken hat sich die Stadt die mobilen Möbelgarnituren kosten lassen.

Vergangene Woche zog der Gemeinderat nun ein erstes Fazit über seinen Versuch, den Stadtkern zu attraktivieren. Und dieses fällt im Grundsatz positiv aus. «Das Mobiliar fand aus unserer Sicht ein hohes und sehr gutes Feedback in der Bevölkerung, und das von Anfang an», sagt Stadtpräsident Reto Müller (SP). So seien die Stühle und Tische denn auch rege genutzt worden. Allerdings musste die Exekutive ebenfalls feststellen: Nicht überall ist das Experiment gleichermassen geglückt.

Nutzungskonflikte

Von einem Erfolg spricht der Gemeinderat besonders in der oberen Marktgasse, wo die Möbelgarnituren auf privatem Grund platziert worden und bei den Ladenbesitzern sehr gut angekommen seien. Auch die Garnitur bei der Löwenbrücke sei regelmässig genutzt worden, vor allem im angrenzenden Pärkli an der Langete. Misslungen sei der Versuch indes auf dem Wuhrplatz, wo die Möbel unter anderem zu Nutzungskonflikten mit bereits bewilligten Veranstaltungen geführt hätten. Schon nach nur einer Woche wurde der Versuch auf dem zentralen Begegnungsplatz abgebrochen.

«Auf dem Wuhrplatz scheint flexibles Mobiliar schwierig, obwohl dieser Platz sich für eine weitere Möblierung der Innenstadt faktisch aufdrängen würde.»Reto Müller, Stadtpräsident

Es sehe danach aus, «als ob die Stühle und Tische in und um die Marktgasse ‹problemlos› funktionieren», sagt Reto Müller. «Auf dem Wuhrplatz scheint flexibles Mobiliar schwierig, obwohl dieser Platz sich für eine weitere Möblierung der Innenstadt faktisch aufdrängen würde.»

Fünf Stühle verschwunden

Zwei Stühle sind in nur einer Woche auf dem Wuhrplatz verschwunden. Weitere zwei sind allerdings auch in der Marktgasse und einer bei der Löwenbrücke abhandengekommen. Diese Zahl empfinde der Gemeinderat doch als sehr hoch, sagt Müller, zumal man etwa in Bern, wo Stühle und Tische schon länger in den öffentlichen Raum laden würden, offenbar weniger Verluste zu beklagen habe. Allerdings gehe der Gemeinderat in Langenthal nicht von einem Diebstahl aus. «Wir könnten uns auch vorstellen, dass die Stühle temporär an andere öffentliche Orte ‹gewandert› sind.» Dies wiederum wäre durchaus im Sinne des Möblierungskonzepts. Der Gemeinderat halte deshalb die Augen offen nach weiteren violetten Stühlen in der Stadt.

Die fünfzehn verbleibenden Stühle und die fünf Tische wurden inzwischen im Werkhof eingelagert. Ob sie nächstes Jahr wieder ins Stadtzentrum zurückkehren, ist offen.

Der Gemeinderat werde sich auf den Frühling hin erneut beraten. Denkbar seien verschiedenen Lösungen, vom Verzicht auf eine erneute Möblierung über den Einsatz der noch vorhandenen Tische und Stühle bis hin zu einer Ausdehnung auf weitere Garnituren, sagt Müller. Wobei er persönlich sich diesbezüglich auch den Einbezug von Sponsoren vorstellen könne. Und ebenso ein zusätzlicher Versuch auf dem Wuhrplatz wäre für Müller denkbar: mit Möbeln, die sich nicht durch reine Muskelkraft verschieben lassen.

Langenthaler Tagblatt

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