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Nach dem Start ist vor dem Betrieb

Nach der Widmungsfeier vom Freitagabend öffnet sich das sanierte Theater am Samstag der breiten Bevölkerung. Für die Verantwortlichen erst ein weiterer Zwischenschritt, ­kommen im neuen Haus nun doch auch zusätzliche Herausforderungen auf sie zu.

Kathrin Holzer
Nervosität und Vorfreude begleiten Reto Lang und Helena Morgenthaler vor der offiziellen Eröffnung des neu ganz in weiss gehaltenen Theaters.
Nervosität und Vorfreude begleiten Reto Lang und Helena Morgenthaler vor der offiziellen Eröffnung des neu ganz in weiss gehaltenen Theaters.
Thomas Peter

Diesmal funktioniert der Warenlift. «Glück gehabt», sagt Reto Lang mit angespanntem Lächeln. Nervosität und Vorfreude zugleich begleiten den Theaterleiter wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung bei seinem Gang durchs Haus.

14,7 Millionen Franken haben die Langenthalerinnen und Langenthaler Ende 2014 gesprochen für die Sanierung ihres inzwischen über 100 Jahre alten Theaters. Inklusive des neuen multifunktionalen Raumes im Untergeschoss, dem Theater 49, das im Vorfeld für so heftige Debatten gesorgt hatte in der Kleinstadt.

Da soll alles stimmen, wenn sich die Bevölkerung am Samstag erstmals selber ein Bild machen kann vom frisch sanierten Kulturtempel. Was werden die Besucher sagen zum nun gänzlich weissen Theatersaal? Was zum neuen Eingangsbereich? Dem viel grösseren Foyer? Oder den ungewohnten Piktogrammen bei den Toiletten?

Aufreibende Monate

Schon die letzten Wochen und Monate haben dem Theaterleiter einiges an Geduld und Nerven abverlangt. Nicht alles lief so, wie sich Lang das gewünscht hätte. Zuerst, dass der Gemeinderat seine Idee eines Eröffnungszeremoniells in Form eines Festspiels mit vier Aufführungen unter Beteiligung der lokalen Vereine im Februar kurzerhand abgeblasen hatte.

Das Gesamtprojekt war der Exekutive mit 200 000 Franken zu teuer. Die stattdessen angesetzte gestrige Widmungsfeier in geschlossener Gesellschaft kostete, wenn nur einen Bruchteil, aber immer noch eine stolze Summe, was für viele Langenthaler doch einen elitären Beigeschmack hatte.

Ebenso der Vorverkaufsstart im Oktober ist reichlich missglückt: «Die gewählte Vertriebsfirma musste überraschend einen neuen Systempartner finden und wurde als Ticketmaster Schweiz AG zum Partner des grössten Ticketunternehmens der Welt», erklärt Reto Lang.

Die Theaterkunden sahen sich beim neuen Ticketsystem nun mit fehlendem Service und hohen Gebühren konfrontiert. Jetzt komme es zwar gut, «die Gebühren werden den Kunden zurückerstattet», weiss Lang. Für das Theater sei es aber denkbar schlechte Werbung gewesen.

Auch mit der neuen Technik im Haus muss sich das Theaterteam erst einmal zurechtfinden. Und nun stellt Lang – überrascht und etwas ratlos zugleich – fest, dass die erste öffentliche Aufführung im sanierten Theater am 26. Dezember bisher nicht auf das ­erwartete Publikumsinteresse stösst.

Dabei habe man sich mit dem Familienmusical «Der Kleine Lord» doch nicht nur für einen Weihnachtsklassiker schlechthin entschieden, sondern extra auch für ein Stück für jede Generation, sagt der Theaterleiter. Spürbar erleichtert, dass immerhin die darauffolgenden Programmpunkte die erhoffte Publikumsbeachtung zu finden scheinen.

Die drei Vorstellungen der lenzschen Version des Silvesterklassikers «Dinner for One» zum Jahresende sind allesamt so gut wie ausgebucht. Und auch das «Teatro Delusio» der Familie Flöz am Bärzelistag und natürlich das Festkonzert der Langenthaler Vereine am 7. Januar seien bereits gut ausgelastet, sagt Lang.

Die Auslastung muss stimmen

Eine gute Auslastung: Sie ist eminent für das neue Stadttheater. Die Neuerungen haben den Unterhalt teurer gemacht – allein die Serviceverträge für die nun weitaus modernere Technik fallen mit rund 50 000 Franken acht mal höher aus als bis anhin.

Angesichts der gestiegenen Kosten sollen nun bei den Besuchereintritten und den Gebühren durch externe Nutzungen Mehreinnahmen von 200 000 Franken generiert werden.

So ist es im Budget 2018 der Stadt vorgesehen. Umso mehr Bedeutung erhalten daher Marketing und Kommunikation. Per November wurde deshalb ein neuer Posten geschaffen im Theater, den nun Yvonne Wüthrich innehat.

Aktuell noch Leiterin Kommunikation bei Arosa Tourismus, sei die Langenthalerin und Geschäftsführerin der Bar Provisorium derzeit noch zu 40 Prozent angestellt, ab Januar werde ihr Pensum dann auf 80 Prozent aufgestockt, erklärt Gemeinderätin Helena Morgenthaler (SVP).

Hoffnungen setzt die Ressortverantwortliche Kultur und Sport dabei nicht nur auf eine gute Vermarktung des Programmmixes, der Reto Lang einmal mehr bestens gelungen sei. Mit dem neuen Theater 49 böten sich nun auch zusätzliche Möglichkeiten, verweist sie auf angestrebte Vermietungen als Probelokal ebenso wie für Anlässe.

Erkenntnisse aus zufälligen Überschneidungen in den letzten Tagen hätten gezeigt, dass dabei möglicherweise auch Parallelnutzungen von Saal und Theater 49 nicht ausgeschlossen werden müssen, sagt Lang.

Überhaupt müsse jetzt aber manches erst ausprobiert werden, müsse sich vieles erst einspielen im neuen Theater. So soll etwa die Gas­tronomie noch ausgeschrieben werden, verweist Lang auf den vorerst nur befristeten Vertrag mit der Wälchli Feste AG.

Und schliesslich wird wohl auch die Organisationsform des Theaters wieder diskutiert in absehbarer Zeit. Die Ausgliederung des heutigen Verwaltungszweigs sei nach wie vor ein Thema, sagt Helena Morgenthaler. Vorerst freut auch sie sich nun aber einfach über das neue Stadttheater.

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