Nicht nur Ja und Amen sagen

Langenthal

Die Kirche Geissberg soll saniert werden, offen ist noch, wie. Am Infoanlass bindet die Kirchgemeinde die Bevölkerung mit ein. Diese wünscht sich einen sakralen Raum mit mehr Flexibilität.

<b>Vielfältige Zukunftsvision:</b> Die Bevölkerung wird bei der Gestaltung des Bauprojekts miteinbezogen.

Vielfältige Zukunftsvision: Die Bevölkerung wird bei der Gestaltung des Bauprojekts miteinbezogen.

(Bild: Thomas Peter)

Julian Perrenoud

Bevor es ans Diskutieren geht, ­erhoffen sich die Anwesenden mit Gesang und Gebet erst einmal göttlichen Beistand. Schliesslich geht es um eine neue Vision der Kirche und der Kirchgemeinde ganz allgemein. Es geht um Ideen und Inspiration für das Bauprojekt.

Dieses sei ein historisches Ereignis, findet der Kirchgemeinderat, denn schliesslich könne die Bevölkerung nur etwa alle 50 bis 70 Jahre an einem solchen Projekt aktiv mitwirken.

Am Infoanlass im Forum Geissberg werden an diesem Abend auch keine Entscheide gefällt, dafür aber ein Austausch angestrebt. «Nicht, damit wir im Dezember nur Ja und Amen sagen können», sagt Kirchgemeinderatspräsident Reto Steiner. Dann nämlich muss die Versammlung über den Baukredit abstimmen.

Drei Architektinnen gewählt

Die Kirche habe auch heute eine hohe Symbolkraft. Es sei ein Ort, wo das Gemeindeleben passiere, sagt Steiner. Die über 100 anwesenden Personen am Infoanlass zeigten ihm, dass die Zukunft der Kirche als Ort und Bau wichtig sei. Wobei es sich nicht bloss um eine 50-jährige Bausubstanz handelt. Die Geschichte dieser Kirche geht bis ins Jahr 1392 zurück.

«Die Kirche von morgen. 2019 bis 2069» heisst deshalb das Erneuerungsprojekt. Damit das Ergebnis zeitgemäss wird, hat der Kirchgemeinderat mit einem Wettbewerb ein Architekturbüro ausgewählt, das von drei jungen Frauen geführt wird. Sie haben Erfahrung mit sensiblen Gebäuden, das Spezialgebiet der Architektinnen umfasst nämlich historische Bauten.

Es sei jedoch das erste Mal, dass sie sich an eine Kirche wagten, sagen die drei, die ebenfalls ins Forum gekommen sind. Der Informationsabend sei ein wichtiger Impulsgeber für den weiteren Projektverlauf. Grundsätzlich wollen sie am Geissberg an Vorhandenes anknüpfen.

Von der Diskussion angetan

Heini Hasler, Kirchgemeinderat Immobilien, weiss, welch grosse Herausforderung eine Kirchensanierung mit sich bringt: «Hier drinnen passieren täglich so viele verschiedene Dinge, die es alle zu berücksichtigen gilt.»

An vier Stationen im Saal können die Anwesenden nun an der Zukunft der Kirche bauen, wie es Steiner nennt. In jeder Ecke sind Pinnwände aufgestellt mit den wichtigsten Punkten, die es beim Umbau zu berücksichtigen gilt. Diese sind über den ganzen Monat hinweg im öffentlichen Mitwirkungsverfahren eingeschickt worden. Darunter etwa:

  • Stimmung, Gestaltung: neuer Anstrich, wärmere Farben, nicht befremden, Kirchenfenster hervorheben, Geborgenheit.
  • Räume, Erschliessung: WC, Feiern, Rückzugsort, behindertengerecht, Kinderhüteraum.
  • Technik, Akustik: Beleuchtung verbessern, Leinwand, Orgelsanierung, Wärmeisolation.
  • Ausstattung, Mobiliar: Bänke mit Kissen, neue Bühne, Trennwände, verschiebbarer Altar.

Weil der Umbau ein demokratischer Prozess sein soll, können alle Anwesenden mit roten Klebern ihre Prioritäten markieren. Steiner ist von den angeregten Diskussionen angetan. «Mein Eindruck war, dass sich die Mehrheit weiterhin einen sakralen Raum wünscht, aber mit mehr Flexibilität.»

Die Baukommission und das Architektenteam werden nun alle Ergebnisse sichten. Weitere Infos folgen dann an der Versammlung im Juni.

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