Niveauunterricht: «Die Zeit ist reif»

Langenthal

Voraussichtlich im Sommer 2019 soll auch in Langenthal zum durchlässigen Schulmodell gewechselt werden. Am Bildungsgipfel der FDP diskutierten Lehrer, Gemeinderat und Schulinspektor über Vor- und Nachteile des Niveauunterrichts.

Im Schulzentrum Kreuzfeld soll die ganze Oberstufe dereinst vereint werden.

Im Schulzentrum Kreuzfeld soll die ganze Oberstufe dereinst vereint werden.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Im Stadtrat fand das Anliegen seinerzeit nur bei der SVP keine Zustimmung. Die grosse Mehrheit der Parlamentarier indes konnte dem Vorstoss von EVP-Stadtrat Daniel Steiner, es sei die Einführung eines durchlässigen Schulmodells zu prüfen, durchaus etwas abgewinnen. Damit ist man der Einführung des Niveauunterrichts in Langenthal einen guten Schritt nähergerückt.

Im Rahmen der aktuellen Schulplanung geht es denn auch nicht nur um eine Zentralisierung der heute auf drei Standorte verteilten Oberstufe im Kreuzfeld. Auch die Frage des Schulmodells wird dabei diskutiert. Denn während der Grossteil der Berner Gemeinden längst auf den sogenannten Ni­veauunterricht umgestiegen ist, werden Real- und Sekundarschüler in Langenthal noch immer getrennt unterrichtet.

Das führte erst vor kurzem auch die Gemeinde Thunstetten ins Feld, die in der Einführung des durchlässigen Modells ihrerseits die Möglichkeit sähe, ihre Sekundarschüler ins Dorf zurückzuholen. Nicht grundlos kam am Bildungsgipfel der FDP am Montagabend denn auch die Frage des Standortvorteils bei einem durchlässigen Modell auf.

Im Grundsatz gleichwertig

Natürlich hoffe man, die Schüler der umliegenden Gemeinden halten zu können, meinte dazu Bildungskommissionspräsident Matthias Wüthrich (Grüne). Als grosse Schule habe Langenthal allein schon von seinen Strukturen her aber Vorteile ge­genüber anderen Schulen, unterstrich Schulinspektor Kaspar Stocker. Gleichzeitig müsse festgehalten werden, dass die verschiedenen Schulmodelle im Grundsatz gleichwertig seien.

Dennoch plädierte auch der Schulinspektor für den Schritt zum durchlässigen Modell: «Die Zeit ist reif – zumal man ja die Wahl hat, wie gross der Schritt sein soll.»

Kritik an einer Abkehr vom heutigen Modell übte auf dem Podium niemand. Die «grössere Gerechtigkeit» durchlässiger Modelle etwa führte Brigitte Anliker ins Feld. Diese würden der Integration mehr Rechnung tragen und auch Kindern aus sozioökonomisch schwachen Familien mehr Perspektiven eröffnen, so Anliker, Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Bern und ehemalige Oberstufenlehrerin.

Gleichzeitig sei ihr keine einzige Studie bekannt, wonach die Durchmischung für begabtere Kinder nachteilig wäre. Ähnliche argumentierte Matthias Wüthrich: Er wünsche sich für seine Tochter einen Unterricht, der auf sie zugeschnitten sei, egal, ob sie nun zu den intelligenteren Kindern zählen werde oder nicht, sagte der frischgebackene Vater.

An sich Nebensache

Als Ausbildner von Konstrukteuren wiederum habe er indes nie einen Unterschied festgestellt zwischen Lernenden, die zuvor ein durchlässiges Modell durchlaufen hätten, und jenen aus Schulen ohne Niveauunterricht, betonte Wüthrich. Weit wichtiger als die Modellfrage selber sei seiner Ansicht nach deshalb, dass die Kinder überhaupt abgeholt würden in der Schule.

Das unterstrich auch Gymo-Rektor Thomas Multerer: «Wenn es mir als Lehrer gelingt, eine ­Beziehung zum Schüler aufzubauen, spielt das Modell keine Rolle.»

«Das Verhalten eines Lernenden ist uns an sich ebenso viel wert wie seine schulische Leistung», erklärte Daniel Christen, Leiter des Ausbildungs- und Lernzentrums der Amman Schweiz AG. Diesbezüglich trage eine Durchmischung von Sekundar- und Realklassen sicher auch zu einer Verbesserung der sozialen Kompetenzen bei.

Allerdings gebe das Zeugnis nun einmal den ersten Anhaltspunkt, ob ein Jugendlicher überhaupt infrage komme für eine Ausbildung. Wichtiger als die Modellfrage sei für ihn daher, dass das jeweilige Niveau klar deklariert sei.

Erst in einem weiteren Schritt

Auf welche Form der Durchlässigkeit Langenthal setzt, bleibt offen. Zuerst gehe es nun um die Frage, wie die Schule als Ganzes aussehen soll, verwies Matthias Wüthrich auf die anstehende Zentralisierung der Oberstufe als Voraussetzung für die Durchlässigkeit.

Detaillierte Infos dazu will der Gemeinderat im August bekannt geben. Erst in einem weiteren Schritt soll dann der Modellentscheid fallen und auf das Schuljahr 2019/2020 hin umgesetzt werden.

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