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Plötzlich Grossrätin

Durch den Tod von Alexander Tschäppät ist Marianne Burkhard ins Kantonsparlament nachgerutscht. Es ist eine Aufgabe, die für die Gemeindepräsidentin trotz aller Vorzeichen überraschend kam.

Zurück im Dorf: Die nächsten Wochen kann sich Marianne Burkhard wieder ganz den Gemeindean­gelegenheiten widmen.
Zurück im Dorf: Die nächsten Wochen kann sich Marianne Burkhard wieder ganz den Gemeindean­gelegenheiten widmen.
Thomas Peter

2010 auf Anhieb Gemeinderätin. 2014 Siegerin im Duell ums Gemeindepräsidium. Und 2018 bei der Wahl des Kantonsparlaments immerhin der erste Ersatzplatz: Marianne Burkhards politische Karriere gehört damit zu den steileren. Dass sich die 60-jährige Roggwilerin jetzt sogar Gross­rätin nennen darf, verdankt sie allerdings einem traurigen Umstand. Nach dem Tod von Berns Alt-Stadtpräsident Alexander Tschäppät ist der bisherige Huttwiler Grossrat Adrian Wüthrich bekanntlich in den Nationalrat nachgerutscht. Burkhard wiederum erbte so dessen frei gewordenen Sitz der SP Oberaargau im Kantonsparlament. «Da war meine Freude am Anfang natürlich gedämpft.»

Tausend Gedanken

Marianne Burkhard war gerade unterwegs ans traditionelle ­Spaghettiessen der Roggwiler Frösche-Chuchi, als sie die Nachricht vom Tod des Parteikollegen erreichte. Fast keinen Bissen habe sie da heruntergekriegt, erinnert sie sich. Zwar habe Wüthrich sie bereits unmittelbar nach den Grossratswahlen in Kenntnis gesetzt über den Gesundheitszustand von Alexander Tschäppät. Erst als das Absehbare traurige Gewissheit geworden war, habe sie aber realisiert, was damit auf sie zukomme.

«Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf», erinnert sie sich an jenen schier nicht enden wollenden Mittag im Schulhaus. 15 Jahre war sie Laienrichterin, zuerst am Gericht im Schloss Aarwangen und später am Regionalgericht Emmental-Oberaargau in Burgdorf. Würde sie diese Aufgabe nun wirklich abgeben wollen? Wie würde sie das Grossratsmandat mit ihrer Familie unter einen Hut bringen? Zwar sind die zwei Kinder längst erwachsen. Dafür sind zwei Grosskinder dazugekommen, die Marianne Burkhard und ihr Mann nun einmal die Woche hüten. Und zu guter Letzt: Wie sehr würde sie die Aufgabe in Bern bei ihrer Funktion als Gemeindepräsidentin einschränken? Sie, die in den letzten dreieinhalb Jahren fast jeden Tag irgendwelchen Besprechungen nachkam, Anlässe besuchte und so für das Dorf zur Verfügung stand.

«Ich habe das Grossratsamt nicht unbedingt gesucht», räumt sie ein. In der letzten «heissen» Phase des Wahlkampfs im März sei sie nicht einmal zugegen gewesen. Jetzt aber, da es so gekommen ist, macht sich doch auch Stolz breit in dieser ebenso bestimmt wie zurückhaltend wirkenden Frau. Sie erhalte plötzlich mehr Einladungen, werde als Person in der Region doch anders wahrgenommen: «Dort spüre ich irgendwie die Wichtigkeit dieses Amtes.»

Über die Parteigrenzen

Dennoch sei das Ganze eine ziemliche Haurückübung gewesen. Erst Mitte Mai hatte sie nach einer Woche Bedenkzeit schliesslich zugesagt, das Mandat zu übernehmen. Keine drei Wochen später ist sie in Bern vereidigt worden. Dort sei sie auch nach der ersten Session noch nicht ganz angekommen, sagt Marianne Burkhard. An vieles müsse sie sich erst einmal gewöhnen. Aber die Arbeit erscheine ihr sehr «spannend, herausfordernd und interessant».

Es ist vor allem der persönliche Kontakt, den die Roggwilerin so sehr schätzt. Sei es in ihren zahlreichen früheren Vereinstätigkeiten oder jetzt in der Politik. Sie, die ihre Stärke gerade darin sieht, über alle Parteigrenzen hinweg mit den Leuten zusammenarbeiten zu können. Eine Eigenschaft, die letzten Endes mitverantwortlich gewesen sein dürfte sowohl für ihre Wahl zur Gemeindepräsidentin als auch für das gute Abschneiden bei den Grossratswahlen.

Zwei Rollen

Aber sie freut sich. Zumal das neue Amt für ihre Arbeit im Gemeinderat von Nutzen sei: dank des direkten Informationsflusses, von dem sie nun profitieren könne. Mit Marianne Teuscher (FDP) als zweiter Gemeinderätin im Grossen Rat ist das Dorf in dieser Hinsicht jetzt sogar doppelt bedient. Dabei gehöre ihre Namensvetterin als Mitglied der Gesundheitskommission in Bern ihrem eigentlichen Wunsch­gremium an, gesteht Marianne Burkhard ein. Aber auch mit der Sicherheitskommission sei sie nicht unglücklich. Zumal sie bis Ende 2014 im Gemeinderat ebenfalls mit diesem Ressort betraut war. Und weil sie als Frau des früheren Feuerwehrkommandanten und einstige Motorfahrerin im Militärdienst ebenso private Bezüge hat zu diesem Bereich.

Auch blickt sie der nächsten Session bereits wesentlich gelassener entgegen. Es bleibt diesmal genug Zeit dafür, die damit verbundenen Abwesenheiten zu planen und sich auf die Geschäfte vorzubereiten.

In Bern werde sie vor allem Oberaargauerin sein, betont Marianne Burkhard. Dort werde sie sich mit Stolz für die Anliegen ihrer Region einsetzen. Als Gemeindepräsidentin indes verhalte es sich auch weiterhin gerade umgekehrt, macht sie deutlich: «Da ist mir das Dorf viel näher als der Oberaargau.»

Vorausgesetzt natürlich, sie bleibt Präsidentin. Ob sie in dieser Funktion im bevorstehenden Wahlherbst in Roggwil unangefochten bleibt, ist offen. Noch geben sich die bürgerlichen Parteien als mögliche Herausforderer bedeckt.

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