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Poststellenschliessung: Trend setzt sich fort

Rohrbach und Melchnau sind nicht allein: Bald dürften sich weitere Dörfer im Oberaargau mit einer Schliessung ihrer Poststelle respektive einer Umwandlung in eine Agentur konfrontiert sehen.

Die Situation der Poststellen im Oberaargau.
Die Situation der Poststellen im Oberaargau.

881 Melchnauerinnen und Melchnauer unterschrieben letzten Oktober innerhalb von drei Wochen eine Petition, damit die Post in ihrem Dorf erhalten bleibt. Nichtsdestotrotz befindet sich ihre Gemeinde auf einer ­Karte, die die gefährdeten Poststellen in der ganzen Schweiz zeigt. Die Liste stammt allerdings nicht von der Schweizerischen Post selbst, sondern von der Gewerkschaft Syndicom, in der viele Pösteler organisiert sind.

Es war die Post, die Melchnau über ihre Pläne informiert hatte, die Poststelle zu schliessen und stattdessen im Volg-Laden eine Agentur einzurichten. Von dieser hat Melchnau laut Gemeindeschreiber Martin Heiniger noch keine Antwort auf die Unterschriften und das umfangreiche Argumentarium erhalten, das der Gemeinderat diesen beigefügt hatte.

Tendenz setzt sich fort

Die Liste von Syndicom hat in der Region hingegen das Bewusstsein geweckt, dass die Post sich mit ihren Poststellen weitgehend aus der Fläche zurückzieht und den Trend der letzten fünf Jahre fortsetzt: Zehn davon wurden ­geschlossen und grösstenteils durch Agenturen ersetzt.

Es sind denn auch längst nicht mehr nur die kleinen Gemeinden, in denen sich die Politiker Sorgen um ihre Poststelle machen. So haben diese Woche auch die Gemeinderäte von Huttwil und Niederbipp sich im «Verschiedenen» mit dem Thema befasst – immerhin zwei Subzentren der Region Oberaargau.

In Aktivismus verfallen wird allerdings keine der beiden ­Exekutiven. «Wir haben die Karte zur Kenntnis genommen», sagt Sibylle Schönmann (SVP), die Gemeindepräsidentin von Niederbipp, «allerdings auch festgestellt, dass wir von der Post selbst keine entsprechenden Signale erhalten haben.» Niederbipp werde deshalb direkt bei der Schweizerischen Post nachfragen.

Lange Schlange

Dieser Kontakt ist in Huttwil ­bereits geknüpft, wie Gemein­depräsident Walter Rohrbach (BDP) festhält. «Von Schliessungsabsichten in Huttwil war in diesen Gesprächen nie die Rede.» Walter Rohrbach macht aber auch klar, dass er solche Pläne absolut nicht verstehen würde. Als Geschäftsführer des Verkehrsvereins Pro Regio habe er fast täglich in der Huttwiler Post zu tun. «In der Regel ist die Schlange vor den Schaltern lang.»

Beim Warten treffe er oft auch Postkunden aus den Nachbar­dörfern an. «Kunden mit Fragen, auf die sie in ihren Agenturen keine Antworten erhalten.» Fragen aber auch, die ein längeres Beratungsgespräch nach sich zögen. «Wie die Post diese Gespräche ­allein in Langenthal vernünftig organisieren will, kann ich mir nicht vorstellen.»

Dass ihre Karte übers Ziel hinausschiesst, weiss auch die Syndicom. Nicht berücksichtigt sei in ihr die wirtschaftliche Komponente einer Poststelle, schreibt sie im Kommentar dazu – weil die Post diese Zahlen nicht zur Verfügung stelle. Die Karte von Syndicom führt im Oberaargau bloss Langenthal und den Sitz des Regierungsstatthalteramtes, Wangen an der Aare, auf.

Zu heiss angepriesen

Doch auch zahlenmässig dürfte die Post den Braten nicht so heiss anrichten, wie ihn die Gewerkschaft auf ihrer (Menü-)Karte anpreist. Im Kanton Bern zum Beispiel sind gemäss Syndicom von 174 Poststellen lediglich 23 ge­sichert, also rund 13 Prozent. Gleichzeitig schreibt diese, die Post werde im Frühjahr eine Liste für die ganze Schweiz präsentieren, die die 800 Poststellen enthalte, die bis ins Jahr 2020 gesichert seien. Bei heute total 1400 Poststellen wären das rund 43 Prozent.

Die Post nimmt zur Karte der Syndicom keine Stellung. Markus Flückiger, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz Mitte, legt aber Wert auf die Feststellung, dass sein Unternehmen Poststellen nicht ersatzlos schliesse. Insgesamt, betont Flückiger, wolle die Post ihre Zugangspunkte von 3700 auf mindestens 4000 ausbauen. Sie stelle in jedem Fall, wie nun in Rohrbach oder auch in Melchnau, Ersatzlösungen zur Verfügung.

Eine Schliessung steht an

Damit können – oder müssen – in Zukunft wohl die meisten Oberaargauerinnen und Oberaargauer rechnen. Rohrbach ist dabei dieser Lösung bereits ganz nahe: Am 4. März geht dort der Schalter im Gemeindehaus zu, am Montag darauf geht die Agentur im Volg-Laden auf. Bereits am kommenden Montag informiert die Post im bestehenden Kundenraum über das neue Angebot.

Die Post beteuert, dass sie auf regionale Zentren Rücksicht nehmen werde. Das dürfte eine Entwarnung für Sibylle Schönmann, Walter Rohrbach und den Gemeindepräsidenten von Herzogenbuchsee sein. Mit unangenehmer Post müssen aber neben Ulrich Jäggi (SVP) in Melchnau alle anderen Kolleginnen und Kollegen im Oberaargau rechnen, deren Poststelle von Syn­dicom als gefährdet eingestuft wird.

Auch das ergibt sich aus einem Rechenbeispiel: 13 Poststellen gibt es gegenwärtig im Oberaargau noch. 43 Prozent davon ergeben 5,6. Mit den vier Subregionszentren Langenthal, Herzogenbuchsee, Huttwil und Niederbipp sowie Wangen an der Aare hätte der Oberaargau aber bereits fünf davon!

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