Präsidentin beginnt ihre «Zusatzschleife»

Heimenhausen

Eigentlich hatte sich Verena Schertenleib-Helbling Ende 2016 aus der Exekutive verabschieden wollen. Nun macht die Gemeindepräsidentin noch maximal zwei Jahre weiter.

Sie hängt noch maximal zwei Jahre an: Verena Schertenleib, die Ende Jahr als Gemeindepräsidentin zurücktreten wollte.

Sie hängt noch maximal zwei Jahre an: Verena Schertenleib, die Ende Jahr als Gemeindepräsidentin zurücktreten wollte.

(Bild: Thomas Peter)

Sind Sie verärgert?Verena Schertenleib:Über was sollte ich verärgert sein?

Sie wollten aufhören und jemand Jüngerem Platz machen. Jetzt müssen Sie vorerst im Amt bleiben. Fühlen Sie sich nicht im Stich gelassen? Jemand Jüngerem Platz machen, das will ich nach wie vor. Ver­ärgert bin ich aber nicht. Es hatte sich bereits Anfang Herbst abgezeichnet, dass es sehr schwierig werden würde, einen Nachfolger zu finden. Ich erklärte mich schon da bereit, noch ein Jahr, maximal zwei Jahre anzuhängen.

Ende Jahr trotzdem einfach Schluss zu machen, diesen Gedanken hatten Sie nie? Nein, das war für mich nie ein Thema. Ich habe seit der Fusion 2008 einiges mitaufgebaut. Ich hätte ein schlechtes Gefühl gehabt, einfach zu gehen. Ich wollte die Gemeinde nicht sitzen lassen.

Sie engagieren sich seit zwölf Jahren im Gemeinderat. Seit acht Jahren für das fusionierte Heimenhausen, davor waren es vier in Wanzwil. Sie haben Ihren Teil doch eigentlich erfüllt, oder? Ja, das denke ich eigentlich auch. Ursprünglich wollte ich ja bereits nach vier Jahren aus dem Rat austreten. Ich stellte dann aber fest, dass für eine fusionierte Gemeinde vier Jahre sehr kurz sind. Es musste sich zuerst alles neu einspielen. Nun wollte ich nach acht Jahren gehen.

Das klappt jetzt nicht. Leider. Für mich ist aber ganz klar, dass ich spätestens nach zwei Jahren definitiv gehe. Wie auch immer sich die Situation dann präsentiert.

Hätten Sie Ihren Kollegen nicht früher ein Ultimatum stellen müssen? Das kann sein. In Heimenhausen haben wir aber keine Parteien, die wir mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragen könnten. Wir vom Gemeinderat haben unser Möglichstes getan, einen solchen zu finden. Aber es ist uns nicht gelungen.

Und das hat Sie überrascht? Ja, das hat es. Ich hätte nicht gedacht, dass die Suche nach einem Präsidenten eine solche Hürde darstellen würde. Denn für den Gemeinderat hätten wir eigentlich noch mehr Kandidaten gefunden. Nur das Präsidium wollte niemand übernehmen. Wir haben im Sommer sicher zehn bis zwölf Gespräche geführt.

Was heisst das für Sie persönlich, dass Sie jetzt noch weitermachen? Hatten Sie bereits konkrete Pläne für 2017? (lacht). Nein, die hatte ich nicht. Ich stelle aber schon fest, dass ich künftig wieder etwas mehr Freizeit haben möchte. Denn aktuell ist es so, dass ich jederzeit abrufbar bin. Ausser ich bin gerade im Ausland.

Vizegemeindepräsident Werner Liechti hat die Gemeinde Ende Jahr verlassen. Beim neuen Vize zeichne sich eine Lösung ab, meinten Sie. Gibt es nun eine? Das Vizepräsidium werden wir an der ersten Gemeinderatssitzung nach den Ferien vergeben. Erste Gespräche wurden geführt, und es sieht derzeit so aus, dass es eine Lösung geben wird.

«Ich denke, dass  in drei oder vier Jahren eine Steuererhöhung unumgänglich wird.»

Besteht die Möglichkeit, dass der neue Vize Sie später einmal beerben könnte? Das wäre durchaus eine Option. Dies hätte auch den Vorteil, dass das neue Gemeinderatsmitglied nicht auch gleich das Präsidium übernehmen müsste. Und der neue Vize hätte Zeit, sich auf sein künftiges Amt vorzubereiten. Ich bin guter Dinge, dass wir so zu einem neuen Präsidenten ­kommen.

Auf dieses Jahr hin wollte von den bisherigen Ratsmitgliedern allerdings keines das Amt übernehmen. Was sind die Gründe? Einerseits lässt die Arbeit, anderseits die Familie kein noch grösseres Engagement zu. Bei der ­Suche nach einem Nachfolger ausserhalb des Gemeinderates waren diese Gründe noch ausgeprägter. Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren sind halt viele Leute beruflich sehr stark engagiert, etwa mit Weiterbildungskursen, Auslandsreisen oder auch Jobwechseln. Dann will man auch ­genügend Zeit für die Familie ­haben.

Das sind alles Gründe, die dagegensprechen, sich überhaupt im Gemeinderat zu engagieren. Ist der Sprung zum Gemeindepräsidium so gross? Ich denke schon, dass da ein Unterschied besteht. Als Präsidentin muss man zum Beispiel auch tagsüber noch an einer Sitzung teilnehmen. Und die Verantwortung, die man als Präsidentin hat, ist natürlich grösser. Man muss bereit sein, auch in schwierigen Situationen hinzustehen und unangenehme Gespräche zu führen.

Ihre Aufgabe ist es nun also, ­jemandem das Amt trotzdem schmackhaft zu machen. (lacht). Ja, wir müssen jemanden finden, der Freude daran hat. Und man muss ja auch sagen, dass es als Präsidentin viele spannende Sachen zu erleben gibt. Ich hatte bisher auch sehr viele schöne Begegnungen, die für mich eine Bereicherung waren.

Sie haben als erste Gemeindepräsidentin des fusionierten Heimenhausen eine spannende Zeit miterlebt. Wie verliefen diese acht Jahre in der neuen Gemeinde? Bei meiner ersten Neujahrs­ansprache als Gemeindepräsidentin habe ich eine neue Rechnungsformel präsentiert: Eins plus eins plus eins gibt in unserer Gemeinde nicht drei, sondern eins. Die Identifikation der Bevölkerung über das eigene Dorf hinaus zu fördern, das war eines meiner wichtigsten Ziele. Wir waren drei politische Gemeinden, und jetzt sind wir eine, wobei die drei Ortsteile ihren eigenen Charakter behalten haben. Es galt den Blick aufs Ganze zu festigen. Ein Meilenstein waren die Ortsplanung und das neue Bauregelement. Geprägt waren die Jahre auch vom Umzug und von der guten Arbeit der Verwaltung sowie innovativen Projekten.

«Eins plus eins plus eins gibt in unserer Gemeinde nicht drei.»

Negativ zu erwähnen gilt es die finanzielle Situation. Das Budget rechnet für 2017 mit einem Minus. Der Finanzplan sieht weitere defizitäre Rechnungsabschlüsse vor. Wird bald eine Steuererhöhung nötig? Aufgrund der aktuellen Entwicklung denke ich, dass in drei oder vier Jahren eine Steuererhöhung unumgänglich wird. Ab 2018 wird für den allgemeinen Haushalt mit einem Defizit von rund 250 000 Franken pro Jahr gerechnet. Gemäss dem Finanzplan wird das Eigenkapital 2019 erstmals unter einer halben Million liegen. Verglichen mit vielen anderen Oberaargauer Gemeinden haben wir aber mit 1,46 eine tiefe Steueranlage. Dort gibt es also noch einen gewissen Spielraum. Einen positiven Einfluss haben wird die Entwicklung der Steuern. Durch die grosse Bautätigkeit in der Gemeinde sind bei den natürlichen Personen die Einnahmen gestiegen. In den letzten zwei Jahren wurden rund 40 Wohneinheiten gebaut. Die Einwohnerzahl ist um gut 100 Personen gestiegen.

Welche Geschäfte werden den Gemeinderat 2017 besonders beschäftigen? Als Erstes werden wir uns nun mit den neuen Legislaturzielen auseinandersetzen. Weiter werden uns mehrere Infrastrukturprojekte beschäftigen, so etwa der Einbau der Holzschnitzelheizung im Gemeindehaus und im Feuerwehrmagazin, der Ausbau des Glasfaserkabelnetzes und die Umsetzung der Massnahmen des generellen Entwässerungsplans. Zudem hat der Oberingenieurkreis voriges Jahr eine Schwachstellenanalyse für Heimenhausen durchgeführt. Priorität geniesst dort vor allem der Bau eines Trottoirs in Wanzwil Richtung Heimenhausen, für die Sicherheit der Schulkinder. Ein solches soll spätestens 2018 realisiert werden.

Verena Schertenleib (67) ist pensionierte Religionspädagogin. Die gebürtige Seeländerin ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und wohnt mit ihrem Mann seit rund sechzehn Jahren in Wanzwil.

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