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Richterin droht Betrüger mit dem Thorberg

Das Regionalgericht Oberaargau verurteilt den Ex-Betreiber einer Praxis für China-Medizin wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einem «Bedingten».

Der Verurteilte betrog Krankenkassen, indem er ihnen angab, seine Patienten würden von einem staatlich anerkannten Therapeuten kuriert (Symbolbild/Keystone)
Der Verurteilte betrog Krankenkassen, indem er ihnen angab, seine Patienten würden von einem staatlich anerkannten Therapeuten kuriert (Symbolbild/Keystone)

Andere Männer in seinem Alter haben eine Frau und ein Kind und eine Wohnung und einen Job. Bei einem 36-jährigen Schweizer mit asiatischen Wurzeln ist das anders: Er lebt bei und von den Eltern. Seine Partnerin erwägt, sich samt Kind von ihm zu trennen.

Einer geregelten Arbeit nachzugehen, ist für ihn keine Option: Als seine Mutter ihn neulich zum Arzt begleitete, sagte dieser etwas von «Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom». Wer an ADHS leidet, kann sich nicht konzentrieren, macht Fehler, schadet der Firma und den Kollegen und bleibt folglich lieber daheim, sagte sich der Oberaargauer.

Diese Krankheit – deren Symptome er erstmals auf den Malediven gespürt haben will, wo er sich während des laufenden Ermittlungsverfahrens etwas Entspannung gönnte – war seiner Ansicht nach mit ein Grund für seinen Auftritt vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau.

Über 100'000 Franken

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, eine Krankenkasse betrogen zu haben. Als Gründer und Geschäftsführer einer Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Langenthal machte er die Kasse glauben, seine Patienten von einem staatlich anerkannten Therapeuten kurieren zu lassen. Die Versicherung habe deswegen anstandslos über 100'000 Franken an Kunden zurückerstattet, heisst es in der Anklageschrift. Dieses Geld wäre laut den Behörden nie geflossen, wenn die Kasse gewusst hätte, dass die Behandlungen durch unqualifiziertes Personal erfolgt waren.

Vor Gericht wies der Beschuldigte sämtliche Vorwürfe von sich. Die Rechnungen habe er mit einem Programm erstellt, auf das auch seine Mitarbeitenden Zugriff gehabt hätten, dozierte er. Einen falschen Namen habe er nie auf die Formulare geschrieben. Fehler seien aber «offensichtlich passiert», räumte er ein. Nur: Schuld daran sei nicht er, sondern seine Krankheit. Plus die frühere Co-Chefin, die sich ein halbes Jahr nach der Gründung der Klinik aus dem Staub gemacht habe, im Wissen darum, dass er völlig ahnungslos auf einem seinem neuen Geschäftsfeld stehe. Entsprechend überfordert habe er sich gefühlt, als er sich plötzlich allein um alles habe kümmern müssen.

«Ab auf den Thorberg»

Einzelrichterin Nicole Fankhauser verurteilte den Mann wegen gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung zu einer auf 2 Jahre bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten, einer Busse von 3600 Franken, der Übernahme der Verfahrenskosten von 18'500 Franken und des Honorars des Pflichtverteidigers sowie zur Rückerstattung von 116'000 Franken an die betrogene Krankenkasse.

«Mit Ihren 36 Jahren sind sie offensichtlich immer noch zu unreif, um Verantwortung für ihr privates und geschäftliches Leben zu übernehmen», teilte die Richterin dem Verurteilen mit. «Es ist zu hoffen, dass sich das nach diesem Strafverfahren ­ändert. Wenn nicht, heisst es für Sie irgendwann: Ab auf den ­Thorberg.»

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