Schrittweise einheizen

Wiedlisbach

Der Fernwärmeverbund der Burgergemeinde Wiedlisbach ist seit September in Betrieb. Die Anlage ist aktuell zu einem Drittel ausgelastet. Das Netz wird im Dorf nun laufend ausgebaut.

700 Kilowatt an Wärme produziert der erste Holzkessel in der Zentrale. Damit ist Burgerpräsident Adrian Känzig zufrieden.

700 Kilowatt an Wärme produziert der erste Holzkessel in der Zentrale. Damit ist Burgerpräsident Adrian Känzig zufrieden.

(Bild: Christian Pfander)

Giannis Mavris

Adrian Känzig zeigt auf die freie Fläche zwischen dem Holzkessel und dem neun Meter hohen Speicher: Dort habe man im letzten November aufgestuhlt, um die Burgerversammlung abzuhalten, sagt der Präsident der Burgergemeinde. Die Anwesenden konnten so gleich selber einen Blick ins Innere der Energiezentrale werfen, die etwas mehr als einen Monat zuvor ihren Betrieb aufgenommen hatte.

Für eine weitere Versammlung sollte es theoretisch noch reichen, danach ist aber Schluss: Läuft das Geschäft wie geplant, soll 2020 ein zweiter Holzkessel eingebaut werden — dann würde es deutlich enger werden in der Zentrale an der Weissensteinstrasse, von wo aus Energie im Dorf verteilt wird. Zweifel hat Känzig keine, «es ist bisher schon sehr gut angelaufen». Immerhin habe man mit der Froburg, der Sporthalle, dem Oberstufenzentrum und dem Primarschulhaus gleich zu Beginn einige grosse Gebäude aus der näheren Umgebung anschliessen können. «Wir konnten diesen Winter also bereits üben», so Känzig. 

Den Leitungsbau im Fokus

2,4 Millionen wurden bisher investiert. Dass die Wiedlisbacher Burger nun eine eigene Energiezentrale haben, hat pragmatische Gründe. Eigentlich sei man am Gemeindeverband der Abwasser- und Fernwärme-Region Wangen-Wiedlisbach beteiligt, sagt Känzig. Da sich jedoch eine Aussenstation im Städtli aus wirtschaftlichen Gründen nicht gelohnt hätte, haben sich die Burger entschieden, die Sache gleich selber in die Hand zu nehmen. Auch weil etliche Gebäude im Städtli und im Hinterstädtli immer noch mit Stromspeicherheizungen ausgestattet sind, die gemäss kantonalen Vorgaben nicht mehr eingebaut werden dürfen. Deren Besitzer werden in den kommenden Jahren umrüsten müssen. 

Der Spatenstich erfolgte letzten März, «bei minus zehn Grad», wie sich Känzig erinnert. Mit der Firma Gunep aus Diegten BL habe man einen zuverlässigen Partner für das Projekt, sodass planmässig im September mit dem Einheizen begonnen werden konnte. Momentan wird mit dem ersten Holzkessel eine Wärmeerzeugung von 700 Kilowatt erreicht, und zwar ausschliesslich mit Holz aus dem eigenen Wald. «Die Anlage ist jetzt etwa zu 35 Prozent ausgelastet», sagt Känzig. Mit dem Einbau des zweiten Kessels sollen nochmals 900 Kilowatt hinzukommen. Dies wird jedoch voraussichtlich im nächsten Jahr geschehen. «In diesem Jahr sind wir hauptsächlich mit dem Leitungsbau beschäftigt», wie der Burgerpräsident sagt. 

Der Perimeter ist beschränkt

Das Ziel sei es, bis zum Herbst Schritt für Schritt möglichst viel von der Weissensteinstrasse und einen Teil des Städtli zu erschliessen. Dazu müssen Eigentümer angeworben werden. Diese lade man in die Zentrale ein, um ihnen die topmodernen Anlagen zu zeigen und darauf hinzuweisen, dass hier mit erneuerbarem Material geheizt wird. Und ihnen vorzurechnen, was es sie letztlich koste: «Trotz allen Umweltbedenken wird bei den Heizkosten häufig bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma gerechnet», weiss Känzig aus Erfahrung. 

Nach der Kesselerweiterung soll noch eine weitere Runde Leitungsbau folgen. Ganz Wiedlisbach mit Wärme versorgen wird man letztlich jedoch nicht, sagt Känzig: «Mit den Leitungen kann man nicht endlos fahren, irgendwann wird der Transportverlust zu hoch.» Damit die ganze Sache auch wirtschaftlich ausgewogen sei, müsse man innerhalb eines gewissen Perimeters bleiben. Man werde sich auf die erwähnten Gebiete konzentrieren. «Je nach Kapazitäten kämen vielleicht auch weitere Gebiete infrage», so Känzig. Das könne jedoch noch nicht jetzt abgewogen werden. Es komme darauf an, wie viele Gebäude dereinst angeschlossen sein würden.

Langenthaler Tagblatt

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