Freiwillige nehmen die Krebse in die Zange

Einheimische Krustentiere werden immer seltener. Gewässerverschmutzung und amerikanische Verwandte machen ihnen zu schaffen. Freiwillige wollen sie deshalb in den kommenden Nächten suchen und zählen.

Die einheimischen Edelkrebse leben vorzugsweise in Weihern.

Die einheimischen Edelkrebse leben vorzugsweise in Weihern.

(Bild: zvg)

Falls demnächst an der Rot, der Murg, der Langete, der Önz und weiteren Gewässern ein Grüppchen von Leuten mit Stirn- und Taschenlampen an Bächen oder Weihern entlangstreifen sollte, dann muss nicht sofort die Polizei gerufen werden. Man darf diese Leute, die übrigens auch Leuchtwesten tragen, ruhig ansprechen.

Sie suchen im Auftrag des Vereins Smaragd-Gebiet Oberaargau Dohlen- und Edelkrebse. Es ist bekannt, dass diese einheimischen Krebse immer seltener werden. Genaue Zahlen sind aber nicht vorhanden. Deshalb sollen nächtliche Suchaktionen in den nächsten Wochen Licht ins Dunkel bringen.

Bis Oktober

Einzelne Helfer haben letzte Woche bereits ein Krebsseminar in Langnau am Albis besucht, fünfzehn Personen einen Schulungsanlass gestern Abend in Wolfwil. Informiert wurden sie über das Projekt, die verschiedenen Krebsarten, die Krebspest und die Aufnahmemethode.

Ausgerüstet mit Feldformularen, Kartierplänen, Taschenlampen und Desinfektionsmaterial, werden sie bis Oktober vorwiegend nachts unterwegs sein. In Gruppen von zwei bis drei Personen machen sie Feldbegehungen, wobei immer eine Person gute Gebietskenntnisse hat.

In der Schweiz kamen ursprünglich drei Flusskrebsarten vor: der Edelkrebs, der Dohlenkrebs und der Steinkrebs. Da sie nachtaktiv sind und zurückgezogen unter Steinen und Wurzeln leben, geht das Wissen über diese Krustentiere zunehmend verloren.

Früher waren Flusskrebse beliebt, nicht zuletzt als Fastenmahlzeit in den Klöstern. Sicher ist, dass die Populationen immer kleiner werden. Krebse stellen hohe Anforderungen an ihren Lebensraum und reagieren rasch auf chemische und biologische Verunreinigungen von Fliessgewässern, Trockenheit und Wasserentnahmen.

Ein weiterer Grund für ihr Verschwinden sind nicht einheimische Krebsarten, die sich in der Schweiz rasant ausbreiten. Vor allem aus Nordamerika stammende Arten wie der Signalkrebs, der Kamberkrebs und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs verbreiten sich sehr stark und tragen teilweise den Pilz der Krebspest auf sich.

Sie können mit dieser Pilzkrankheit leben. Die einheimischen ­Arten aber sterben daran. Es wird vermutet, dass sie vor allem durch Aquarienbesitzer und Liebhaber von Delikatessen ausgesetzt wurden.

Mit Reusen

Im Oberaargau ist laut Christian Imesch vom Berner Atelier für Naturschutz und Umweltfragen sehr wenig bekannt über die Bestände der einheimischen Flusskrebse. «Man weiss, dass in der Aare der Signal- und der Kamberkrebs vorkommen», sagt er, «das heisst aber auch, dass die heimischen Arten dort wohl nicht mehr leben können.»

Und es bedeute auch, dass man mit dem Ein­dringen vor allem des Signal­krebses in die angrenzenden Bäche rechnen müsse. Deshalb soll jetzt her­ausgefunden werden, wo sich die einheimischen Populationen überhaupt befinden. Zu diesem Zweck werden auch Reusen ausgelegt, die dann regelmässig kontrolliert werden müssen. Das kann auch tagsüber ge­schehen.

Der Verein Smaragd-Gebiet nimmt gerne auch von weiteren Personen Hinweise auf aktuelle und frühere Vorkommen von Flusskrebsen in der Region entgegen.

kontakt@biodiversia.ch

pd/rgw

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt