Gute Aussichten für die Raren

Im Obersimmental und Saanenland leben zwei sehr seltene Schmetterlingsarten – der Grosse Moorbläuling und der Dunkle Moorbläuling. Um das bedeutende Vorkommen zu erhalten und zu fördern, initiierte Pro Natura Bern ein mehrjähriges Artenförderungsprojekt. Laut Biologe Andreas Jaun ist es ein Erfolg.

Ein Dunkler Moorbläuling auf der Blüte eines Grossen Wiesenknopfes, festgehalten in Blankenburg.

Ein Dunkler Moorbläuling auf der Blüte eines Grossen Wiesenknopfes, festgehalten in Blankenburg.

(Bild: zvg)

Die Raupen des Grossen Moorbläulings (Maculinea teleius) und des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous) haben ihre ganz speziellen Bedürfnisse. Für ihre Entwicklung sind sie auf den Grossen Wiesenknopf als Raupennahrungspflanze sowie auf besondere Knotenameisen angewiesen.

Um die stark gefährdeten Schmetterlingsarten in einem schweizweit wichtigen Verbreitungsgebiet zu erhalten und zu fördern, lan­cierte Pro Natura Bern zusammen mit der Abteilung Natur­förderung des Kantons Bern vor fünf Jahren ein Artenförderungsprojekt.

Das Projektgebiet umfasst das obere Simmental zwischen Boltigen und Lenk sowie das Saanenland, wo sich die Hauptvorkommen in ausgedehnten Moorlandschaften befinden. «Hier gibt es noch ausgedehnte Feuchtwiesen mit grossen Beständen des Grossen Wiesenknopfes», sagt Andreas Jaun vom Spiezer Büro Infonatura. Er zeichnet mit Christoph Forrer vom Büro Kappeler aus Bern und Daniela Schmocker vom Thuner Büro Impuls für die Umsetzung des Förderprojektes verantwortlich.

Gemäss Biologe Jaun wurden folgende Ziele verfolgt: «Eine bessere Kenntnis der Verbreitung der beiden Tagfalterarten und ihrer Raupennahrungspflanze, Lebensraumaufwertungen und -vernetzungen und vor allem der Abschluss von Bewirtschaftungsverträgen zwischen Landwirten und der Abteilung Naturförderung zugunsten der Moorbläulinge.»

Viele Landwirte ziehen mit

In einer ersten Phase wurden ab 2012 geeignete Lebensräume erfasst, mit dem Ziel, die bestehenden Vorkommen möglichst miteinander zu vernetzen. Die Erhebungen fanden zur Flugzeit der Tagfalter – von Mitte Juni bis Ende Juli – statt, sodass gleichzeitig bisher unbekannte Vorkommen entdeckt werden konnten. In der zweiten Projektphase sei die vertragliche Sicherung wichtiger Vernetzungsflächen erfolgt, so Biologe Jaun.

«Mit insgesamt 134 Bauern wurden Verhandlungen geführt, wovon 85 in die vorgeschlagene Artenförderungsvereinbarung einwilligten. Etliche Bauern bewirtschaften mehrere Vertragsflächen, sodass insgesamt rund 170 Flächen gesichert werden konnten.» Die Bewirtschaftungsauflagen beinhalten etwa einen späteren Mahdzeitpunkt oder eine mässige Weideintensität. «Einige Flächen waren auch mit Büschen und teils Bäumen bestockt. Diese Flächen konnten wieder entbuscht und so für die Moorbläulinge aufgewertet werden.» Die Landwirte werden für ihr Mittun finanziell entschädigt.

Gemeinsam gepflanzt

Laut Infonatura-Angaben konnten im Gebiet zwischen Boltigen und Zweisimmen kürzlich zusammen mit den Werkhöfen, Schwellenkorporationen und Landwirten neue Pflanzungen des Grossen Wiesenknopfes erfolgen. Dadurch seien bestehende Vernetzungsflächen aufgewertet sowie auch neue geschaffen worden. «Die rund 400 Setzlinge stammen übrigens alle aus regional gesammeltem Saatgut», weiss Andreas Jaun.

Im Rahmen der Umsetzungskontrollen habe sich gezeigt, dass die Bewirtschafter für die Projektanliegen gewonnen werden konnten und viele sogar die beiden Moorbläulingsarten selber zu bestimmen vermochten.

Pflanzen an der Simme: Zwischen Boltigen und Zweisimmen wurden rund 400 Setzlinge des Grossen Wiesenknopfes angepflanzt. Bild: zvg.

Das Förderprojekt für die zwei Falterarten im Obersimmental und Saanenland läuft nun Ende Jahr aus. Über die gesamte Dauer hat es rund 230'000 Franken gekostet. Hauptträger ist Pro Natura Bern, Beiträge haben auch die Stotzer-Kästli-Stiftung, die Temperatio-Stiftung und die Abteilung Naturförderung des Kantons Bern geleistet.

Biologe Andreas Jaun zieht eine positive ­Bilanz, die Aussichten für die beiden raren Schmetterlinge seien gut. Die abgeschlossenen, achtjährigen Bewirtschaftungsverträge mit den Landwirten werden ab 2018 von der Abteilung Naturförderung weiter betreut.

Berner Zeitung

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