Sukkurs für die Sorgen der Nachbarn

Huttwil

116 Stimmberechtigte lehnten es an der Gemeindeversammlung ab, dem Verein Kibe Region Huttwil Land für die Kindertagesstätte im Baurecht abzutreten. Die Absage geschah in geheimer Abstimmung.

Neben der katholischen Kirche entsteht keine Kindertagesstätte.

Neben der katholischen Kirche entsteht keine Kindertagesstätte.

(Bild: Thomas Peter)

Jürg Rettenmund

Dass es für die Betreiber der Kindertagesstätte an der Gemeindeversammlung eng werden könnte, war abzusehen. Dies nachdem 325 Huttwilerinnen und Huttwiler das Referendum gegen den Gemeinderatsentscheid unterzeichnet hatten. Immerhin 126 kamen dann an die Versammlung und bekräftigten ihre Ablehnung in der von ihnen beantragten geheimen Abstimmung.

Nur 99 Stimmen oder 46 Prozent vermochten Kibe und Gemeinderat dem entgegenzusetzen. Immerhin sorgte dies für einen für Huttwil aussergewöhnlichen Grossaufmarsch: Die 223 Anwesenden entsprechen 6,5 Prozent aller 3447 Stimmberechtigten.

Nur einmal war die Beteiligung in den letzten Jahren grösser: Als darüber entschieden wurde, ob sich die Gemeinde am Wärmeverbund der Renercon beteiligen soll. Auch das war eine Gemeinderatsvorlage, gegen die das ­Referendum ergriffen worden war, damals gar mit 392 Unterschriften. 286 Stimmberechtigte drängten sich damals im Saal des Kirchgemeindehauses.

Geduld gefragt

Wer am Montag wegen des Kita-Geschäfts gekommen war, musste sich erst mal in Geduld üben. Denn zuerst wurden Budget und Finanzplan erörtert. Dann stand die Sanierung der Ufhusenstrasse auf der Traktandenliste (siehe Kasten). Adrian Nyffenegger, die Ansprechperson der Unterzeichner, begründete die Opposition vor allem aus Sicht der Anstösser am Weidweg und untermauerte dies mit Bildern der engen Strassenverhältnisse rund um die katholische Kirche.

Nun wohnen am Weidweg keine 325 Personen. Was die Beweggründe der Mehrheit war, wurde an der Versammlung nicht klar. Bloss ein Votant hob hervor, dass er die Parzelle nicht anderweitig vergeben wolle, ehe zum Kindergarten und zur heilpädagogischen Schule definitive Entscheide vorlägen. Der Vermieter der aktuellen Kita-Liegenschaft an der Fiechtenstrasse hob hervor, dass diese nach wie vor bei ihm bleiben könne – und zwar weiterhin zu sehr günstigen Konditionen.

Ein Nachbar betonte allerdings, dass er in diesem Fall Lärmschutzmassnahmen fordern werde. Philippe Groux, der Präsident von Kibe Region Huttwil, hob demgegenüber hervor, dass der Ausbau an der Fiechtenstrasse angesichts der vorgeschriebenen Massnahmen für die Kita nicht finanzierbar sei.

Entscheide wurden gefällt

Gemeindepräsident Walter Rohrbach ergänzte, dass der Standort am Weidweg aufgrund der erstellten Analyse für den Kindergarten nicht mehr infrage komme, und die heilpädagogische Schule diesen definitiv abgelehnt habe.

Nach geschlagener Schlacht zeigte sich Philippe Groux nicht nur enttäuscht über das Ergebnis. Sein Vorstand werde nun das Verhältnis zu Huttwil überprüfen. Er erinnerte daran, dass Kindertagesstätten ab 2020 dem freien Wettbewerb ausgesetzt und nicht mehr auf eine Sitzgemeinde angewiesen sein werden. «Nach dem Nein werden wir unsere Situation analysieren.» Und mit Blick auf den Standortentscheid der Afag vor kurzem schob er nach «Vielleicht finden auch wir bessere Bedingungen in Zell.»

Berner Zeitung

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