Langenthal

Sicherheitschefin mit Vorschusslorbeeren

LangenthalJudith Voney war früher Spezial- und Terrorfahnderin, liess sich vom FBI weiterbilden. Seit Juni ist sie die neue Sicherheitschefin der Stadt Langenthal. Entsprechend gross sind die Erwartungen an sie.

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Keine Minute zu spät öffnet Judith Voney die Eingangstür zum Glaspalast. Ein freundliches Hallo, bestimmter Händedruck. Mit dem Lift geht es für das Foto hoch aufs Dachgeschoss. Eigentlich nicht ihr Ding, sagt Voney, die viel lieber Treppen steigt. Was sie oft tun müsse, denn auf der Verwaltung sei man sowieso immer auf dem Sprung.

Oben auf der Terrasse wissen wir bereits, dass die 51-Jährige Bäume liebt, besonders den grossen direkt vor dem Amtsgebäude. Naturverbunden sei sie, wenn möglich mit dem Mountainbike oder den Nordic-Walking-Stöcken im Wald unterwegs. Doch Voneys Konzentration gilt derzeit einem anderen Bereich: Sie ist nämlich neue Vorsteherin des Amtes für öffentliche Sicherheit sowie Polizeiinspektorin in Langenthal. Bei ihrem Werdegang mag dies überraschen.

Start einer steilen Karriere

Nach dem Jurastudium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern stieg Voney mit einer Stelle beim Konkursamt Bern in das Berufsleben ein. «Damals hätte ich alles getan, nur um nicht stempeln zu gehen», sagt sie heute. Also schrieb sie fortan Strafanzeigen. Bald jedoch bewarb sie sich für eine Stelle bei der Kantonspolizei Bern.

Noch während des Bewerbungsgesprächs machte man ihr einen anderen Posten schmackhaft: Chefin Spezialfahndung. Judith Voney tat, was sie noch oft tun wird: Sie wagte die Herausforderung. Als erste Frau bei der Kantonspolizei Bern war sie nun in einer Linienfunktion beim Polizeioffizierskader tätig.

Zwischen 1993 und 2001 amtete Voney sogar als Stellvertreterin des Chefs der Kriminalabteilung. Seither hat sie das Strafrecht nicht mehr losgelassen. Ihr Urgrossvater war bereits als Polizist in Luzern tätig, doch sie selber besuchte nicht die Polizeischule und bezeichnet sich daher als klassische Quereinsteigerin.

An der Wand hängen Zertifikate und Diplome. Eines stammt vom FBI. Nach dem Polizeioffizierskurs besuchte Voney während dreier Monate nämlich die National Academy des amerikanischen Federal Bureau of Investigation. Neben der Schulung in Führung, Technik und Taktik konnte sie auch ein Netzwerk aufbauen, von dem sie noch heute profitiert.

Kampf gegen Terrorismus

Danach ging Judith Voney unbeirrt weiter. Nächster Halt: das Bundesamt für Polizei. In Bern kümmerte sie sich fortan als Sektionschefin um die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS). Voney war auch in dieser Funktion die erste Frau, und sie sagt, dies sei für sie ein zusätzlicher Ansporn gewesen. Am Ende leitete sie die Abteilung Ermittlungen Terrorismus bei der Bundeskriminalpolizei. In einer Arbeitsgruppe lancierte sie die Tetra-Taskforce, die fortan den jihadistisch motivierten Terrorismus in der Schweiz bekämpfte.

Voneys Aufgabe bestand darin, mutmassliche terroristische Handlungen aufzuklären und zusammen mit der Bundesanwaltschaft zur Anklage zu bringen. Was sie auch tat. Ihr Team war letztes Jahr an der Verurteilung von drei Irakern durch das Bundesstrafgericht in Bellinzona beteiligt, denen Verbindungen zur Terrorgruppe Islamischer Staat nachgewiesen werden konnten.

Dann wurde Voney 50 Jahre alt, und sie nahm sich bewusst eine Auszeit. Denn sie wollte über den nächsten Schritt im Leben nachdenken und liess ihre berufliche Laufbahn Revue passieren. Sie fragte sich: Was will ich noch bis zur Pensionierung machen?

Minimale Eingewöhnungszeit

August 2017, Langenthal. Eine ganz neue Aufgabe ist es für Judith Voney schliesslich nicht geworden, denn als Sicherheitschefin kann sie nun verschiedenste Erfahrungen miteinander verbinden: Polizei, juristisches Wissen, Führungsposition. «Die Stelle hier ist genau das, wonach ich gesucht habe. Hier wird alles von mir gebraucht.»

Seit Juni ist sie nun daran, sich in die neuen Dossiers einzuarbeiten, dabei gleich das Tagesgeschäft zu übernehmen und nebenbei noch die Stadt kennen zu lernen. Obwohl, fremd ist ihr Langenthal nicht. Als Kind fuhr Judith Voney mit ihren Eltern oft auf dem Weg zu den Grosseltern im benachbarten Luzernischen hier durch die Gassen. «In Erinnerung geblieben sind mir die Trottoirs», sagt sie und schmunzelt.

Zurzeit ist sie viel in der Gemeinde unterwegs. Sie korrigiert auch gleich die Behauptung, von Bern, wo sie heute noch wohnt, in die Provinz gewechselt zu haben. «Langenthal ist eine wahnsinnig sympathische und angenehme Stadt.» Eine, die sich dynamisch weiterentwickelt habe, alle städtischen Charakterzüge vorweise – und viele öffentliche Anlässe durchführe, bei denen ihr die ­Bewilligungserteilung obliegt. Als Nächstes ist Eishockey dran: Der Berner Cup startet ja bald.

Sie steigt ein und legt los

Nach einer Berufslaufbahn auf kantonaler und nationaler Ebene freut sich Voney nun auf die kommunale Arbeit und die Nähe zur Bevölkerung. Dabei sieht sich die neue Sicherheitschefin sowohl als Leiterin eines Dienstleistungsbetriebs als auch als Autoritätsperson. Diesen Spagat zu meistern, ist anspruchsvoll.

Zudem ist die Erwartungshaltung hoch, bei einer Frau mit solch einem Werdegang. «Das bringt dieses Amt mit sich», sagt Voney und lacht. Sie ist sich Druck gewohnt. Sagt auch, dass sie auf ihr kompetentes Team zählen könne. Nervosität vor der Aufgabe? Sie schüttelt den Kopf. «Ich gehe diese neue Stelle an, so, wie ich das immer mache: Ich steige ein und lege los.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 11.08.2017, 06:32 Uhr

Viele Ämter fallen an

Das Amt für öffentliche Sicherheit umfasst neben dem Polizeiinspektorat auch noch Einwohnerdienste und Bestattungswesen, Zivilschutz, Stützpunktfeuerwehr, Aufsicht öffentliche Sicherheit, Einbürgerungs­wesen, Polizeiwerkstatt, Gast­gewerbe und Gewerbepolizei, Markt- und Messepolizei, Verkehrsmassnahmen und Signalisationen, Beratung in Verkehrs- und Sicherheitsfragen, Parkplatzbewirtschaftung, Verwalten des öffentlichen Grundes, Vermietung Markthalle und sogar die Schiessanlage Weier.

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