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Wenn ein Riese das Winterkino besucht

Neben Glanz und Glamour wartet das Winterkino in Langenthal auch immer mit einem Schauspieler auf. Wie schaffen es die Organisatoren, diese jedes Jahr hierherzulocken?

Zwei Köpfe grösser: Schauspieler und Stuntman Ian Whyte, Hector-EggerCEO Paul Schär (links), Rinaldo Somaini und Michael Schär (rechts).
Zwei Köpfe grösser: Schauspieler und Stuntman Ian Whyte, Hector-EggerCEO Paul Schär (links), Rinaldo Somaini und Michael Schär (rechts).
Thomas Peter

Schon fast unscheinbar sitzt er am Tisch und setzt mit einem Filzstift seine Unterschrift auf die übergrossen Fotoausdrucke. Wenn er aber aufsteht, zeigt sich seine wahre Grösse von 2,16 Metern. In der Werkhalle von Hector Egger überragt Ian Whyte alle, die schon fast ehrfurchtsvoll an ihm vorbeilaufen. Der 46-jährige Waliser, geboren in einer Stadt von der Grösse Langenthals, ist lediglich für eine Nacht hier im Oberaargau.

Er wurde kurzerhand eingeflogen, für ein paar Fotos und Autogramme sowie ein zwanzigminütiges Interview auf der Empore über sein Leben und sein tägliches Brot an Filmsets.Whyte, der früher einmal Basketballspieler war, sagt anschliessend, es sei für ihn wieder einmal an der Zeit gewesen, die Schweiz zu besuchen. Obwohl er diesmal von Land und Leuten nicht allzu viel zu sehen bekommt.

Dass es nun ausgerechnet der Oberaargau und das Winterkino sind, ist guten Kontakten und einem Agenten in London zu verdanken. Der familiäre Rahmen des Anlasses in der Altjahrswoche hat sich bereits herumgesprochen. Bei Schauspielern kommt er, wie man hört, gut an.

Geholt für Grosse und Böse

Jedes Jahr ein Stargast in der Langenthaler Traumfabrik. Möglich macht das Rinaldo Somaini. Der Inhaber von Some Props, einer Organisation, die Kostüme und Requisiten von Filmen sammelt, ist selbst ein angefressener Kinofan und hat in all den Jahren einige Kontakte in der Filmindustrie geknüpft. 2012 kam mit Kiran Shah erstmals ein Schauspieler nach Langenthal, besser bekannt als der kleinste Stuntman der Welt. Er schlüpfte schon in verschiedene Rollen in Filmen wie «Herr der Ringe» oder «Die Chroniken von Narnia».

Dieses Jahr ist mit Ian Whyte wohl einer der grössten anwesend. Kein Wunder, wurde er bei «Harry Potter», «Star Wars», «Alien vs. Predator» oder der Serie «Game of Thrones» immer dann gerufen, wenns um wirklich grosse und böse Charaktere ging.

Eine Frage des Preises

Double-Schauspieler und Stuntmen sind oft weniger bekannt als die Hauptakteure. Ein Vorteil für das Winterkino, liegen so die Kosten umso tiefer. Laut Organisator Michael Schär ist das Budget mit etwa 3000 bis 4000 Franken relativ überschaubar. Hector Egger kommt dabei für Flug, Transport, Unterkunft und Verpflegung auf, manchmal auch für eine kleine Gage. Filmrequisitensammler Somaini sagt: «Am Ende ist es immer eine Frage, ob man sich beim Preis findet.» Er holt die Schauspieler jeweils am Flughafen ab, chauffiert sie umher und zeigt ­ihnen, je nachdem, auch gleich noch die Region.

Jedes Jahr sitzen Schär und Somaini im Vorfeld zusammen, um einen geeigneten Gast zu finden, der dann auch mehr oder weniger zum geplanten Filmprogramm passt. Von der Anfrage bis zur Bestätigung über den Agenten kann es laut Somaini von nur zehn Minuten bis zu einer Woche dauern – je nachdem, wie beschäftigt die Schauspieler sind. Geld verdient das Winterkino mit seinen Gästen keines, wie Schär sagt. «Dafür haben wir aber den Werbeeffekt für uns allein.»

Die Holzbauer ­sehen den Anlass, der heute mit einer Filmvorführung am Nachmittag und am Abend zu Ende geht, als Kultur-, aber auch als Marketingbeitrag. Einen Beitrag, den man nicht besser bewerben könnte als mit einem echten Riesen. Einem Riesen in der Werkhalle.

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