Zum Hauptinhalt springen

Widerstand gegen «Auslaufmodell»

Mehrere Bewohner wehren sich gegen den geplanten Erdgasspeicher im Allmen. Dieser sei nicht wirtschaftlich und gefährde zudem die Umwelt.

Die Bauprofile sind schon wieder weg. Im Süden der Stadt soll für fünf Millionen Franken ein neue Anlage gebaut werden.
Die Bauprofile sind schon wieder weg. Im Süden der Stadt soll für fünf Millionen Franken ein neue Anlage gebaut werden.
Thomas Peter

Die Tage der Kugel seien angezählt, titelte diese Zeitung im März dieses Jahres. Gemeint war der Kugelspeicher neben der Druckreduzier- und Messstation im Hard. Seit 45 Jahren steht dieser dort und könnte laut der IB Langenthal (IBL) AG noch 20 bis 25 Jahre weiterlaufen.

Und trotzdem will die IBL bereits in ein Nachfolgeprojekt investieren. Im März informierte sie, dass im Gebiet Allmen für fünf Millionen Franken eine neue Anlage entstehen soll.

Die Begründung: Ohne den Speicher würde die Gasversorgung jährlich massiv teurer. Das Plangenehmigungsverfahren nahm darauf seinen Lauf. Leicht übersehbar war das Gesuch des Zulieferers, der Gasverbund Mittelland AG, Mitte August im Anzeiger publiziert.

Spätestens jetzt brachte das Projekt die Gegner auf den Plan. «Die Baupublikation blieb fast unbemerkt. Auch die Bauprofile waren schnell wieder weg, als würde man sich genieren. Das stört mich», sagt Urs Zurlinden, Stadtratspräsident (FDP) und Anwohner im Allmen-Quartier. Er war es denn auch, der im September beim Bundesamt für Energie eine Einsprache einreichte, zusammen mit neun anderen Personen.

An der Stadtratssitzung von letzter Woche händigte Zurlinden gemeinsam mit Parteikollege Pascal Dietrich eine Interpellation aus. Sie richtet sich an den Gemeinderat mit der Frage, wie dieser einen Erdgasröhrenspeicher bezüglich der örtlichen Energiestrategie beurteile. Und ob der Gemeinderat bereit sei, die IBL zum Verzicht der Anlage aufzufordern. Denn schliesslich ist die IBL im Besitz der Stadt.

«Einfluss ist minim»

«Man kann mir den Vorwurf machen, ich politisiere für meine eigene schöne Aussicht. Selbstverständlich ist das so, dazu stehe ich auch», gibt Zurlinden unumwunden zu. Aber er stehe nach wie vor hinter den Aussagen in seiner Interpellation – selbst wenn die Anlage anderswo zu stehen kommen sollte. Denn für einen neuen Speicher sei weder Notwendigkeit noch Wirtschaftlichkeit gegeben.

«Gas als Wärmelieferant für Gebäude ist ein Auslaufmodell und als fossiler Brennstoff bedenklich», sagt Zurlinden weiter. Das Tiefenlager der IBL entsteht gemäss der Einsprache nur aus wirtschaftlichen Überlegungen.

Mit einem Speicher vorrätig Erdgas einzukaufen und so den Preis tief zu halten, daran glaubt Zurlinden nicht wirklich, bestimme doch der internationale Markt die Gaspreise. «Unser Einfluss ist minim, gerade auch, weil das Volumen der Gasreserve nur einen halben Tagesbedarf im Winter abdecken würde.»

«Die Baupublikation blieb fast unbemerkt. Auch die Bauprofile waren schnell wieder weg, als würde man sich genieren.»

Urs Zurlinden, Stadtratspräsident (FDP) und Einsprecher

Die IBL will wegen des laufenden Verfahrens derzeit keine Stellung beziehen. «Dass es Einsprachen gegen unser Projekt gibt, wissen wir bisher nur vom Hörensagen», teilt Direktor Rudolf Heiniger auf Anfrage mit. Da die IBL nicht der Adressat der Einsprachen sei, sondern der Gasverbund Mittelland, seien dem Unternehmen leider weder die Anzahl noch die Inhalte der Einsprachen bekannt.

Heiniger sagt, es sei schwierig abzuschätzen, wie der weitere Projektverlauf aussehe. Die Verfahrensdauer ist mit acht bis achtzehn Monaten veranschlagt, die Gesuche gingen im Frühling 2018 ein. Ein allfälliger Bau des Gasspeichers würde daher frühestens in der Sommersaison 2020 erfolgen.

Das Bundesamt für Energie bestätigt auf Anfrage, dass mehrere Einsprachen eingegangen sind. Diese würden nun ausgewertet. Zusätzlich sollen Stellungnahmen der Fachbehörden eingeholt werden, etwa des Bundesamtes für Umwelt.

Die Verhandlungen mit den Anstössern sind auf nächsten Frühling angesetzt. Erst danach wird sich zeigen, ob die Einsprache der Allmen-Bewohner gutgeheissen oder abgewiesen wird.

«Kein Ausbau des Gasnetzes»

Bereits vergangenen März war dem ressortverantwortlichen Gemeinderat Pierre Masson (SP) bewusst, dass anlässlich der generellen Abkehr von fossilen Brennstoffen das Projekt durchaus Anlass zu Diskussionen bietet. Masson ist zugleich auch Verwaltungsratsmitglied der IBL. Auf Anfrage teilt er mit, dass das Thema und die hängige Interpellation erst noch im Gemeinderat diskutiert werden müssten.

«Mehr kann ich dazu nicht sagen. Es ist aber wichtig, zu betonen, dass das Projekt kein Ausbau unseres Gasnetzes ist.» Es gehe lediglich darum, die bestehende Infrastruktur zu optimieren. Zudem könnten die Röhren dereinst für synthetisches Gas genutzt werden, was Masson als sinnvoll erachtet. «Das ist allerdings meine persönliche Meinung.» Wie der Gemeinderat zur Sache und zur Interpellation steht, bleibt daher vorerst unklar.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch