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«Wir nennen das ‹Bäbistubenlogistik›»

An sechs Tagen pro Woche werden im Frischdienst der Volg Konsumwaren AG Lebensmittel angeliefert, kommissioniert und an die Dorfläden verteilt. Das Abpacken von Kleinstmengen stellt eine Herausforderung dar.

Kühler Arbeitsplatz: Damit die Waren frisch bleiben, ist es in den Räumen des Frischdienstes um die fünf Grad Celsius.
Kühler Arbeitsplatz: Damit die Waren frisch bleiben, ist es in den Räumen des Frischdienstes um die fünf Grad Celsius.
Hans Wüthrich
Erich Ackermann?ist seit sechs Jahren Betriebsleiter in Oberbipp.
Erich Ackermann?ist seit sechs Jahren Betriebsleiter in Oberbipp.
Hans Wüthrich
Gut verpackt:?Das Gemüse und die Früchte sind bereit für den Transport.
Gut verpackt:?Das Gemüse und die Früchte sind bereit für den Transport.
Hans Wüthrich
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«Nicht jeder kann bei diesen Temperaturen arbeiten», sagt Betriebsleiter Erich Ackermann, während er durch die Lagerräume des Frischdiensts Oberbipp der Volg Konsumwaren AG führt. Draussen lässt die Sonne das Quecksilber immer weiter steigen. Im Inneren des Gebäudes hingegen ist das grundsätzlich kühle Klima in jedem Raum etwas anders. So lassen sich auf der Temperaturanzeigetafel im Milchprodukteraum frische fünf Grad Celsius ablesen.

Noch kühler ist es im Salatbereich, wo zudem Wassersprüher für eine kontinuierliche Luftfeuchtigkeit von 94 Prozent sorgen. Die Volg Konsumwaren AG liess die 6500 Quadratmeter grosse Lagerfläche im Bipperamt vor sechs Jahren bauen. Zusammen mit dem Frischdienst Landquart sowie der Verteilzentrale in Winterthur versorgt der Standort in Oberbipp 580 Volg-Läden, 90 Agrola-Topshop-Tankstellenshops sowie gegen 300 freie Detaillisten. Zusammen mit seinen 135 Mitarbeitenden bedient Erich Ackermann 500 Frischdienstkunden in einem Gebiet, das westlich des Bareggs beginnt und bis in die Westschweiz und ins Oberwallis reicht.

Wegen seiner zentralen Lage in diesem Perimeter und der guten Autobahnanbindung sei der Standort in Oberbipp optimal, sagt Ackermann. So soll die Verteilzentrale laut dem Betriebsleiter in naher Zukunft erweitert werden. Auf dem angrenzenden Grundstück plant die Volg Konsumwaren AG, eine 5200 Quadratmeter grosse Getränkehalle zu bauen. Derzeit beziehen die Kunden des Frischdiensts in Oberbipp die Getränke über ein Lager in Hägendorf.

Kurze Transportwege

Aus einem Sortiment von 1550 Artikeln können die Volg-Läden sechs Tage in der Woche per Bestellung auswählen. Was passiert also, wenn ein Ladenleiter Bananen für sein Geschäft bestellt? «Zuerst kaufen wir die gewünschten Waren ein», erklärt Erich Ackermann. Am nächsten Morgen ab vier Uhr bringen 80 Lieferanten die entsprechenden Produkte zum Frischdienst. Um kurze Transportwege zu gewährleisten, würden sie möglichst viele Produkte aus der Region um Oberbipp beziehen, sagt Ackermann. So kommen etwa die Tomaten von der Bösiger Gemüsekulturen AG in Niederbipp.

Ihr Arbeitsvolumen sei jeweils sehr wetterabhängig, sagt Erich Ackermann. Schönes Wetter wirke sich positiv auf den Umsatz der Dorfläden und damit auch auf die Bestellungen beim Frischdienst aus. «Dann wollen die Kunden nur kurz im Dorfladen einkaufen, um mehr Zeit für andere Aktivitäten zu haben», so der Betriebsleiter. Ist es hingegen regnerisch, würden die Leute eher in grösseren Läden einkaufen. «Viele suchen bei diesem Wetter das Einkaufserlebnis», sagt Ackermann.

Nach der Ankunft der Lieferanten werden alle Paletten im Bereitstellungsraum aufgestellt. Nun prüfen Fachleute die Qualität der Lebensmittel. Für die Bananen etwa bedeutet das, sie müssen einen bestimmten Farbgrad haben. «Die Kunden stellen hohe Anforderungen an die Qualität und das Aussehen der Früchte und des Gemüses. Dies sind aber Naturprodukte, die nicht ganzjährig gleich aussehen können», stellt Ackermann fest. Beim Wareneingang erfolgt deshalb die erste Qualitätskontrolle. Erhalten die Chauffeure das Okay des Wareneingangschefs, werden die Lebensmittel ins Lager gebracht.

Fleisch in Isolationsboxen

Im Lagerverwaltungssystem erhalten die Mitarbeiter die ganze Bestellung eines Kunden und stellen die Ware auf Rollcontainern bereit. Das Kommissionieren der Waren stellt eine logistische Herausforderung für den Frischdienst dar. «Da die Dorfläden jeden Tag bestellen können, packen wir hier jeweils Kleinstmengen ab. Wir nennen das ­‹Bäbistubenlogistik›», so Ackermann. Deshalb falle die Kommissionierung bei ihnen aufwendiger aus als bei grossen Ketten.

«Da wir auf jeder Liefertour mehrere Läden nacheinander anfahren, wird zum Beispiel Fleisch und Fisch in speziellen Isolationsboxen transportiert», erklärt er. Die «Bäbistubenlogistik» wird während eines Rundgangs durch den Betrieb sichtbar: Im Milchproduktelager kommissioniert ein Mitarbeiter die bestellten Waren für eine Volg-Verkaufsstelle. Auf dem Rollcontainer liegen nebst anderen Produkten zwei Frischkäseschachteln, und die Vanillejoghurts können an einer Hand abgezählt werden – auf ganzen Paletten wird hier nichts ausgeliefert.

Nachdem die kommissionierten Waren im Bereitstellungsraum deponiert worden sind, verladen die Chauffeure von Traveco, der Schwestergesellschaft der Volg Konsumwaren AG, diese auf ihre Lastwagen. Über Nacht reisen sie zu den Verkaufsstellen. Die Auslieferung in diesem Zeitraum sei wegen des tieferen Verkehrsaufkommens viel schneller, sagt der Betriebsleiter. So liegen die Bananen am Morgen im Regal bereit. «Und zwar in jedem Laden – egal, ob er in Oberbipp oder auf der Bettmeralp liegt», so Ackermann.

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