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«Wir wollen ein offenes Haus sein»

Am Freitag beginnt der Vorverkauf für die neue Saison im Stadttheater. Seit Anfang Jahr zieht Yvonne Wüthrich die kommunikativen Fäden. Sie ist überzeugt: Ihre Besetzung lohnt sich.

Julian Perrenoud
Fühlt sich im Gebäude mit seinen labyrinthartigen Gängen richtig zu Hause: Die neue Kommunikationsverantwortliche Yvonne Wüthrich.
Fühlt sich im Gebäude mit seinen labyrinthartigen Gängen richtig zu Hause: Die neue Kommunikationsverantwortliche Yvonne Wüthrich.
Thomas Peter

Die Hintertür zum Bühneneingang steht offen, weisses Plastik ist über den Boden die Steintreppe hoch gespannt. Im Langenthaler Stadttheater wird derzeit zwar nicht mehr renoviert, dafür aber revidiert. Für die kommende Saison, deren Vorverkauf morgen Samstag beginnt, soll schliesslich alles funktionieren. Die Beleuchtung etwa, der Vorhang auf der Bühne oder das Ticketing.

Einen Stock weiter oben sitzt Yvonne Wüthrich in ihrem Büro. Seit diesem Januar ist die 37-jährige Langenthalerin zuständig fürs Marketing und für die Kommunikation des Stadttheaters. Eine Stelle, die im Hinblick auf den Umbau und die folgende Neuausrichtung des Kulturangebots extra geschaffen wurde.

Frau Wüthrich, Sie haben bereits die erste Saison, oder sagen wir Halbsaison, hinter sich gebracht. Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie gewonnen haben?Yvonne Wüthrich: Dass dies ein spannendes und sehr vielseitiges Haus ist. Mit dem Stadttheater verbindet man in erster Linie ja die Vorstellungen im Theatersaal. Es gibt aber noch ganz viele andere Aspekte – auch dank dem Umbau. Das Theater 49 etwa oder die kommerzielle Vermietung. Schön war für mich auch das grosse Interesse der Bevölkerung. Alle wollten den Neubau sehen.

War denn der Umbau für Sie ausschlaggebend dafür, sich für diese neue Stelle zu bewerben? Einerseits gefiel mir der Gedanke, das Stadttheater zu repräsentieren. Dieses schöne Haus, das auch ein Wahrzeichen der Stadt ist. Zudem bin ich Langenthalerin und hier aufgewachsen. Andererseits sprach mich der Stellenbeschrieb mit seinen vielseitigen Aufgabenbereichen an. Aus meiner früheren Tätigkeit brachte ich dafür einen guten Rucksack an Erfahrung mit.

Zum Beispiel? Ich arbeitete zuvor siebeneinhalb Jahre lang bei Arosa Tourismus und leitete dort auch die Marketing- und Kommunikationsabteilung. Arosa zeichnete sich vor allem durch Events aus, wie dem Arosa-Humorfestival. Hier konnte ich unter anderem Erfahrungen im Bereich Sponsoring und Ticketing sammeln. Davor war ich in der Hotellerie tätig, was mir jetzt für den kommerziellen Teil des Stadttheaters sicher auch zugutekommen wird.

Haben sich Ihre Erwartungen nach den ersten paar Monaten in Langenthal erfüllt?Definitiv. Ich konnte bereits bei vielen Dingen mitwirken, wie aktuell beim Programmheft, das wir neu erstellt haben. Oder etwa die Website zu unterhalten. Auch das Sponsoring ist frisch aufgegleist, und wir starten mit zwei neuen Hauptsponsoren in die Saison.

Da es Ihre Stelle vorher so noch nicht gab – wie und wo sind Sie eingestiegen?Ich startete mitten in der Saison. Viele kommunikative Massnahmen und das Ticketing liefen damals schon. Daher übernahm ich zuerst vor allem laufende Kommunikationsarbeiten. Diese liefen bis anhin über Theaterleiter Reto Lang. Bei der kommerziellen Vermietung des Stadttheaters packte ich aber von Beginn an mit an. Dazu gehören auch Führungen, die wir jetzt neu anbieten.

Besteht die grösste Herausforderung darin, dass bei Ihnen in der Kommunikation noch nicht alles pfannenfertig bereitliegt?Am lehrreichsten ist für mich sicher, in den ganzen Kulturbereich einzutauchen. Mir war früher beispielsweise der Unterschied zwischen einer Oper und einer Operette nicht klar. Oder auch, wie ein Theaterstück im Haus zustande kommt. Diese Abläufe sind für mich ganz neu und deshalb auch die grösste Herausforderung.

Die Renovierungsarbeiten hier haben in der Stadt für Aufsehen gesorgt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?Wirklich zufrieden, obwohl wir bloss eine kurze Saison hatten. Wir können auch schöne Besucherzahlen vorweisen. Eine grosse Unbekannte war das Theater 49, da wir nicht wussten, wie dieses anlaufen wird. Auch hier dürfen wir sagen: Die ersten Erfahrungen sind sehr gut. Wir hatten Vorstellungen, die unerwartet ausverkauft waren. Das Angebot spricht ein anderes Publikum an als im grossen Theatersaal. Wir haben deshalb schon das eine oder andere neue Besuchergesicht bei uns gesehen. Das ist toll. Wir möchten dieses Interesse rund um das Stadttheater unbedingt am Leben erhalten.

Kommen wir zu einem wesentlichen Aspekt: Das Stadttheater muss sich finanziell rechnen. Kommerzielle Vermietungen können mithelfen, das zu tun. Das ist richtig. Allerdings haben wir dieses Angebot noch nicht aktiv nach aussen kommuniziert. Erstaunlich ist aber, dass sich bereits viele Leute diesbezüglich bei uns melden. Für Führungen, Vereinsversammlungen oder private Geburtstagsfeste. Gerade letzte Woche konnten wir 250 Lehrpersonen für ihre Schulstartveranstaltung begrüssen. Bisher haben wir etwa dreissig Veranstaltungen durchführen können.

Neues Theater, neue Marketingstelle. Das Ziel: mehr Ticketverkauf. Spüren Sie Erfolgsdruck? Die Erwartungen sind sicher da. Ich nehme die Vorgabe, mehr Leute in unsere Vorstellungen zu bringen, aber gerne als Herausforderung an. Im Nachhinein ist es dann jeweils auch schön, sagen zu können, dass wir eine ausverkaufte Vorstellung hatten.

Mittel- und langfristig gesehen: Weshalb rechnen sich Investitionen in die Kommunikation des Theaters nach aussen?Ich denke, das hat mit der Entwicklung der Kommunikation zu tun. Früher verkaufte man ausschliesslich Papiertickets. Heute mit der Entwicklung im Onlinebereich werden Dinge wie eine professionelle Ticketingplattform oder Social-Media-Massnahmen immer wichtiger. Deshalb braucht es eine Person, die sich allein auf diesen Bereich konzentriert. Dafür darf ich mir auch Zeit nehmen und meine Energie ganz darauf verwenden, um dafür zu sorgen, das Theater besser zu füllen.

Wo sehen Sie noch ­Verbesserungspotenzial?Beim Ticketingsystem, das wir vergangene Saison eingeführt haben, galt es erst, alle Abläufe klar zu definieren. Wir hatten Zeit, dieses zu optimieren, und auf die neue Saison hin können wir nun beweisen, dass alles funktioniert. Wir wollen neu auch einen Online­newsletter versenden. Wichtig ist: Wir wollen ein offenes Haus sein wie am Tag der offenen Tür. Damit wir nicht bloss den regelmässigen Theaterbesucher ansprechen, sondern auch andere Leute. Unser Eingangstor ist wunderschön geworden, vielleicht etwas imposant. Berührungsängste soll es deshalb aber nicht geben.

Yvonne Wüthrich (37), ledig, ist in Langenthal aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sie absolvierte das KV und arbeitete danach administrativ bei Hotel- und Gastrobetrieben. Nach ihrem Studium in Luzern war sie für die Marketing- und Kommunikationsabteilung der Feriendestination Arosa zuständig.

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