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Wo auch die ersten Einkaufswagen rollten

Hotel und Restaurant Bahnhof in Huttwil sowie das ehemalige Verwaltungsgebäude sind heute noch Zeugen der Zeit nach dem Anschluss an die Eisenbahn. Doch nicht nur der Bahnhof ist dort verschwunden.

Die gut 100-jährige Postkarte zeigt das Gebiet rund um den damals neuen Bahnhof von Huttwil. Einziges Verkehrsmittel ist  ein zweirädriger Handkarren.
Die gut 100-jährige Postkarte zeigt das Gebiet rund um den damals neuen Bahnhof von Huttwil. Einziges Verkehrsmittel ist ein zweirädriger Handkarren.
zvg
Der Bahnhofplatz heute: Geblieben sind nur das Hotel Bahnhof und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Bahn. Autos beanspruchen heute einen grossen Teil der Fläche.
Der Bahnhofplatz heute: Geblieben sind nur das Hotel Bahnhof und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Bahn. Autos beanspruchen heute einen grossen Teil der Fläche.
Thomas Peter
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Um die Wende zum 20. Jahrhundert erhielt Huttwil ein neues Zentrum. 1889 war von Langenthal der erste Zug eingefahren. Sechs Jahre später war auch die Fortsetzung nach Wolhusen gebaut. 1908 wurde schliesslich die Bahn nach Sumiswald und Ramsei in Betrieb genommen, 1915 zudem noch eine Stichbahn nach Eriswil.

Huttwil war damit zum Eisenbahnknoten geworden. Die Postkarte, die uns Hansjörg Fank­hauser aus Herzogenbuchsee aus seiner umfangreichen Sammlung über den Oberaargau zur Verfügung stellt, stammt mitten aus dieser Zeit: Sie wurde am 7. September 1908 versendet. Das wichtigste Gebäude, der Bahnhof, ist nicht auf dem Bild. Bei diesem kamen ursprünglich nicht nur die Züge an, dort fand auch die Verwaltung Platz, und selbst ein ein­faches Buffet war in ihm eingerichtet.

Erst nach Inbetriebnahme der Langenthal-Huttwil-Bahn wurde das Hotel Bahnhof gebaut, dessen Wirt Johann Binggeli diese Postkarte drucken liess, damit seine Gäste mit dem damals modernen Kommunikationsmittel einen «Gruss aus Huttwil» versenden konnten. Anfänglich bot das stattliche Gebäude, das im Bauinventar von Huttwil als «in seiner Einfachheit charakteristisch für ein Hotel am Bahnhof um 1890» gewürdigt wird, auch der Bahnverwaltung Gastrecht.

Eigenes Verwaltungsgebäude

Um 1900 begann die Bahn jedoch mit einem eigenen Verwaltungsgebäude, das mit der Inbetriebnahme der Ramsei-Sumiswald-Huttwil-Bahn 1908 bezogen werden konnte. Es ist am linken Bildrand angeschnitten erkennbar und besteht heute noch, auch wenn Huttwil längst keine eigenen Bahngesellschaften mehr besitzt.

Mit seinem Massivbau war es Vorbild der kurz darauf gebauten städtischen Häuserzeile an der Bahnhof­strasse 24 bis 32. In unseren Tagen wurde sein gestutztes Walmdach zur Vorlage für den Nach-Nachfolger des Bahnhofs. Doch auch das von Huttwil ausgehende Eisenbahnnetz musste Federn lassen: Die Huttwil-Eriswil-Bahn und die Ramsei-Sumiswald-Huttwil-Bahn wurden durch Busse ersetzt, auf den Geleisen der letzteren fahren immerhin noch die Dampf- und Nostalgiezüge der Museumsbahn Emmental.

Zwischen Hotel Bahnhof und Verwaltungsgebäude zeigt die Postkarte den Beginn der Bebauung an der Bahnhofstrasse. Im markanten Haus vorne befand sich eine Metzgerei, im zweiten eröffnete Walter Hermann 1898 eine erste Drogerie. Noch fehlt die Niederlassung der Berner Kantonalbank, die erst 1921 ihre Türen öffnete.

Neue Geschäftshäuser

Drogerie Hermann und Kantonalbank waren dann in den Jahren 1963 und 1964 verantwortlich für die beiden viergeschossigen Neubauten, die die drei Geschäftshäuser auf der Postkarte im Stil ihrer Zeit ersetzten. In der Drogerie wurden die Huttwilerinnen und Huttwiler erstmals mit Einkaufswagen und einer automatischen Tür konfrontiert. In der Kantonalbank empfängt heute die Raiffeisenbank Unteremmental ihre Kundinnen und Kunden.

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