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Wo das Orchester für die Oper probt

Für die Tell-Oper in Interlaken, die in einer Woche Premiere feiert, steuert ein Oberaargauer Ensemble die Musik bei. Die grösste Herausforderung für das Kammerorchester liegt in der räumlichen Distanz.

Die erste gemeinsame Probe: Das Ensemble trifft sich sieben Tage vor Beginn der Aufführungen im Zwinglihaus in Langenthal.
Die erste gemeinsame Probe: Das Ensemble trifft sich sieben Tage vor Beginn der Aufführungen im Zwinglihaus in Langenthal.
Daniel Fuchs

Das Eintreffen Gesslers – seine Schritte, verkörpert durch die kräftigen Klänge der Hörner – versetzt die Zuhörer mitten in die Szenerie. Die restlichen Bläser setzen ein, Pauke und Streicher dazu: Sie symbolisieren das dramatische und aggressive Auftreten des unliebsamen Reichsvogtes. Es ist ein kleiner Ausschnitt der bekannten Tell-Oper nur, der Gänsehaut verursacht.

Dass ein Sinfonieorchester zum ersten Mal gerade mal sieben Tage vor der Aufführung einer 90-minütigen Oper probt, mag für Laien unverständlich sein. Für die professionellen Musikerinnen und Musiker, die im Zwinglihaus in Langenthal zusammenkommen, hingegen überhaupt kein Grund zur Beunruhigung.

Alle seien sie sehr gut vorbereitet, stellt Andreas Kunz erfreut fest. Er ist musikalischer Leiter des Kammerorchesters Camerata 49, das wiederum die Basis bildet für das 52-köpfige Begleitorchester der Oper «Guillaume Tell». Das Stück des italienischen Komponisten Gioacchino Rossini gelangt nächstes Wochenende zur Aufführung in der Naturkulisse der Tellspielarena Interlaken.

Es geht um die Abstimmung

Bei der ersten gemeinsamen Probe gilt es also nur noch Nuancen zu korrigieren. Agnes Ryser, musikalische Leiterin der Tell-Oper, kennt ein klares Dirigat. Sie markiert die einzelnen Stimmen der Sänger, sodass die Musiker trotz fehlender Solisten realitätsnah üben können. Denn eines steht fest: Die Einsätze zwischen Orchester, Sängern und Chören müssen perfekt aufeinander abgestimmt werden.

Erweitert wurde das hauptsächlich aus Streichern bestehende Orchester durch viele ­Bläser, einen Pauker und einen Harfenisten. Sie kommen aus der Region, aber auch aus Basel, Biel oder Luzern. Das Kammerorchester gründete Martin Kunz 1986 als Huttwiler Kammer­orchester. Letztes Jahr hat sein Sohn Andreas Kunz dessen Leitung übernommen. Die Ziffern vier und neun hinter dem neuen Namen Camerata 49 symbolisieren die Postleitzahl von Langenthal und sollen die Regionalität des Orchesters verdeutlichen.

Angefragt, als Begleitorchester mitzuwirken, wurde Camerata 49 vor etwa zwei Jahren. Eine Ehre für die Musiker, wie Andres Kunz betont. Die Noten dazu erhielten sie jedoch erst vor etwa zwei Monaten. Es galt also keine Zeit mehr zu verlieren, um sich in die doch teils aufwendigen Stücke einzuarbeiten.

Verbunden über Bildschirme

Eine weitere Herausforderung erwartet die Musiker in Interlaken. Um nicht der Witterung ausgesetzt zu sein, wird das Begleitorchester in einer geschlossenen Curlinghalle neben der Tellarena spielen. Der Klang der Instrumente wird dank eines einmaligen Surroundsystems ohne Zeitverzögerung auf die Bühne übertragen, auch die Stimmen der Protagonisten werden zeitgleich dem Orchester wiedergegeben werden.

Erweitert wurde es um viele Bläser, einen Pauker und einen Harfenisten. Sie kommen aus der Region, aber auch aus Basel, Biel oder Luzern.

Bildschirme sorgen dafür, dass die räumlich distanzierten Akteure auch visuell miteinander verbunden sind. Dieses System ermöglicht es, erklärt Ryser, trotz physischem Abstand die Einsätze des Orchesters zur richtigen Zeit mit dem Geschehen auf der Bühne passieren zu lassen. Einen Unterschied werden die Zuschauer und Zuschauerinnen nicht wahrnehmen können.

Agnes Ryser hat während der Aufführungen eine Doppelrolle. Sie steht auf der Bühne und leitet gleichzeitig Sänger und die Chöre. Das Orchester dagegen wird auch sie nur über den Bildschirm sehen können. Eine Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist.

Üben, üben, durchspielen

Die nächste Probe des Sinfonieorchesters findet am Dienstag statt, diesmal in Interlaken. Und gemeinsam mit Sängern und Chören. Am Freitag, also einen Tag vor der ersten Aufführung, folgt die Hauptprobe. Es ist die vorletzte Probe, während der durchaus noch einzelne Passagen öfters geübt, wiederholt und besprochen werden können. Dabei ist es nicht selten, dass die Sänger inmitten des Orchesters stehen. Die Generalprobe am selben Tag indes ist die letzte Probe vor der Aufführung. Geprobt wird dann nicht mehr, nur noch durchgespielt.

Eine Fortsetzung?

In zwei Jahren ist eine weitere Aufführung von «Guillaume Tell» geplant – diesmal auf dem Rütli. Ob dann auch die Oberaargauer Camerata 49 als Begleitorchester dabei sein wird, ist offen. Andreas Kunz lässt durchblicken, dass er und sein Orchester gerne wieder dabei wären.

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