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Zurück bleibt ein Scherbenhaufen

Paukenschlag beim SCL: Der Verein zieht seine Tochtergesellschaft, die Arena Oberaargau AG, aus der Projektplanung zum neuen Stadion zurück. Schuld sei die Stadt.

Im Januar sassen Gian Kämpf, Markus Meyer und Reto Müller (v. l.) noch einhellig nebeneinander: Gestern jedoch informierte der SC Langenthal ohne Beisein der Stadt.
Im Januar sassen Gian Kämpf, Markus Meyer und Reto Müller (v. l.) noch einhellig nebeneinander: Gestern jedoch informierte der SC Langenthal ohne Beisein der Stadt.
Thomas Peter

Die Richtung war vorgegeben, die Zeichen standen gut wie noch nie: Der SC Langenthal soll im Hard eine neue Eissportarena erhalten. Und zwar so bald wie möglich. Darin schienen sich Stadt und Verein zum Jahresbeginn ­einig.

Die Arena Oberaargau AG wurde ins Leben gerufen, um als Tochtergesellschaft des SCL den Lead in der Planung zu über­nehmen. Markus Meyer, Verwaltungsratspräsident sowie Präsident des gleichnamigen Vereins, führte in der Folge viele Gespräche mit Anwohnern und Firmen im Hard, wie er sagt.

«Alle fanden den Standortentscheid gut.»Im März berieten sich die involvierten Kreise ein erstes Mal. Im April stellte die Arena Oberaargau dem Gemeinderat das weitere Vorgehen aus ihrer Sicht vor. Am 9. August folgten Meyer und SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf einer Einladung in das Ratsbüro.

«Für eine Stadt, die eigentlich vorwärtswill, finde ich das lächerlich.»

Stephan Anliker, Verwaltungsratspräsident SCL

«Was wir dann aber vorgesetzt bekamen, war etwas völlig anderes», sagte Meyer am Mittwoch an einer kurzfristig einbe­rufenen Medienkonferenz. Denn die Stadt wolle nun plötzlich den Lead in der Planung zurückhaben. «Entgegen unseren teilweise auch schriftlichen Abmachungen», sagte Meyer. Damit stösst der Gemeinderat dem SCL ge­waltig vor den Kopf.

Projekt verzögert sich massiv

Ein halbes Jahr nach dem gemeinsam beschlossenen Fahrplan habe sich der Gemeinderat auf Empfehlung der Verwaltungsleitung für eine Vorgehensweise entschieden, die in keiner Weise mit den seit Jahresbeginn geführten Gesprächen übereinstimme, sagte Kämpf.

Der Gemeinderat beabsichtige nämlich neu, eine Testplanung auszulösen und die Projektleitung zu übernehmen. «Wir stellen ernüchtert fest, dass sich damit der Zeithorizont des Projektes weit hinausschiebt.» Die Rede ist von mindestens zehn anstatt im besten Fall von fünf Jahren.

Somit könne die Arena Oberaargau AG ihren definierten Zweck nicht mehr erfüllen. Sie wird vorderhand auf Eis gelegt. Der Club nimmt also seit Mittwoch offiziell keine aktive Rolle im In­frastrukturprojekt mehr ein.

Die drei Verantwortlichen wirkten an der Medienkonferenz denn auch sichtlich konsterniert. «Mir hat es fast die Sprache verschlagen, als ich davon erfahren habe», sagte Stephan Anliker.

Und der Verwaltungsratspräsident des SCL fügte an: «Langenthal schmückt sich gern mit dem Begriff Sportstadt. Aber ein Blick zurück zeigt, dass sie dies eben nicht ist.»

Er nennt Beispiele nicht nur aus dem Sport: Stillstand bei Alters- und Kinderheim, der Alten Mühle oder dem Kunstrasen des Fussballstadions. «Für eine Stadt, die eigentlich vorwärtswill, finde ich das lächerlich.»

«Das ist eine Katastrophe»

Kämpf sagte, der SCL akzeptiere die Richtungsänderung der Stadt. Nicht hinnehmen wolle man jedoch die Tatsache, dass der Gemeinderat, nebst veränderter Vorgehensweise beim Neubauprojekt, zusätzlich vorsieht, die Investitionen im Schoren um 95 Prozent zurückzufahren.

Als Eigentümerin der Kunsteisbahn verlange die Stadt vom Club zudem die teuersten Eismieten für die im Nationalligavergleich leistungsschwächste Infrastruktur. Selbst die Eismiete des Nachwuchses, die der Club als einziger im Kanton Bern zu entrichten habe, schlage mit jährlich über 200 000 Franken zu Buche. «Ein Gesuch um eine Reduktion wurde im Januar wiederholt abgelehnt», sagte Kämpf.

Zum Beginn der neuen Saison herrscht nun also plötzlich auch Eiszeit zwischen dem Verein und der Stadt. Jetzt wollen die Verantwortlichen des SCL diesen Herbst eine Strategie erarbeiten, wie der Verein mittelfristig überleben kann.

Stünde da sogar ein Abstieg in eine tiefere Liga oder ein Wegzug aus Langenthal im Raum? Das könne er Stand heute noch nicht beurteilen», sagte Anliker. Ihm falle aber auf, dass in der Verwaltung und in der Politik das Herzblut und die Leidenschaft für den Eishockeysport fehle.

«Langenthal hat seit Jahren schon politische Probleme, die alles blockieren. Das ist eine Katastrophe.»

Die Stadt informiert am Donnerstg

Kurz nach Beginn der Medienkonferenz des SCL verschickte am Mittwoch die Stadt Langenthal auch ihrerseits eine Medienmitteilung. Selbstverständlich werde sich der Gemeinderat zum Thema äussern.

Dieser beriet sich noch am Nachmittag an einer Sitzung und will mit Stadtpräsident Reto Müller (SP) und seinem Vize Markus Gfeller am Donnerstag um 15 Uhr im Glaspalast seine Sichtweise zur Arealplanung Hard gegenüber der Presse darlegen. Was sie zu den Vorwürfen zu sagen haben? Man darf gespannt sein.

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