Zwischen zwei Welten

Langenthal

Stefano Raschi alias «Cookie the Herbalist» macht seit über zehn Jahren professionell Musik. Nun hat er einen Song mit Reggaelegende Lee «Scratch» Perry veröffentlicht. Zeit, etwas mehr über «Cookie» zu erfahren.

Die Aussage ist ihm wichtig: Stefano Raschi alias «Cookie the Herbalist» will mehr als gefällige Musik machen.

Die Aussage ist ihm wichtig: Stefano Raschi alias «Cookie the Herbalist» will mehr als gefällige Musik machen.

(Bild: Thomas Peter)

Der Garten von Stefano Raschi macht dem Künstlernamen des Musikers alle Ehre: Da wachsen die unterschiedlichsten Pflanzen und Kräuter, unter anderem Tomaten, Weintrauben und verschiedene Blumen. Bereits seit einigen Jahren wohnt Raschi, der als Sohn einer Schweizerin und eines Italieners in Italien und Huttwil aufgewachsen ist, in Langenthal. Zumindest zeitweise. Den Winter verbringe er meistens in Jamaika, auch, um dort Freunde zu besuchen. «Viele ­davon sind auch Musiker», so ­Raschi. So feiere er dort zum Beispiel meist Weihnachten und Silvester mit der Reggaelegende Lee «Scratch» Perry, mit der er kürzlich auch seinen neuen Song ­«Eaze!» veröffentlichte.

Kreative Jamaika-Aufenthalte

Für den Oberaargauer war die Zusammenarbeit mit Perry natürlich spannend. «Er hat die Anfänge des Reggae miterlebt und mitkreiert. Er ist der Miterfinder von Reggae, der Erfinder der Dub-Music, und, und, und. . .», sagt ­Raschi. «Wir haben uns vor etwa zehn Jahren an einem Festival kennen gelernt und uns seither immer öfter, vor allem in Jamaika, getroffen», so Raschi. Bei einem solchen Jamaika-Aufenthalt sind auch der neue Song und das Musikvideo dazu entstanden. Es ist das erste Mal seit mehreren Jahren, dass Perry für ein Musikvideo vor der Kamera steht.

Tiefgründiger Text

In «Eaze!» wird wie in vielen von Cookies Songs ein tiefgründiger Text mit dubbigen Rhythmen und einer eingängigen Melodie kombiniert. «Wir wollen den Hörern vermitteln, auch in schweren Zeiten, Ruhe und Entspannung zu finden, auf Bildung statt Waffen zu setzen, Respekt und Anstand zu pflegen und dankbar zu sein», sagt er. «Besonders in der momentanen weltpolitischen Situation ist dies wichtig.» Die Aussage seiner Songs ist für ihn zentral. «Es geht mir auch um die Lyrics und die Message der Songs. Es war mir schon immer wichtig, dass ich keine Nonsense-Music mache.» In die Sätze des Musikers schleichen sich viele Anglizismen. Das hängt wohl auch mit seiner internationalen Orientierung zusammen. Im Ausland habe er sogar mehr Erfolg als in der Schweiz, hält er fest: «Manchmal bin ich überrascht, in welchen Ländern meine Musik gehört wird. Es wäre schön, wenn meine Musik in der Schweiz auch etwas mehr geschätzt würde.» Weiter spricht der Künstler schon seit seinem sechsten Lebensjahr Englisch und daneben noch fünf andere Sprachen. Dank seinem guten Sprachgefühl war es für ihn auch nicht allzu schwierig, die jamaikanische Umgangssprache Patois zu erlernen. Die Sprache ist vom Englischen abgeleitet und wird in der Reggaemusik sehr oft verwendet. So auch von Cookie, der seit seiner Jugend auf Patois singt.

Ein magischer Moment

Denn die Reggaemusik begleitet Raschi bereits seit seiner Kindheit. «Ich hatte das Glück, dass meine Eltern musikalisch versiert waren und auch eine grosse Plattensammlung besassen, die ich mir oft ansehen und anhören durfte.» Zwischen Aretha Franklin, Janis Joplin, Jimi Hendrix und den Rolling Stones hätten sich dann eben auch Leute wie Bob Marley, Peter Tosh oder Garnett Silk befunden. «Als ich das erste Mal eine Reggaeplatte ­aufgelegt habe, war das ein ­magischer Moment für mich, von da an war Reggae meine Lieblingsmusik.»

Doch es ist nicht nur die Musik, die den Oberaargauer an der Reggaeszene und an der jamaikanischen Kultur fasziniert. Er fühlt sich auch der in Jamaika entstandenen Rastafari-Bewegung zugehörig. Das ist auch der Grund dafür, dass er lange, zu Dreadlocks verfilzte Haare und einen Bart trägt. «Als Rastaman schneidet man seine Haare nicht, und eigentlich zeigt man sie auch nicht in der Öffentlichkeit», so Raschi. Deshalb sieht man ihn oft mit einem Turban auf dem Kopf. Besonders streng setzt er die ­Vorgaben der Glaubensrichtung aber nicht um. Ihn sprächen vor allem die Konzepte an, die die «Rasta-Livity», wie er es nennt, vorschlägt. So zum Beispiel die Besinnung auf Afrika als die Wiege der Menschheit und das Pflegen eines möglichst natürlichen Lebensstils.

Singles wichtiger als Alben

Im Laufe seiner Karriere hat Cookie bisher drei Alben veröffentlicht. Anders als in anderen Musikrichtungen sei das Album im Reggae aber nicht die zentrale Disziplin, so der Musiker. Um in der Reggaewelt relevant zu bleiben, sei es wichtiger, alle paar Wochen einmal einen neuen Song zu veröffentlichen. Ein Album sei auch nicht immer so leicht zu finanzieren, denn ­Musiker, die nicht mit einem grossen Label zusammenarbeiten, müssen das Geld für ihre ­Projekte meist im Voraus selbst aufbringen.

Konzerte als Einnahmequelle

Dazu komme, dass es, wie im Musikbusiness generell, auch für Reggaekünstler in den letzten Jahren finanziell schwieriger geworden sei. Das Aufkommen des Musikstreamings und die allgemein sinkende Bereitschaft, für Musik zu bezahlen, mache den Künstlern zu schaffen. «Geld ­verdienen kann man heute vor ­allem noch mit Konzerten», sagt Raschi. So ist er viel unterwegs, arbeitet aber nebenher auch noch für ein Kleiderlabel und zwischendurch als Übersetzer. So könne er seinen Lebensunterhalt und seine Musik ganz gut finanzieren. Ein weiteres Album sei grundsätzlich auch geplant. Wann es so weit ist, weiss er aber noch nicht genau. «Time will tell», sagt er.

Berner Zeitung

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