62-Millionen-Siedlung entsteht

Spiez

Für den Escherpark in Spiez sind auf der gleichnamigen Parzelle die Vorarbeiten aufgenommen worden. Die ersten von insgesamt 78 Wohnungen sollen im April 2018 bezugsbereit sein – und sind sehr gefragt.

Baggern für Wohnraum: Auf der Spiezer Eschermatte entstehen 10 Mehrfamilienhäuser mit nahezu 80 Einheiten. Jürg Spielmann

Baggern für Wohnraum: Auf der Spiezer Eschermatte entstehen 10 Mehrfamilienhäuser mit nahezu 80 Einheiten. Jürg Spielmann

Jürg Spielmann

Der gelbe Riese wuchtet seine massige Schaufel tief ins Erdreich. Es ist so weit: Die mehr als 17'000 Quadratmeter grosse Eschermatte – sie wurde bei der Ortsplanungsrevision 2013 als grösste Baulandparzelle in Spiez eingezont – macht dem Escherpark Platz.

«Die rechtskräftige Baubewilligung liegt vor, wir haben dieser Tage mit der Vorbereitung beginnen können», sagt Architekt Dominic Nussbaum. Zuerst werden Zuleitungen für Strom und Wasser verlegt, dann bricht der Bagger die Mauer zur Oberlandstrasse auf. «Die Baustellenzufahrt entsteht dort, wo später die Einstellhalle mit 122 Plätzen errichtet wird.»

Der Spiezer ist gemeinsam mit seinem Vater Christian Nussbaum sowie dem örtlichen Branchenkollegen Franz Sennhauser für die Planung zuständig. Unter anderem: Denn das Trio bildet, ergänzt durch die Unternehmer Thomas Balmer aus Hilterfingen und Markus Frey aus Oberhofen, auch das Investorenquintett. Es gründete 2014 die Escherpark AG, um das Land an bevorzugter Lage zu überbauen. «Das Investitionsvolumen liegt bei circa 62 Millionen Franken», sagt Nussbaum.

Fünf Einsprachen erledigt

Am südöstlichen Siedlungsrand der Zentrumsbäuert entsteht zwischen Oberland- und Kapellenstrasse sowie der Bahnlinie nach Interlaken die bedeutendste Wohnsiedlung der jüngeren Spiezer Geschichte. Flankiert von zwei markanten Gebäuden – der Matthäuskirche im Westen und des Wohnheimes Bethanien im Osten –, werden 10 Mehrfamilienhäuser mit total 78 Wohnungen hochgezogen. 58 Einheiten in acht Gebäuden werden laut Nussbaum als Stockwerkeigentum verkauft.

«Zwei Mehrfamilienhäuser haben wir an Investoren veräussert. Sie werden 20 Mietwohnungen anbieten.» Wer diese sind, mag der Bauherr nicht sagen; das sei so vereinbart worden. Klar hingegen ist, dass die zwei Neubauten zur Kapelle und zum Bethanien hin die beiden Mietshäuser sein werden.

Dass eine Überbauung dieser Dimension nicht ohne Nebengeräusche realisiert wird, liegt auf der Hand. Ende 2015 waren gegen die gemeinsam erarbeiteten Pläne der Büros HMS Architekten und Planer AG und Christian Nussbaum AG fünf Einsprachen eingegangen. Laut Dominic Nussbaum habe man mit den Anwohnern, die beispielsweise Anpassungen bei der Einstellhallenzufahrt forderten, «gute Gespräche» gehabt und die Kritikpunkte bereinigen können.

Zäher gestalteten sich die Verhandlungen der Escherpark AG mit dem Verein Schönes Spiez (VSS). Letzterer scheiterte mit seinem Bestreben, eine in seinen Augen «bessere Aussengestaltung der Baukuben» und Satteldächer zu erreichen. Die von der kantonalen Baudirektion abgewiesene Beschwerde hatte für den VSS Kosten von mehreren Tausend Franken zur Folge. Man habe diese Geschichte klären können, sagt Architekt Nussbaum.

Die Verhandlungen hatten dazu geführt, dass der angestrebte Baustart um ein halbes Jahr verzögert wurde. Mit welchen Folgen für die Escherpark AG? «Es hat sicher einen Mehraufwand bei der Planung gegeben», so Nussbaum. Er erwähnt in dem Zusammenhang jedoch mehr die emotionale als die finanzielle Komponente. Die Bauherrschaft nahm in dieser Zeit «kleinere Fassadenänderungen» vor – so beim Attikageschoss des obersten Baukörpers sowie an den Fensterfronten.

Preise ab 640'000 Franken

Die prächtige Eschermatte, der man es schuldig sei, «etwas zu errichten, das höheren Ansprüchen genügt», wie Mitinitiant Franz Sennhauser einst betonte, wird von unten nach oben überbaut. Eine Etappierung ist nicht vorgesehen – und der grossen Nachfrage wegen auch nicht nötig.

Escherpark-VR-Präsident Christian Nussbaum hat über zwei Jahre hinweg eine Interessentenliste geführt. «Für zwei Drittel der Wohneinheiten sind Reservationsvereinbarungen unterzeichnet», sagt sein Sohn. Er glaubt, das sei auch mit dem Vertrauen in die lokalen Partner zu begründen. «Wir sind sehr zufrieden.»

In den vier 7 Meter hohen und sechs 9,5 Meter hohen Gebäuden werden zur Hauptsache 31/2- und 41/2-Zimmer-Wohnungen realisiert – erstere sind ab 640'000, letztere ab 670 000 Franken zu haben. So viel wert ist das Wohnen im Grünen; die Baukörper werden in eine natürliche Umgebung mit Magerwiesen gestellt, südseitig zur Bahn hin bleibt der beachtlich grosse Obstbaumbestand gewahrt.

Für Dominic Nussbaum ist klar, dass es Immissionen und einen grossen Aushub geben wird (obwohl die Topografie belassen wird und sich die Siedlung dem Gelände anpasst und nicht umgekehrt). Er glaubt, die einmalige Baustelleninstallation werde für alle von Vorteil sein.

Die grösste Herausforderung der Bautätigkeit sieht der Spiezer darin, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen und zu befriedigen. «Das wird nicht nur einfach», ist er sich bewusst. «Doch wir wollen eine Siedlung bauen, die einen Mehrwert bringt.» Spiez und vor allem den einst bis zu 250 Bewohnern. Im April 2018 sind die ersten Einheiten bezugsbereit, im Sommer 2019 soll die Überbauung abgeschlossen sein.

So weit ist es freilich nicht. Zunächst wird auf der Parzelle Platz fürs Arbeiten geschaffen. «Es werden fünf, sechs Bäume gefällt und die Baupiste zur alten Scheune, die abgerissen wird, erstellt.» Dominic Nussbaum definiert als erstes Ziel, dass der Kran nach Ostern steht.

Der erwähnte gefrässige gelbe Riese wird dann vorerst seine Schuldigkeit getan haben.

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