Interlaken/Thun

Ein Truckerfestival mit Folgen

Interlaken/ThunBeim Versuch, am Truckerfestival 2015 ein Fahrverbot zu missachten, bedrohten zwei junge Männer aus der Region Thun eine Sicherheitskontrolleurin. Diese zeigte die Männer an. Vom Regionalgericht wurden sie schuldig gesprochen.

Dass sie sich am Truckerfestival mit einer Sicherheitsmitarbeiterin anlegten, kommt zwei Besucher nun teuer zu stehen.

Dass sie sich am Truckerfestival mit einer Sicherheitsmitarbeiterin anlegten, kommt zwei Besucher nun teuer zu stehen. Bild: Bruno Petroni

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Das Trucker- und Countryfestival 2015 wird den beiden Männern, damals 28-jährig, wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Gegen 23 Uhr fuhren sie mit zwei weiteren Kollegen auf das Gelände. Sie benutzten einen Zugang, der für die Besucher gesperrt und mit einem Fahrverbot belegt war. Es hatte Absperrgitter, und zusätzlich stand ein Kontrolleur dort. Diesem erklärten sie, sie seien vom Komitee. Er liess sie passieren.

Gut drei Stunden später beschlossen die Männer, nach Hause zu fahren. Für die Wegfahrt wollten sie denselben Weg benutzen. Dort stand inzwischen eine Frau als Posten. Diese liess die Männer nicht passieren. Weil man den anderen Ausgang nicht gefunden habe, verlangten sie, dass die Frau sie passieren lasse.

Doch diese nahm ihren Auftrag ernst und liess nicht mit sich reden. Worauf die Männer laut wurden und Beschimpfungen und Drohungen ausstiessen, wie: «Wir werden Sie verprügeln, wenn Sie uns nicht durchlassen.» Schliesslich fuhren die Männer wieder weg, um nochmals nach dem andern Ausgang zu suchen. Doch kurz darauf waren sie wieder da.

Die Frau befürchtete, die Situation könnte eskalieren. Deshalb rief sie die Polizei um Hilfe. Diesmal war die Auseinandersetzung noch etwas hitziger und auch die Männer auf den hintern Sitzen erklärten, man solle doch einfach durchfahren. Nun versuchte der Fahrer, trotz Fahrverbot und Stoppsignal der Sicherheitsbeamtin, die Abschrankungen zu umfahren. Die Frau stellte sich dem Wagen in den Weg und sagte später aus, sie sei vom Auto touchiert worden. Am nächsten Tag bemerkte sie mehrere blaue Flecken an den Beinen.

Zwei Männer angezeigt

Der Fahrer und der Beifahrer wurden wegen dieses Vorfalls angezeigt. Sie erhielten einen Strafbefehl und sollten eine Geldstrafe und eine Busse sowie Gebühren bezahlen. Dagegen wehrten sie sich. So kam es am Mittwoch zur Verhandlung vor der Einzelrichterin. Beide waren wegen Drohung schuldig erklärt worden, der Fahrer auch wegen einfacher Verkehrsregelverletzung, pflichtwidrigen Verhaltens nach Verkehrsunfall und Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit.

Die beteiligten Personen wurden von Gerichtspräsidentin Nathalie Fritz ausführlich befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Drohungen wohl wirklich ausgestossen wurden, die Frau damit jedoch nicht in «Angst und Schrecken» versetzt wurde. Die Frau reagierte jedoch auf die Drohungen, indem sie Hilfe holte.

Weil keiner der Männer bemerkt hatte, dass das Fahrzeug die Frau touchiert hatte – diese hatte auch nicht reagiert – habe es keinen Unfall gegeben, so Fritz. Darum erfolgte für den Fahrer ein Freispruch vom Vorwurf des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall und des Vereitelns von Massnahmen.

Versuchte Drohung

«Ich kann verstehen, dass man es versucht. Man kann ja probieren. Jedoch muss man ein Nein auch akzeptieren können», erklärte die Richterin den Männern. Das Verhalten der beiden sei rechtlich als versuchte Drohung einzustufen. Wegen dieses Verdikts wurden beide zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Fahrer erhielt zusätzlich eine Busse von 300 Franken aufgebrummt wegen Missachten des Fahrverbotes. Die Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 30 Franken für den Fahrer wurde bedingt ausgesprochen, er ist nicht vorbestraft. Die Geldstrafe für den Beifahrer, 8 Tagessätze zu 30 Franken, ist unbedingt zu bezahlen, da er vorbestraft ist.

Die Männer hatten Mühe, das Urteil zu akzeptieren, weil es keine objektiven Beweise gab, also keine Bilder oder Videos. Der Sachverhalt musste aufgrund der Aussagen der beteiligten Parteien festgestellt werden. (Berner Oberländer)

Erstellt: 02.08.2017, 18:38 Uhr

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