Thun

Empa stärkt den Standort Thun

ThunGute Neuigkeiten für den Wirtschaftsstandort Thun: Die Schweizer Materialforschungsanstalt Empa plant dort ein neues Kompetenzzentrum. Den Hauptteil der Investitionskosten wollen die Stadt Thun und der Kanton Bern übernehmen.

Frohe Kunde aus dem Thuner Stadtratssaal: Empa-Direktor Gian-Luca Bona (rechts), Regierungsrat Christoph Ammann (links) und Stadtpräsident Raphael Lanz verkündeten den Aufbau eines Forschungsinstituts für die Entwicklung des 3-D-Drucks in Thun.

Frohe Kunde aus dem Thuner Stadtratssaal: Empa-Direktor Gian-Luca Bona (rechts), Regierungsrat Christoph Ammann (links) und Stadtpräsident Raphael Lanz verkündeten den Aufbau eines Forschungsinstituts für die Entwicklung des 3-D-Drucks in Thun. Bild: Patric Spahni

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Nachdem in früheren Jahren auch über einen Wegzug der Empa aus Thun diskutiert worden war, hörte sich die gestrige Ankündigung der Empa-Führung wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk an. «Wir werden in den kommenden Jahren in Thun die Forschung zur Verarbeitung von metallischen Legierungen und keramischen Werkstoffen für die additive Fertigung intensivieren», verkündete Empa-Direktor Gian-Luca Bona im Thuner Stadtratssaal vor den Medien.

Konkret geht es dabei um die Erforschung neuer Möglichkeiten im 3-D-Druck. «Diese sind für die Schweizer Industrie, vor allem für zahlreiche KMU, von enormer Bedeutung», betonte Bona.

Kosten von 15,5 Millionen

Der Ausbau der Empa, die heute im General-Herzog-Haus auf der Kleinen Allmend angesiedelt ist, wird 15,5 Millionen Franken kosten. Dabei kann die Empa, die dem Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung angegliedert ist, auf die Unterstützung der öffentlichen Hand zählen.

Der Kanton Bern und die Stadt Thun beteiligen sich mit 75 Prozent am Vorhaben. 9,7 Millionen Franken gehen an den Ausbau von Anlagen und Laboratorien sowie an zusätzliche Kosten für Personal. Um die Ansiedlung von Hightechunternehmen mit Nähe zur Empa zu erleichtern, gewähren Stadt und Kanton zusätzlich Mietzinsgarantien im Umfang von 2 Millionen Franken.

Am 16. Februar wird der Stadtrat über den Stadtbeitrag von 1,7 Millionen befinden, im März der Grosse Rat über den Kantonsbeitrag von 10 Millionen.

Garantie für 70 Arbeitsplätze

Die Beiträge sind an die Auflagen geknüpft, dass die Empa den Standort Thun mindestens bis ins Jahr 2030 im bisherigen Umfang aufrechterhält und damit die heute 70 Arbeitsplätze bestehen bleiben. Zudem wird eine Zusammenarbeit mit dem Innovationspark in Biel und dem Zentrum für ­Medizinaltechnik Sitem-Insel in Bern angestrebt.

«Mit dieser Unterstützung sind wir in der Lage, in Thun ein Kompetenzzentrum aufzubauen, das die Innovation im Bereich neuartiger metallischer Werkstoffe wesentlich beschleunigt», sagte Bona. Es sei durchaus möglich, dass dereinst weitere Arbeitsplätze entstehen. Umgesetzt werden soll der Ausbau bis ins Jahr 2020.

Zukunftsträchtiger Bereich

Für Regierungsrat Christoph Ammann ermöglichen der Kanton Bern und die Stadt Thun dem einzigen ETH-Bereichsstandort im Kanton, sich in einem zukunftsträchtigen Bereich weiterzuentwickeln. Denn die Forschungsergebnisse in diesem Bereich seien für die im Kanton Bern angesiedelten Branchen – Medizinaltechnologie, Maschinenindustrie sowie Uhrenfabri­kation – von besonderer Bedeutung.

Unternehmen in diesen ­Bereichen erhielten dank dem neuen Kompetenzzentrum die Möglichkeit, ihre Zusammenarbeit mit der Empa bei den 3-D-Fertigungsprozessen zu vertiefen. «Diese Investition sichert und schafft hochqualitative Arbeitsplätze in der Region», sagte der Volkswirtschaftsdirektor.

Hoffen auf neue Start-ups

Auch Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz freut sich, «dass der Empa-Standort Thun gestärkt und sogar ausgebaut werden kann». Viele namhafte Unternehmen hätten Kanton und Stadt Thun ausdrücklich zu dieser Förderung ermutigt. Dies, nachdem Stadt und Kanton immer wieder für den Standort Thun kämpfen mussten.

Nebst den 70 Stellen bei der Empa könnten so auch etwa 50 Stellen bei angegliederten Start-up-Firmen gesichert werden. «Wir hoffen, dass weitere Unternehmen hinzukommen», sagte Lanz. Der Entwicklungsschwerpunkt Thun-Nord biete ein entsprechendes Potenzial für weiteres Wachstum.

Nach den beiden Projekten Switzerland Innovation Park Biel und Sitem-Insel AG in Bern ist der Ausbau der Empa in Thun das dritte Projekt, das sich auf das neue kantonale Innovationsförderungsgesetz abstützt. Das Projekt in Thun wurde gestern auch von den Wirtschaftsverbänden des Berner Oberlands und vom Verein Hauptstadtregion Schweiz begrüsst. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 20.01.2017, 14:22 Uhr

Kommentar

Ein Glücksfall für die Region Thun

Die Empa ist für Thun eine Erfolgsgeschichte. Anfang der Neunzigerjahre wurde der Ableger der Zürcher Zentrale mit 20 Mitarbeitern mithilfe von Bundesgeldern als Kompensation für den massiven Stellenabbau in der Rüstungsindustrie gegründet. Zum ursprünglichen Tätigkeitsbereich der Werkstofftechnologie kamen Beschichtungstechnik und Nano­technologie hinzu. Heute arbeiten in Thun 70 hoch qualifizierte Forscher für die Empa. Sie sind weltweit vernetzt und gewinnen immer wieder Auszeichnungen für ihre Neuentwicklungen. Auch die Region profitiert: Das technische Know-how können diverse Firmen nutzen. Rund um die Empa haben sich in den letzten Jahren zudem neun Start-up-Firmen mit 50 Arbeitsplätzen angesiedelt.

Jetzt geht die Erfolgsstory in die nächste Runde: Nachdem noch 2005 über eine mögliche Schliessung der Empa Thun diskutiert worden war, verkündeten die Verantwortlichen nun einen Ausbau. Der Standort Thun soll zu einem Kompetenzzentrum für die Entwicklung des 3-D-Drucks werden. Dieser zukunftsträchtige Bereich eröffnet der Wirtschaft viele neue Möglichkeiten. Von besonderem Interesse ist diese Technik auch für die in Thun stark vertretene Maschinenindustrie. Dank der Millionenbeiträge von Stadt und Kanton ist die Empa bereit, eine Jobgarantie bis 2030 abzugeben.

Wichtiger als der Erhalt von 70 Arbeitsplätzen ist aber die Signalwirkung über die Region hinaus. Der Kanton Bern kann sich als Hightechstandort profilieren. Das neue Kompetenzzentrum könnte zudem weitere Firmen nach Thun locken. Auf dem ESP Thun-Nord steht Raum für die Ansiedlung neuer Unternehmen zur Verfügung. Aber nicht zuletzt können auch ortsansässige Maschinenfirmen vom Know-how der Empa profitieren. Und das ist ein weiterer Wettbewerbsvorteil für die teils weltweit tätigen Thuner Unternehmen. Auch wenn man Ausgaben der öffentlichen Hand kritisch betrachtet: Die 11,7 Millionen Franken sind in diesem Fall gut ­investiert.

Roland Drenkelforth, stv. Chefredaktor Thuner Tagblatt
r.drenkelforth@bom.ch

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