Jean Ziegler mobilisierte in Thun

Thun

«Jean Ziegler – der Optimismus des Willens»: Am Sonntag wurde der Dokumentarfilm über den 82-Jährigen und dessen Kampf gegen den Kapitalismus und für die Menschenrechte als Vorpremiere präsentiert. Er zog viel Publikum an.

Voller Saal gestern Vormittag im Thuner Kino Rex bei der Vorpremiere von «Jean Ziegler – der Optimismus des Willens».

Voller Saal gestern Vormittag im Thuner Kino Rex bei der Vorpremiere von «Jean Ziegler – der Optimismus des Willens».

(Bild: Markus Hubacher)

«Politische Parteien könnten sich ein Beispiel nehmen, wie man die Leute mobilisiert», sagte Jörg Weidmann von den Thuner Kinobetrieben Rex am Sonntag bei der Begrüssung zur Vorpremiere des Films «Jean Ziegler – der Optimismus des Willens» (siehe Kasten). Mit rund 180 Personen war Saal 3 nämlich noch vor dem Mittag bis auf den letzten Platz besetzt.

Intellektuelle Persönlichkeit

Der 90-minütige Dokumentarfilm hinterliess einen nachdenklichen Eindruck. Das anschliessende Gespräch mit Ziegler unter der Moderation von Franziska Streun, Redaktorin dieser Zeitung, und in Anwesenheit des Produzenten Emmanuel Gétaz vertiefte die Empfindungen des soeben Gesehenen. «Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Film zu drehen?», wollte die Moderatorin von Gétaz wissen. Er betrachte Ziegler als eine der intellektuellsten Persönlichkeiten der Schweiz, dies sei einer der Gründe, so die Antwort

Grundbedürfnisse zuerst

Rege beteiligte sich auch das Publikum, das sich mit Sequenzen aus dem Film mit zum Teil kritischen Fragen auseinandersetzte. So wollte etwa ein Besucher wissen, wie Ziegler die Pressefreiheit auf Kuba beurteile. Der Film liess nämlich den Eindruck entstehen, dass diese für ihn dort nicht so wichtig ist. «Es geht hier nicht für oder gegen die Pressefreiheit», antwortete Ziegler.

In einem revolutionären Prozess, wie er in Kuba stattgefunden habe, müssten Prioritäten gesetzt werden. An erster Stelle gelte es, die Grundbedürfnisse der Menschen wie genügend Nahrung, medizinische Versorgung, Bildung und Sicherheit zu gewährleisten. Erst danach könnten andere Errungenschaften der Zivilisation wie die Pressefreiheit verwirklicht werden.

Was bringt Trump?

Im Zusammenhang mit dem Kampf Zieglers gegen den Kapitalismus warf ein Zuschauer die Frage auf, ob angesichts der gegenwärtigen Umstände überhaupt Aussicht auf Erfolg bestehe. Ziegler zitierte symbolisch eine Aussage des kubanischen Revolutionärs Ernesto Che Guevara: «Unsere Feinde können alle Blumen abschneiden, den Frühling aber können sie nicht aufhalten.» Als Verehrerin Zieglers gab sich die ehemalige Thuner Gemeinderätin und Nationalrätin Ursula Haller zu erkennen. «Es braucht Leute wie Sie», konstatierte Haller.

Eine Frage jedoch brannte ihr noch auf der Zunge, nämlich diejenige, wie Ziegler angesichts der Wahl von Donald Trump als Präsidenten der USA die Zukunft der Welt sehe. «Das ist beunruhigend und gefährlich, aber Angst ist nie ein guter Ratgeber», sagte Ziegler. Gleichzeitig erwähnte er die einzigartigen ­demokratischen Rechte in der Schweiz, die es immer wieder neu zu nutzen gelte. E

Ein Besucher machte sich Sorgen, dass kein Nachfolger gefunden werden könnte, der die Ideen Zieglers weitertreiben wird. Es gebe viele Leute, die bereit seien, seinen Weg zu gehen. Er habe dies unter anderem durch die ihm ­zuteilgewordene Unterstützung nach der Entziehung der parlamentarischen Immunität und dem Medienkrieg gegen ihn erfahren, sagte Ziegler.

Die Zukunft bleibt ungewiss

Schliesslich wollte die Moderatorin vom 82-Jährigen noch wissen, wann er ans Aufhören denke. In 2,5 Jahren ende sein Mandat im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UNO. Konkrete Zukunftspläne gab Ziegler nicht preis. Er schloss seinen Auftritt, bezeichnend für ihn, mit einem Zitat von Bertold Brecht «Am Grunde der Moldau wandern die Steine, Es liegen drei Kaiser begraben in Prag. Das Grosse bleibt gross nicht und klein nicht das Kleine.»

Thuner Tagblatt

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