«Schauen ist entscheidend beim Zeichnen»

Schweizweit einzigartig ist die Zeichenschule in Brienzwiler. Zeichenlehrer fördern Kinder und Erwachsene im Umgang mit Farbstiften, Kreiden oder Schnitzwerkzeug. Die Schule endet jeweils im März mit einer Ausstellung.

Zeichenschule Brienzwiler: Der Traktor von Jan von Bergen wird dank vieler Striche dreidimensional.

Zeichenschule Brienzwiler: Der Traktor von Jan von Bergen wird dank vieler Striche dreidimensional. Bild: Susi Heiniger

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«Mir gefällt es, aus einem Blatt Papier etwas Lebendiges zu machen», sagt Sandra Kunz. «Schon als kleines Kind habe ich viel ­beobachtet», erzählt die 15-Jährige. Sie habe früh in der Natur Dinge entdeckt, die andere Kinder nicht bemerkt hätten. «Hier habe ich Grundformen und das Schattieren gelernt», sagt Kilian Linder.

Mit unzähligen feinen Strichen zaubert der Meiringer mit Farbstiften eine Bärenfamilie aufs Papier. «Ich wollte sehen, was ich besser machen kann», begründet Moyra Niedermann aus Oberried ihr Interesse an der Zeichenschule.

Lehrer helfen weiter

Rund vierzig Kinder, Jugendliche und Erwachsene besuchen im Winterhalbjahr mittwochs oder donnerstags für anderthalb Stunden die Zeichenschule in Brienz­wiler. «Es ist schweizweit die einzige Schule in dieser Art», sagt der 79-jährige Heinz Schild.

Der Holzbildhauer ist bald ein halbes Jahrhundert an der Schule tätig. Obwohl er die Leitung der Schule seinem Sohn Daniel übergeben hat, gibt er immer noch mit grosser Freude sein Können weiter. «So, jetz chunnt das guet», tönt es, wenn er einem Kind mit einigen Strichen weitergeholfen hat. «Was muss ich machen, wenn ich die Pfoten gemalt habe?», fragt ein Mädchen. Geduldig geben die Zeichenlehrer Tipps oder leiten in neuen Techniken an.

Andi Anderegg unterstützt ein Kind beim Vorzeichnen; einem Jungen zeigt er das Schraffieren eines Rades, damit dieses dreidimensional wirkt. Die 14 Jahre junge Julia Streit und die 18-jährige Alicia Abegglen zeichnen mit Bleistift. Wie viele Kinder malte Julia früher Tiere, heute sucht sie Sujets im Internet.

Diesen Winter arbeitet sie an einem Herz mit Blumen, Schmetterlingen und Vögeln. Alicias Vorlage ist ein Foto. «Schauen ist das Entscheidende beim Zeichnen», sagt die Brienzerin. Ihren Bleistift legt sie oft auf Linien des Originals, um die Richtung zu finden.

Generationen finden sich

Barbara von Bergen besucht seit der dritten Klasse die Zeichenschule. Heute kommt sie mit ihren Kindern hierher. Während die Mutter sich im Malen mit Pastellkreiden übt, zeichnen ihre Buben Traktoren. Die 67-jährige ­Lisebeth Balmer aus Grindelwald malt schon seit Jahren, hat es aber nie gelernt. Sie will das Zeichnen von Grund auf lernen, sich mit Schattierungen und der Farbwahl auseinandersetzen.

Auch angehende Holzbildhauerinnen kommen in die Schule, um sich Zeit zum Zeichnen zu nehmen und Impulse zu erhalten. Einer anderen Herausforderung stellt sich René Zumbrunn: Der 14-jährige schnitzt in der Zeichenschule eine Bärenmutter mit Kind. Schon sein Grossvater war Schnitzer.


Ausstellung im Schulhaus Obermoos: 19. März, 14 bis 21 Uhr mit Konzert und Dessertbuffet und 20. März, 9 bis 17 Uhr mit Zmorgenbuffet, Konzert und Preisverleihung. Information über nächste Kurse (Start Oktober): Daniel Schild (Tel. 033 951 22 38 oder 079 769 19 45).
(Berner Oberländer)

Erstellt: 10.03.2016, 08:45 Uhr

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