Ärztezentrum Oberhasli: Seit bald neun Jahren eine Erfolgsgeschichte

Oberland

Auch eine Gemeinschaftspraxis ist nicht das Allerweltsheilmittel gegen den Hausarztmangel. Im Oberhasli stehen aber nicht der Profit im Vordergrund, sondern die medizinische Grundversorgung.

Blick in den Empfangsbereich des Ärztezentrums. Foto: Bruno Petroni

Blick in den Empfangsbereich des Ärztezentrums. Foto: Bruno Petroni

Marco Zysset@zyssetli

«Die Gründung des Ärztezentrums ist nicht die Lösung für alle Probleme.» Peter Wyss, administrativer Leiter und Gründungsmitglied der Ärztezentrum Oberhasli AG, macht sich keine Illusionen. Aber: «In den letzten Jahren wurden einige Institutionen nach ähnlichem Modell aufgebaut – was zeigt, dass es ein gutes Modell ist.»

Für das Haslital heisst das: Die Ärztezentrum Oberhasli AG ist aus der Region entstanden und dort verwurzelt. Das Gesundheitszentrum im ehemaligen Spital Meiringen wurde von Leuten aus dem Tal initiiert und wird heute von ihnen betrieben und getragen. «Bei uns steht nicht Rendite im Vordergrund, sondern der Anspruch, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen», sagt Wyss.

Zusammengerückt

Mit den fünf Gemeinden im Oberhasli, der Dorfgemeinde Meiringen, der KWO und der Spitäler FMI AG sowie der Michel-Gruppe sind neben der Ärztekasse und der Visana vor allem lokale Player an der AG beteiligt. Operativ ist das Ärztezentrum seit der Eröffnung im Sommer 2010 Schritt für Schritt zusammengerückt.

«Am Anfang waren da drei Einzelpraxen, die unter demselben Dach Hausarztmedizin anboten», erinnert sich Wyss. Nach und nach sei die Zusammenarbeit enger geworden. Die Informatikinfrastruktur wurde vereinheitlicht, das Labor führen die Ärzte gemeinsam und die Spitäler FMI AG bietet eine zentrale Radiologie an. «Zudem haben mittlerweile alle drei praktizierenden Hausärzte sich auf einem Gebiet spezialisiert, auf dem sie vertiefende Behandlungen anbieten können», sagt Peter Wyss.

Zu wenig Ärzte

Geblieben ist die Regel, dass die Patienten einen Arzt oder eine Ärztin als primäre Ansprechperson haben – aber auch die Schwierigkeit, neue Ärztinnen oder Ärzte zu finden. «Dem Hausarzt haftet immer noch das Image an, für wenig Lohn viel Arbeit leisten zu müssen. Dabei wurden die Tarife in den letzten Jahren zugunsten der Hausärzte angepasst.»

Zudem werde die Arbeitsbelastung teilweise reduziert, weil Arbeiten delegiert und Notfalldienste zusammengelegt werden. «Doch es bleiben relativ häufige, dafür aber wenig belastende Notfalldienste, ein Charakteristikum ländlicher Hausarztpraxen», sagt Wyss.

Zentrales Problem sei, dass in den letzten Jahren zu wenig Ärzte ausgebildet wurden. «Aber», betont Wyss, «wir konnten schon Ärzte in die Pension entlassen und Nachfolger oder Nachfolgerinnen finden.» Dank dem Engagement in der Weiterbildung junger Ärzte und Ärztinnen sei es möglich, das Beziehungsnetz auszubauen. «Dieses ist unerlässlich, wenn man freie Stellen besetzen will», sagt Peter Wyss.

Ein Vorteil sei ferner, dass die AG in ein Gesundheitszentrum eingebettet ist, zu dem Dienstleister wie die Praxis eines Chirurgen, eine Physiotherapie, Ernährungsberatung, die Väter- und Mütterberatung, die Spitex, die Berner Gesundheit und der Rettungsdienst der Spitäler FMI AG gehören.

Berner Oberländer

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