Als Burglind übers Land stürmte

Oberland

Was das Berner Oberland im zu Ende gehenden Jahr bewegt hat – erster Teil des Jahresrückblicks mit den Monaten Januar bis April.

An der Lenk brachte Sturm Burglind den Triebwagen einer Zugkomposition der MOB zum Entgleisen.

An der Lenk brachte Sturm Burglind den Triebwagen einer Zugkomposition der MOB zum Entgleisen.

(Bild: Adrian Moser)

Das Jahr 2018 ging stürmisch los. Burglind hiess der Sturm, der am 3. Januar mit bis zu 183 Stundenkilometern über die Schweiz hinwegfegte und auch im Berner Oberland deutliche Spuren hinterliess. Mehr als 1000 Schadenfälle wurden der Gebäudeversicherung Bern gemeldet. Vielerorts wurden Bäume entwurzelt oder geknickt. Laut BKW-Mediensprecher Gilles Seuret waren 40'000 BKW-Kunden zeitweise ohne Strom, da umgestürzte Bäume die Leitungen zerstört hatten.

Besonders heftig schlug Burglind an der Lenk zu. Acht Bahnpassagiere wurden verletzt, als eine Sturmböe einen Wagen der Montreux-Berner-Oberland-Bahn aus den Schienen hob. Wegen des aufgeweichten Bodens gestaltete sich die Bergung des Wagens schwierig. Auch an anderen Orten des Oberlands kam es zu teils massiven Behinderungen des Bahn- und Strassenverkehrs. Grosse Schäden hatte auch Erich Balmer zu beklagen. Der Initiant des auf seinem Grund und Boden stehenden Seilparks in Matten begutachtete nach dem Sturm die Schäden: Etliche umgestürzte Bäume und zerstörte Parcours.

Auf den Sturm folgte Regen

Insgesamt hat der Sturm Burglind im Kanton Bern laut Volkswirtschaftsdirektion rund 470'000 Kubikmeter Holz geworfen. Mehrere Folgestürme hätten die Sturmholzmenge zusätzlich erhöht. «Damit handelt es sich um ein ausserordentliches Schadenereignis», so die Einordnung der Volkswirtschaftsdirektion.

Aber damit nicht genug. Denn auf den Sturm folgte am 4. Januar der Regen und sorgte für Hangrutsche, Murgänge und Überschwemmungen im ganzen Oberland. So wurde die Bahnstrecke zwischen Zweilütschinen und Lütschental verschüttet. Die 165 neuen Meldungen bei der Kantonspolizei betrafen aber auch kleine Flüsse, die über die Ufer getreten waren. In Ringgenberg und Goldswil überführten Gräben, was teilweise zu Sperrungen der Strasse führte.

Reicht es bis zum Weltcup?

Eine gesperrte Strasse versetzte die Verantwortlichen besonders in Aufregung. Nach einem Erdrutsch war die Kantonsstrasse zwischen Frutigen und Adelboden unpassierbar, und das zwei Tage vor dem Skiweltcup am Chuenisbärgli. Mit Hochdruck arbeiteten die neue Regierungsstatthalterin für Frutigen-Niedersimmental, Ariane Nottaris, Kreisoberingenieur Markus Wyss und ein lokales Bauunternehmen an einer Lösung. Mit Sonderschichten durch die Nacht und schwerem Gerät wurde bis kurz vor Beginn des Skifests an einer Lösung gearbeitet: Vier 24 Meter lange Stahlträger, insgesamt 40 Tonnen schwer, stützten eine eiligst erstellte Notbrücke über die beschädigte Stelle. Damit war die Strasse nach Adelboden pünktlich für alle Weltcupfans wieder passierbar. (Claudius Jezella)

Auch im übrigen Kantonsteil hatte der Sturm verheerende Folgen:

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Grosse Trauer um Hanery Amman

Am 30. Dezember 2017, als die letzten Jahresrückblicke noch druckfrisch waren, verlor die nationale Musikszene einen grossen Namen – und Interlaken ein kulturelles Aushängeschild. Hanery Amman, Komponist von Polo Hofers grösstem Hit «Alperose» sowie national geschätzter und bewunderter Pianist, erlag dem Lungenkrebs. Der Musiker war im Jahr 1971 Mitbegründer der Gruppe Rumpelstilz, für die er diverse Hits komponierte. Nach der Auflösung dieser Formation war Amman als Solokünstler tätig, veröffentlichte je ein englischsprachiges Album («Burning Fire», 1980) sowie ein Mundartalbum («Solitaire», 2000) und spielte regelmässig Konzerte; natürlich auch in seinem Heimlokal, dem Goldenen Anker in Interlaken.

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Nach Ammans Tod fand im September auf dem Bundesplatz in Bern ein Gedenkkonzert statt. Gleichzeitig war es die Plattentaufe für das posthum erschienene letzte Hanery-Album «Instrumental». (cb)


Jahrhundertbau eingeweiht

In Rekordzeit und zumindest für die Region in Rekorddimensionen wurde die neue Werfthalle der BLS gebaut; am 11. Januar wurde sie im Beisein von Vertretern aus Politik und Wirtschaft eingeweiht. Sie wurde mit dem Anspruch gebaut, 100 Jahre Bestand zu haben. Der Bau der 12,8 Millionen Franken teuren Werfthalle verlief unfallfrei. Fünfzehn Monate nach dem Abriss der alten stand bereits das erste Schiff bereit zur Generalüberholung. (maz)

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Sonja Reichen tritt zurück

Die andauernde Kritik zermürbte die Oberhofner Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger (FDP). Der negative Höhepunkt war die Gemeindeversammlung Ende November, die nach stundenlangen Streitereien und Angriffen an die Adresse des Gemeinderates und vor allem Reichens abgebrochen werden musste. Ein paar Wochen später trat die Gemeindepräsidentin entnervt zurück. Sie sprach von mangelndem Respekt, abnehmender Kompromissbereitschaft und fehlender Zivilcourage. «Weil ich es nicht mehr schaffe, das Negative nicht persönlich zu nehmen, ziehe ich meine Konsequenzen.» Nach insgesamt 14 Jahren im Gemeinderat, die letzten 7 davon als Präsidentin, verabschiedete sie sich Ende April in den politischen Ruhestand. Als Nachfolger wurde Philippe Tobler (SVP) gewählt. (rop)


Im Johnny’s ist nichts mehr los

Nach 51 Jahren ist Schluss: Ende Februar schloss der Johnny’s Club im Carlton Europe seine Türen. «Vor allem, aber nicht nur, sind es der Schallschutz und die sanitären Anlagen, die einer dringenden Sanierung bedürften», erklärt Stephan JJ. Maeder, der das Hotel Carlton zwölf Jahre zuvor gekauft hatte. «Im Johnny’s Club isch immer öppis los», sang Polo Hofer 1987. Nun ist nichts mehr los. Zumindest vorläufig. Eine Wiedereröffnung sei möglich, meint Maeder. Allerdings mit einem komplett neuen Konzept. (sgg)


Der «Schlauch» bleibt zu

In einem waren sich Befürworter und Gegner der sogenannten Interlakner Verkehrsinitiative einig: Es wird sehr knapp. Die Initiative forderte, dass der «Schlauch», das Stück Höheweg zwischen Post und Hotel Metropole, wieder für den motorisierten Individualverkehr geöffnet wird. Weiter sollte der Gemeinderat einen neuen Verkehrsrichtplan erarbeiten. Der Verein hinter dem Begehren versprachen sich von den Massnahmen eine Entlastung der Wohnquartiere. Der Gemeinderat sah es anders. Er warnte, eine Öffnung des «Schlauches» würde mehr Verkehr ins Zentrum bringen und könnte zu einem Verkehrschaos führen. Die ganze Verkehrsplanung der letzten Jahre würde über den Haufen geworden.

Die Stimmbürger hatten das letzte Wort und entschieden: Der «Schlauch» bleibt zu. Bild: Bruno Petroni

Abgestimmt wurde am 4. März. Und sie erteilten der Initiative mit einem Nein-Anteil von 54 Prozent eine Abfuhr. David Bühler vom Gegenkomitee sprach von einem «Grundsatz der Vernunft». Die Mehrheit habe es vorgezogen, in kleinen Schritten vorwärtszugehen, statt wieder ganz von vorn zu beginnen. (sgg)


Merz eröffnet die neue Simmental-Arena

Die Ehre hatte Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz: Er zerschnitt das rote Band und weihte die neue Simmental-Arena ein. Flankiert wurde er dabei von Grossratspräsidentin Ursula Zybach und Gönnerin Viktoria Schmidheiny. Nach rund einjähriger Bauzeit wurde das Holzbauwerk offiziell dem Betrieb übergeben. Die Halle soll Platz für Anlässe der multikulturellen Dorfvereine, aber auch für Gross- und Kleinviehschauen der Landwirtschaft und der damit verbundenen umfangreichen Viehvermarktung bieten. (sgg)


Ausserdem geschehen im Oberland:

  • 6. Februar Ein Leser dieser Zeitung beobachtet einen Wolf in Heimenschwand. Im Verlauf des Jahres werden weitere Tiere in der Region gesichtet.
  • 17. Februar Erstmals überhaupt liegt die Bilanzsumme der AEK Bank über 4 Milliarden Franken. Auch bei den Kundengeldern wurde ein Rekordwachstum verzeichnet.
  • 7. März Der Grosse Gemeinderat Spiez macht Nägel mit Köpfen: Er überweist die überparteiliche Motion René Barbens (FS/GLP) klar. Nun muss der Gemeinderat den Uferweg vom Weidli ins Ghei früher an die Hand nehmen, als ihm lieb ist. 2019 konkret.
  • 5. März Gut 3500 Startende stellen sich dem Survival Run. Wegen eisiger Stellen passte das OK die Strecke an und verzichtete auf die klassischen Wasserpassagen.
  • 22. März Weg frei für die Umfahrung Wilderswil: Der Grosse Rat hat gestern dem Verpflichtungskredit von 70,35 Millionen Franken mit grosser Mehrheit zugestimmt. Der Baubeginn für das Grossprojekt ist für 2020 vorgesehen.
  • 29. März Es soll wieder Leben ins Schulhaus einkehren. Die Gimmelwalder gründen eine Genossenschaft, die das Gebäude kaufen und sanieren soll. Es soll ein Ort der Begegnung werden. Später im Jahr stimmt die Gemeindeversammlung Lauterbrunnen dem Verkauf zu.
  • 29. April Das reformierte Kirchenvolk sagt Ja zur Initiative «Pro Joki» und damit Nein zur Schliessung der Thuner Johanneskirche. Doch die Differenzen innerhalb der Kirchgemeinde sind damit nicht bereinigt.

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