Angeklagte sollen Land verlassen

Vier mutmassliche Räuber sollen nach dem Willen der Staatsanwältin des Landes verwiesen werden. Die Verteidiger hielten aber dagegen.

Beim Vorfall am Brienzersee wurden sechshundert Franken erbeutet, das Opfer konnte in einem unbemerkten Augenblick fliehen.

Beim Vorfall am Brienzersee wurden sechshundert Franken erbeutet, das Opfer konnte in einem unbemerkten Augenblick fliehen.

(Bild: Fotolia)

Ein Quartett, das in einer Gemeinde am Brienzersee mutmasslich einen Raub, Einbruch und Sachbeschädigung verübt hatte, stand am Dienstag erneut vor Gericht. Die Staatsanwältin hielt in ihren Ausführungen fest, dass es sich beim Raub – begangen im Oktober 2016 – um einen qualifizierten Raub gehandelt habe. Dieser liege dann vor, wenn der Täter unter anderem «durch die Art der Begehung seine besondere Gefährlichkeit» offenbare. Die Staatsanwältin argumentierte: Wenn man einem Opfer ein Messer an den Hals halte, nehme man bei etwaigen, unvorhersehbaren Bewegungen auch Verletzungen des Opfers in Kauf.

Fingerabdruck am Tatort

«Ja, ich spürte die kalte Klinge am Hals», habe das Opfer nach dem Vorfall bei der Polizei zu Protokoll gegeben (siehe Ausgabe von gestern). Der Raub hat am helllichten Tag stattgefunden, ein Fingerabdruck führte schliesslich zur ­mutmasslichen Täterschaft. Der Haupttäter der Vierergruppe, der das Messer offenbar in der Hand hielt, habe schon im Sommer einen Raub verübt, so die Staatsanwältin. Beim Vorfall am Brienzersee wurden sechshundert Franken erbeutet, das Opfer konnte in einem unbemerkten Augenblick fliehen.

Ausser dem Vorwurf des Raubes mussten sich die Täter wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch verantworten, die letzten beiden Tatbestände galten von der Verteidigung als unbestritten. Die Staatsanwältin forderte für die beiden Haupttäter mehrjährige Haftstrafen (4 Jahre und 7 Monate, 3 Jahre), für die Mittäter, die den Hinweis auf die Wohnung gaben oder das Fluchtfahrzeug fuhren, 101/2 und 7 Monate. Die verbüsste Untersuchungshaft sollte jeweils angerechnet werden; alle vier sollen für 5 Jahre des Landes verwiesen werden, denn sie stammen aus Syrien, der Türkei und Kosovo.

Die Verteidigung hielt den Forderungen der Staatsanwaltschaft entgegen, plädierte für einfachen Raub, da es weder Verletzungen gegeben habe, noch das Opfer gefesselt wurde. Weiter wurde argumentiert, die vier seien gut bis sehr gut integriert, ein Landesverweis deshalb nicht zumutbar. Alle Angeklagten zeigten Reue: «Ich würde mich gerne persönlich beim Opfer entschuldigen und das Geld zurückzahlen», sagte der jüngste. Ein Verteidiger stellte gar die Anklageschrift infrage und forderte Freispruch für seinen Mandanten in den wesentlichen Anklagepunkten. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...