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Bäckerei Binoth in neuen Händen

Ende Dezember findet die Ära Binoth nach 62 Jahren ihren Abschluss: Sonja Binoth hat ihre Bäckerei-Konditorei mit drei Standorten an die Heimwehspiezerin Franziska Grossen verkauft.

Sonja Binoth vor der Bäckerei-Konditorei an der Seestrasse 40 in Spiez. Sie hat ihre S. Binoth AG verkauft.
Sonja Binoth vor der Bäckerei-Konditorei an der Seestrasse 40 in Spiez. Sie hat ihre S. Binoth AG verkauft.
Jürg Spielmann

Ihre Augen werden feucht, wenn die Geschäftsfrau erzählt, wie die Belegschaft die Verkaufsnachricht aufgenommen hat. «Meine Mitarbeiter haben sehr herzlich reagiert und freuten sich für mich.» Sonja Binoth spricht von einem «emotionalen, aber sehr positiven» Moment.

Einem, der ihr im Vorfeld jedoch bleischwer auf dem Magen gelegen war. Die gute Kunde, dass es ab 2018 für ihr 25-köpfiges Team unverändert weitergehen wird, machte es für sie freilich etwas einfacher.

Das war vor zehn Tagen. Nun findet Sonja Binoth, es sei an der Zeit, auch die Öffentlichkeit über die geänderten Besitzverhältnisse der S. Binoth AG zu informieren. «Transparent, offen und ehrlich», sagt sie. «Das bin ich unserer Kundschaft schuldig.» Sie tut es auch, damit allfällige Gerüchte im Dorf gar nicht erst aufkeimen.

Vom Schluch- zum Thunersee

Sonja Binoth hat ihre Aktiengesellschaft per 1. Januar 2018 zu einem nicht genannten Preis an Franziska Grossen verkauft. «Es wird weiterhin eine Chefin geben – und auch sie trägt eine Brille», sagt die Spiezerin und schmunzelt. Grossen, eine gebürtige Baslerin, war früher bereits in Spiez wohnhaft.

Mit ihrem Mann führte sie in den letzten 12 Jahren eine Pension am Schluchsee. Das Paar – er ist Simmentaler – wird im Südschwarzwald bald die Koffer packen und zurück an den Thunersee ziehen.

Als sich vor 4 Jahren abgezeichnet hat, dass es keine Nachfolge in der Familie geben wird, suchte Sonja Binoth über eine spezialisierte Firma nach einer Käuferschaft für ihre Bäckerei-Konditorei. Und hat nun «eine Herzenslösung» gefunden. «Eine Schweizer Lösung war mir ein grosses Anliegen.» Anfragen von Investoren aller möglichen und unmöglichen Art hatte sie auch erhalten. Zuhauf sogar.

Mit Franziska Grossen seien die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Weiterbetrieb des Traditions­hauses gegeben. Dessen sind sich Sonja Binoth und ihr Lebenspartner Thomas Rubin, der ihr seit einem Jahrzehnt zur Seite steht, sicher. Klar ist aber auch, dass sich die Binoth-Käuferin aufs Neue wird behaupten müssen.

Des Kämpfens müde

Für die Patronne ist es kein Leichtes, den Betrieb mit drei Standorten und 25 Angestellten – die Hälfte davon arbeitet Teilzeit – loszulassen. «Ich habe 35 Jahre für das ‹Binoth› gelebt. Da ist ganz viel Herzblut drin.» Doch sie habe gemerkt, dass es «auf diesem Level», wie sie sagt, nicht mehr weitergehe. Die Zwölfstundentage, die Verantwortung hätten zunehmend an den Kräften gezehrt. «Die Kunden und mein Partner motivierten mich immer wieder, weiterzukämpfen.» Erstere würden ihr einst ebenso fehlen wie die Mitarbeiter. Das weiss sie schon heute.

Die Ära Binoth hatte 1956 mit dem Kauf der Bäckerei Frei an der Seestrasse 40 begonnen. 1985 übernahmen Sonja und Bernhard Binoth von dessen Eltern. Ab 1991 und dem unerwarteten Hinschied ihres Gatten führte die Mutter zweier Söhne das Geschäft selbst – mit grosser Unterstützung der Familie. Stehen geblieben ist sie dabei nie: Zusätzlich zum Hauptgeschäft mit Café eröffnete Sonja Binoth 1996 die Filiale Terminus und 2013 ergänzend den Binoth-Träffpunkt, der in der Bahnhofunterführung ­Reisende und Pendler mit Back­waren bedient.

«Ich bin froh, wird der Druck etwas abnehmen», sagt sie. Franziska Grossen wird am 3. Januar 2018 unter dem heutigen Namen eröffnen. «Wir freuen uns auf den neuen Lebensabschnitt.» Doch auf null runterfahren kann und will Sonja Binoth nicht. Sie wird ihre Nachfolgerin bis längstens Ende März zu 50 Prozent unterstützen. Und dann plant sie, bei ihrem Partner, der in Thun ein Projekt am Start hat, mitzuar­beiten.

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