«Bärndütsch im Nieseschatte»

Spiez

Grosser Andrang zur Vorstellung des neuen Buchs von Hansruedi Indermühle in Spiez.

Fasziniert von der Muttersprache: Hansruedi Indermühle erzählt in der Bibliothek Spiez aus seiner Zeit als «Burebueb». Foto: Guido Lauper

Fasziniert von der Muttersprache: Hansruedi Indermühle erzählt in der Bibliothek Spiez aus seiner Zeit als «Burebueb». Foto: Guido Lauper

Das Gedränge erinnerte an alte Zeiten, als das Providurium der alten Bibliothek bei solchen Einladungen aus allen Nähten platzte. Nur dass sich heute das Podium durch das Öffnen der Schiebetür erweitern lässt. «Alte Zeiten» waren auch das Thema der Vernissage von Hansruedi Indermühles Schrift «Bärndütsch am Nieseschatte», ergänzt durch das Büchlein «Redewendige im Nieseschatte». Der ehemalige «Dorfschulmeister», wie er sich selbst nannte, und pensionierte Informationschef des AC-Labors Spiez verhehlte seine Herkunft als Bauernsohn aus Wimmis keineswegs. Vielmehr habe diese sein Interesse an der Muttersprache aktiviert. Das sich geradezu zur bleibenden Passion entwickelt habe. So verwundert sein nächstes Projekt nicht, mit welchem er die verschiedenen Dialekte der Bäuerten Einigen, Faulensee und Hondrich festhalten will.

Verbindende Musik

Den Menschen, dem die Muttersprache ein Herzensanliegen ist, zeigte der feinsinnige Film von Werner Stalder. Der einmal mehr bewies, wie er scheinbar unfassbare Themen in laufenden Bildern anschaulich umsetzt. Die von Stalder erwähnten trockenen Zahlen, wie 170 Bilder aus 17 Verzeichnissen mit 510 Szenen und 12 Titeln zeigten lebendige Geschichten um Hansruedi Indermühle; vom Knirps bis zum bestandenen Rhetoriker. Der sich als Gemeinderat in der politischen Szene viele Freunde und vermutlich auch Feinde gemacht hatte.

Beides, den Familienmenschen und den Sprachliebhaber, verbanden das Neoländler-Duo Thomas Keller und Susanne Jaberg. Mit einem Dutzend historischer und nachgebauter Instrumente, vom «Häxeschyt» (Kratzzither) bis zur singenden Säge aus ihrer umfangreichen Sammlung faszinierten sie die Vernissagegäste mit Titeln vom Niesen bis weit übers Mittelland hinaus.

«Sprache ist Heimat»

Schliesslich sprach da auch noch Klaus Baur, bekannt – und in seiner Zeit da und dort wohl ebenso gefürchtet – als ehemaliger Regierungsstatthalter. In seiner Laudatio bekannte er: «Wir sind von der Muttersprache, also von der eigenen Mundart geprägt. Von einer Sprache, die sich dauernd verändert und von der wir nicht wissen, wohin sie noch führt.» Eine Gewissheit, die auch Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner beschäftigte, indem sie meinte: «Sprache ist uns Heimat und Wurzel; sie gibt uns Zugang zu unseren Herzen.»

Hansruedi Indermühle: «Bärndütsch im Nieseschatte», Band 2 – «Wohin giit üses Bärndütsch» und «Redewendige im Nieseschatte» mit «Ziichnige vo Kurt Siegentaler», sind im Eigenverlag erschienen und für 17 Franken im Bücherperron Spiez erhältlich. Infos: www.indermuehlespiez.ch

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