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Brahms-Feeling mit griffiger Brillanz

Rund 850 Zuhörende liessen an den Interlaken Classics Ostern musikalisch ausklingen. Das Sinfoniekonzertdes Zakhar Bron Festival Orchestra und der japanischen Geigerin Mayuko Kamio bot Musik auf höchstem Level.

Die japanische Bogen- und Saitenzauberin Mayuko Kamio brillierte technisch wie musikalisch in Brahms Violinkonzert – mit dem Zakhar Bron Festival Orchestra und Zakhar Bron am Dirigentenpult.
Die japanische Bogen- und Saitenzauberin Mayuko Kamio brillierte technisch wie musikalisch in Brahms Violinkonzert – mit dem Zakhar Bron Festival Orchestra und Zakhar Bron am Dirigentenpult.
Heidy Mumenthaler

Das seit 2011 bestehende Zakhar Bron Festival Orchestra – mit Meisterschülern und Nachwuchstalenten aus aller Welt – verwandelte am Ostertag die mit rund 850 Besuchern besetzte Konzerthalle des Kursaals Interlaken in einen einzigartigen Klangkörper. Was die zierliche ­japanische Geigerin Mayuko Kamio (Jahrgang 1986) im ersten Teil dazu beitrug, war grandios.

Sie erkundete eines der berühmtesten, aber in technischer Hinsicht auch eines der schwierigsten romantischen Konzerte. Hans von Bülow nannte es zu ­seiner Zeit ein «Konzert gegen die Violine». Das Werk aus der Zusammenarbeit von Johannes Brahms und dem Geiger Joseph Joachim legt Zeugnis ab von einer tiefen Freundschaft.

Mayuko Kamio präsentierte das Brahms-Konzert locker und mit leuchtender Klarheit.

Bei der meisterhaften Interpretation in Interlaken konnte niemand erahnen, dass das sinfonische Violinkonzert früher als fast unspielbar galt. Heute hat es jeder grosse Geiger oder jede grosse Geigerin im Repertoire. Mayuko Kamio präsentierte das Brahms-Konzert locker und mit leuchtender Klarheit.

Filigrane Schönheit

Unter Leitung von Zakhar Bron und seinem Festival Orchestra erhielt das Werk funkelnde Transparenz. Kamios Brahms-Interpretation wirkte leicht und flüssig. Auch extrem schwierige Doppelgriffpassagen, hohe Lagen und rasante Tempi entzückten mit lupenreiner, intonationssicherer Ausführung. Dazu prägte der anpassungsfähige Klang des Orchesters den Gesamteindruck entscheidend mit.

Die Solistin legte Brillanz, Virtuosität und romantische Leidenschaft in ihr Spiel. Sie vereinte zauberhafte Ausgestaltung und exzellente technische Versiertheit. Es war ein Vergnügen pur, der grandiosen Künstlerin zu lauschen. Erst nach einer Paganini-Solozugabe wurde sie von der Bühne ent­lassen.

Das Orchester entführte klangmalerisch in Stimmungen der Natur.

In Beethovens Manier und brillant stimmte das Zakhar Bron Festival Orchestra im zweiten Teil in die herrliche Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 op. 72a ein. Kunstvolle Verschränkungen folgten in Beethovens sechster Sinfonie, F-Dur «Pastorale».

Das Orchester entführte klangmalerisch in Stimmungen der Natur, die von Empfindungen der Menschen bei der Ankunft auf dem Lande über die Szene am Bach, lustiges Beisammensein der Landleute, Donner und Sturm bis hin zum Hirtengesang mit dankbaren Gefühlen nach dem Sturm zum Ausdruck brachten.

Konzentriert bis zum Schluss

Dass Beethoven lange Konzerte liebte, wurde auch an den Interlaken Classics erlebbar. Die Dauer des wunderbar ausgewählten Programms dauerte inklusive Pause zweieinhalb Stunden, wobei beim Dirigenten Bron keine Ermüdung erkennbar war und die Konzentration bei den Zuhörenden bis zum Schluss dauerte.

Sie kosteten aufmerksam die musikalischen Leckerbissen aus und spendeten danach lang anhaltenden, kräftigen Applaus.

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