Buchsbaumzünsler ist auf dem Vormarsch

Der Buchsbaumzünsler war heuer deutlich früher unterwegs als auch schon. Die Raupe frisst sich durch die Gärten im Berner Oberland und schädigt Buchspflanzen massiv.

Totalschaden: Diese Buchshecke ist nicht mehr zu retten. Der vom Zünsler angerichtete Schaden ist zu gross.

Totalschaden: Diese Buchshecke ist nicht mehr zu retten. Der vom Zünsler angerichtete Schaden ist zu gross.

(Bild: Stefan Kammermann)

«Wir müssen heuer wohl auch wieder spritzen», sagt Patrick Bürchler, Schlosswart und Leiter Betrieb und Garten im Schloss Spiez. Angesprochen sind die Buchspflanzen im Schlosshof. Seit vier Jahren nagt der Buchsbaumzünsler am Grün. Heuer ist er angesichts der frühen, warmen Temperaturen und nur einer kurzen Kältephase früh unterwegs.

«Wir kontrollieren alle zwei Wochen und leiten dann, wenn nötig die Bekämpfung ein», so der ­Spiezer Schlosswart weiter. Zurzeit haben die Schlossgärtner das Problem im Griff. Ausserhalb des Spiezer Wahrzeichens wurden die Buchspflanzen im entsprechenden Zuständigkeitsbereich indes rigoros abgeräumt, ohne Ersatz. «Im Moment ist noch nicht klar, was dort passiert. Es muss historisch stimmen – dies könnte auch ganz einfach ein Rasen sein», erläutert Bürchler.

Jetzt vorsehen

Eines jedenfalls ist klar: Wer Buchspflanzen im eigenen Garten oder als Pflanzen im Topf auf der Terrasse hält, muss sich jetzt einmal mehr unbedingt vor­sehen. «Der Buchsbaumzünsler wird leider nicht weniger», sagt Markus Weibel, Leiter Stadtgrün Thun. Allerdings hat er nicht das Gefühl, dass die Zahl der gefrässigen Raupen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hat.

Dennoch beschäftigt das Thema die Thuner Fachleute. «Wir wollen diesbezüglich flexibler werden und unsere Strategie ändern», so Weibel weiter. So dürften zum Beispiel künftig zunehmend Ersatzpflanzen zum Zuge kommen.

Andreas Michel, Werkhofchef der Bauverwaltung Interlaken spricht von einem «grossen Kampf» der seit drei Jahren die Werkhofleute in Sachen Buchspflanzen während der Vegetationszeit beschäftigt. Eingesetzt werden biologische Gegenmittel. Aber in der Gegend wurden auch schon Buchspflanzen auf grösseren Flächen ausgerissen.

Historische Buchsgärten weg

Verschwunden sind in der ­Zwischenzeit die historischen Buchsgärten vor den alten, erhaltenen Bauerhäuser im Freilichtmuseum Ballenberg. Übrig geblieben ist ein einziger Garten mit Buchspflanzen. «Dies hat nichts mit dem Buchsbaumzünsler zu tun», erklärt Marianne ­Eggenschwiler, Leiterin Garten. Vielmehr hat den geschichtsträchtigen Buchsgärten die Pilzkrankheit Cylindrocladium buxicola zugesetzt.

Der Pilz kann nicht bekämpft werden. Deshalb haben die Verantwortlichen die Buchspflanzen in den Ballenberg-Gärten mit einer Ausnahme entfernt und mit der Ersatzpflanze Ilex crenata, einer robusten Stechpalme, ersetzt. «Die Pilzkrankheit ist fast schlimmer als der Zünsler», hält Marianne Eggenschwiler fest.

Augen offen halten

Dass sich der Buchsbaumzünsler heuer deutlich früher durch die Pflanzen frisst, bestätigt Josef Poffet, Bereichsleiter beim Unternehmerverband Jardin Suisse. Er empfiehlt allen Gartenbesitzern, diesbezüglich die Augen offen zu halten. «Wer den Zünsler rasch entdeckt, kann viel Schaden verhindern», betont er.

Und er fügt an, was auch weitere von dieser Zeitung befragte Fachleute sagen: Dass es keine Buchspflanzen gibt, die resistent gegen den gefrässigen Zünsler sind. Poffet rät, regelmässige Kontrollen durchzuführen und allenfalls auf Ersatzpflanzen wie kleinwachsende, immergrüne Zwerggehölze als Alternative zu setzen. Denn es ist der grosse Appetit der Zünslerraupen, der den Buchs zerstört.

Sie fressen sich im Eilzugstempo durch die Pflanzen und bringen so Einzelpflanzen, aber auch ganze Hecken zum Absterben. Abgefressen werden sowohl die Blätter wie auch die Rinde der Zweige.

Der Buchsbaumzünsler durchläuft als Kleinschmetterling ein Raupenstadium. Die Tiere überwintern als junge Raupen in der Buchspflanze zwischen zusammengesponnenen Blättern. Die weisslichen Gespinste sind zwischen Blättern und Ästen leicht zu erkennen.

Im Frühjahr beginnen die gelb-grünen Raupen den Buchs kahl zu fressen. Sind die Falter geschlüpft, legen sie ihre Eier in die benachbarten Buchsbäume. Das gelbliche Eigelege des Zünslers befindet sich auf der Blattunterseite und fällt durch schwarze Punkte in der Mitte jedes Eis auf.

Die Raupe des Buchsbaumzünslers. Bild: zvg

Pro Jahr können bis zu vier Generationen Buchsbaumzünsler auftreten. Da der Zünsler zuerst im Innern der Büsche frisst, fällt ein Befall meist erst spät auf, wenn kahl gefressene und braune Stellen oder die Gespinste sichtbar werden.

Aus Asien eingeschleppt

Der Buchbaumzünsler ist je nach Witterung bis Anfang Oktober aktiv. Weil die Raupen giftig sind, hat er keine natürlichen Feinde – in der Regel wird er von Vögeln verschmäht. Die Raupe wurde 2007 erstmals im Raum Basel festgestellt.

Sie stammt aus dem asiatischen Raum und wurde vermutlich mit befallenen Pflanzen- und Steinlieferungen eingeschleppt. Seither breitete sie sich im Mittelland aus und wurde im Frühjahr 2012 erstmals auch in der Region Thun festgestellt. Der Buchsbaum ist eine einheimische Pflanze und gilt vorab im Frühjahr als gute Bienenweide.

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