Das Erbe von Robin Hood

Region Thun

In Uttigen wird mit Pfeil und Bogen geschossen. Der Verein Bogenschützen Uttigen richtete sich dort einen Übungsplatz ein.

Das Ziel in weiter Ferne: Wer das Zentrum der Scheibe treffen will, braucht eine ruhige Hand.<p class='credit'>(Bild: Daniel Schöni)</p>

Das Ziel in weiter Ferne: Wer das Zentrum der Scheibe treffen will, braucht eine ruhige Hand.

(Bild: Daniel Schöni)

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Wort «Bogenschiessen» hören? Mir kamen Szenen aus «Robin Hood» in den Sinn. In Uttigen angekommen, lernte ich, dass dies gar nicht mal so weit hergeholt, jedoch nur ein Teil des Ganzen ist. Roberto Chiarelli, Präsident des Vereins Bogenschützen Uttigen, klärte mich über die verschiedenen Varianten des Bogenschiessens auf.

Nebst unterschiedlichen Bögen, Pfeilen, Zielscheiben und Disziplinen gibt es auch eine Vielzahl an Arten des Bogenschiessens. Und siehe da, ebenfalls die mittelalterliche Variante, bei der vom Bogen über den Pfeil bis hin zur Kluft alles detailgetreu nachempfunden ist.

Eine Halle als Ziel

Der Verein ist im April 2016 von sieben leidenschaftlichen Bogenschützen gegründet worden. Anfang Jahr konnte der Aussen-schiessplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Rollhockeyhalle realisiert werden. In Planung ist bereits eine Bogensporthalle, welche das Trainieren auch in den kalten Jahreszeiten ermöglicht. Wie verhält es sich eigentlich mit den Vorurteilen des Schiessens als Sport? Der Präsident stellt klar: «Der Bogen ist keine Waffe, sondern ein Sportgerät. Eine Waffe kann man laden und danach herumlaufen, dies ist mit einem Bogen nicht möglich.»

Ein paar Pfeile schiessen zu wollen, weil man am Vorabend den Hollywoodstreifen «Die Tribute von Panem» gesehen habe, sei die falsche Motivation. Das Bogenschiessen habe etwas Meditatives, der sportliche Aspekt äussert sich durch das Beanspruchen der Arme und Schultern. Nach diesem Gespräch gehe ich anders an das Bogenschiessen heran. Jetzt geht mir Robin Hood nicht mehr durch den Kopf.

Für Jung und Alt

Nach einer kurzen Einführung durch Vizepräsident Simon Kaufmann durfte ich endlich einen Pfeil abfeuern. Für mich als Laien noch mit einem eher ge­ringen Abstand auf die grösste Scheibe. Etwas vom Wichtigsten ist die Haltung – und vor allem die Gelassenheit. Dachte und zielte ich zu lange, fingen meine Hände an zu zittern. Nach eher wackeligen Durchgängen liess ich eine Weile die Profis ran. Die wettkampforientierten Schützen schossen auf die gleiche Scheibe wie ich, jedoch aus einer Distanz von 70 Metern.

Einer dieser Wettkampfschützen ist Joe Gutjahr aus Reutigen. Er hat grosse Ziele. «Ich möchte Schweizer Meister werden, im Outdoor sowie im Indoor.» Vizemeister im Outdoor ist er bereits, dies bestärkt ihn in seinem Ziel. Auch Junge haben Interesse am Sport. Der neunjährige Maurizio Scheidegger packte das Bogenschiessen bei einem Besuch an einer Schnupperlektion mit seinem Vater. Und was gefällt ihm an diesem Sport? «Es macht einfach Spass!», so der junge Schütze aus Uttigen.

Thuner Tagblatt

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